Warren Buffett
Warren Buffett hat aus einer niedergehenden Textilfirma in Neuengland einen weit verzweigten Mischkonzern geformt. Berkshire Hathaway vereint heute Versicherer, eine Eisenbahn, Energieversorger, Industriebetriebe und ein umfangreiches Aktienportfolio. Über Jahrzehnte galten seine Aktionärsbriefe und die Hauptversammlungen in Omaha als Lehrstunde für wertorientiertes Investieren. Zum Jahresbeginn 2026 übergab er die operative Führung an Greg Abel, im September 2026 auch den Vorsitz des Verwaltungsrats.
Werdegang
Buffett wurde 1930 in Omaha im Bundesstaat Nebraska geboren. Nach zwei Jahren an der Wharton School der University of Pennsylvania wechselte er an die University of Nebraska, die er 1951 mit einem Bachelor in Betriebswirtschaft abschloss. Im selben Jahr erwarb er einen Master in Volkswirtschaftslehre an der Columbia University in New York. Dorthin hatte ihn vor allem Benjamin Graham gezogen, der Begründer der Wertpapieranalyse, der an der Columbia lehrte.
Von 1954 bis 1956 arbeitete Buffett als Wertpapieranalyst in Grahams Gesellschaft Graham-Newman. Als Graham sich 1956 zurückzog und seine Partnerschaft auflöste, kehrte Buffett nach Omaha zurück und legte eigene Investmentpartnerschaften auf. Diese bündelte er Anfang 1962 in der Buffett Partnership Ltd. Für neues Geld schloss er sie 1966, drei Jahre später löste er sie auf.
Bereits 1962 hatte die Partnerschaft begonnen, Aktien der Textilfirma Berkshire Hathaway zu kaufen, damals zu 7,50 US-Dollar je Stück. 1965 übernahm Buffett die Kontrolle über das Unternehmen, das bisherige Management trat ab. Seit 1970 stand er an der Spitze des Verwaltungsrats. Charlie Munger stieß 1978 als stellvertretender Vorsitzender hinzu und blieb bis zu seinem Tod Ende 2023 der wichtigste Partner Buffetts.
Rolle und Wirken
Den Grundstein für den späteren Konzern legte 1967 der Kauf des Versicherers National Indemnity für 8,6 Mio. US-Dollar. Die Prämien, die Versicherer vereinnahmen, bevor sie Schäden begleichen müssen, wurden zur zentralen Finanzierungsquelle für Buffetts Beteiligungen. 1972 folgte der Süßwarenhersteller See's Candies für 25 Mio. US-Dollar, 1976 der Einstieg beim Autoversicherer GEICO, dessen übrige 49 Prozent Berkshire 1996 für 2,3 Mrd. US-Dollar erwarb. 1998 übernahm Berkshire den Rückversicherer General Re für 22 Mrd. US-Dollar.
Mit der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt auf kapitalintensive Infrastruktur. 1999 kam der Energieversorger MidAmerican Energy hinzu, aus dem später Berkshire Hathaway Energy wurde. Die Eisenbahn BNSF übernahm Berkshire nach einem ersten Einstieg 2007 im Jahr 2010 vollständig. 2016 kaufte der Konzern den Flugzeugzulieferer Precision Castparts für 32,1 Mrd. US-Dollar. Gemeinsam mit dem Finanzinvestor 3G Capital erwarb Berkshire 2013 den Lebensmittelhersteller Heinz, der 2015 mit Kraft Foods zu Kraft Heinz fusionierte.
Neben den vollständig übernommenen Firmen prägten große Aktienpositionen Buffetts öffentliches Bild. Ab 1988 kaufte Berkshire Aktien von Coca-Cola. Seit 2016 baute der Konzern eine Beteiligung an Apple auf, die Ende 2022 rund 5,8 Prozent des Unternehmens erreichte. Im zweiten Quartal 2024 verkaufte Berkshire Aktien im Wert von netto rund 75,5 Mrd. US-Dollar, überwiegend Apple, und halbierte die Apple-Position damit fast. Seit 2019 hält Berkshire zudem Anteile an fünf japanischen Handelshäusern. Die Barreserve stieg bis Ende Juni 2024 auf den damaligen Rekordwert von 276,9 Mrd. US-Dollar. Im Januar 2026, kurz nach dem Führungswechsel, übernahm Berkshire die Chemiesparte OxyChem des Ölkonzerns Occidental Petroleum für 9,7 Mrd. US-Dollar.
Über die Jahrzehnte entwickelte sich aus einer Textilfirma ein Konglomerat mit einem Börsenwert von rund 1 Billion US-Dollar. Nach einer von der Nachrichtenagentur AP im September 2026 zitierten Rechnung stieg der Marktwert je Berkshire-Aktie während Buffetts Zeit als Vorstandschef um durchschnittlich 19,9 Prozent im Jahr, verglichen mit 10,4 Prozent beim Index S&P 500 einschließlich Dividenden.
Anlagestil
Buffetts Ansatz beruht auf Grahams Gedanken, eine Aktie als Anteil an einem Unternehmen zu betrachten und nur mit ausreichendem Abstand zwischen Preis und innerem Wert zu kaufen. Unter dem Einfluss Mungers rückte er davon ab, vor allem rechnerisch billige Unternehmen zu erwerben, und legte mehr Gewicht auf die Qualität des Geschäftsmodells, dauerhafte Wettbewerbsvorteile und eine verlässliche Führung. See's Candies gilt als frühes Beispiel dafür, dass ein höherer Kaufpreis gerechtfertigt sein kann, wenn ein Unternehmen über Jahre Gewinne ohne großen Kapitalbedarf abwirft.
Kennzeichnend sind lange Haltedauern, eine dezentrale Führung der Tochterfirmen und der Verzicht auf Dividenden. Berkshire behält Gewinne ein und investiert sie neu. Seine Überlegungen machte Buffett in jährlichen Aktionärsbriefen öffentlich, deren erster 1970 erschien. Die Hauptversammlung in Omaha zog jedes Jahr Zehntausende Besucher an. Wie Anleger Unternehmen nach Kennzahlen und Geschäftsmodell einschätzen, erläutert unser Ratgeber zum Bewerten von Aktien.
Nachfolge und Rolle 2026
Seinen Rückzug kündigte Buffett am 3. Mai 2025 zum Ende der Hauptversammlung an. Einen Tag später bestätigte der Verwaltungsrat Greg Abel, bis dahin stellvertretender Vorsitzender für das Geschäft außerhalb der Versicherungen, als Präsidenten und Vorstandschef mit Wirkung zum 1. Januar 2026. Buffett sollte Vorsitzender des Verwaltungsrats bleiben.
In einem Brief an die Aktionäre vom 10. November 2025 kündigte Buffett an, künftig weder den Jahresbericht mit einem Aktionärsbrief zu versehen noch auf der Hauptversammlung zu sprechen. Seine jährliche Botschaft zu Thanksgiving wollte er fortführen. Abel sprach er großes Vertrauen aus. Ende Februar 2026 veröffentlichte Abel seinen ersten Aktionärsbrief als Vorstandschef. Auf der Hauptversammlung am 2. Mai 2026 beantwortete Abel die Fragen der Aktionäre, Buffett saß nach Angaben des Unternehmens bei den Mitgliedern des Verwaltungsrats.
Am 18. September 2026 gab Berkshire bekannt, dass Buffett den Vorsitz des Verwaltungsrats mit sofortiger Wirkung abgibt. Er führt seither den Titel eines Ehrenvorsitzenden und bleibt Mitglied des Gremiums. Den Vorsitz übernahm sein Sohn Howard Buffett, der seit 1993 dem Verwaltungsrat angehört. Nach Buffetts Darstellung soll Abel den Konzern führen, während Howard Buffett über Kultur und Werte wacht. Damit ist Buffett erstmals seit 1970 weder Vorsitzender noch Vorstandschef des Konzerns.
Öffentliche Rolle und Stiftungen
Seit Langem bekennt sich Buffett dazu, den größten Teil seiner Berkshire-Aktien zu stiften. Im Juni 2006 kündigte er an, den überwiegenden Teil der Bill & Melinda Gates Foundation zukommen zu lassen. 2010 gründete er mit Bill Gates die Initiative Giving Pledge, deren Unterzeichner zusagen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Bis 2026 übertrug er nach Angaben von Fox Business Berkshire-Aktien im Wert von mehr als 47 Mrd. US-Dollar an die Gates-Stiftung.
Im Juli 2026 ließ Buffett die Gates-Stiftung bei seiner jährlichen Zuwendung erstmals aus. Die Aktien im Wert von fast 6 Mrd. US-Dollar gingen an vier Stiftungen, die von seinen Kindern geleitet werden. Er begründete den Schritt damit, dass seine Kinder die Verteilung seines Vermögens übernehmen sollten, und kündigte an, die übrigen Berkshire-Aktien bis Ende 2034 weiterzugeben statt wie bisher geplant erst innerhalb von zehn Jahren nach seinem Tod.
Einen Ausflug in die Krisenbewältigung unternahm Buffett 1991. Berkshire war seit 1987 mit 12 Prozent an der Investmentbank Salomon beteiligt. Als bekannt wurde, dass Händler des Hauses bei Auktionen von US-Staatsanleihen gegen Regeln verstoßen hatten, übernahm Buffett vorübergehend den Vorsitz und blieb, bis das Haus wieder Tritt gefasst hatte.
Einordnung
Für den Kapitalmarkt war Buffett weniger durch einzelne Transaktionen prägend als durch das Modell, das er geschaffen hat: einen Konzern, der Versicherungsgelder langfristig in ganze Unternehmen und große Aktienpakete lenkt und dabei auf Fremdkapital weitgehend verzichtet. Die Meldungen über Käufe und Verkäufe von Berkshire bewegen bis heute die Kurse der betroffenen Aktien, was Anleger beachten sollten, die solchen Bewegungen folgen. Wie andere Großinvestoren ihre Positionen offenlegen und wie sich diese Daten einordnen lassen, zeigt unsere Übersicht der Superinvestoren. Mit dem Wechsel zu Abel und dem Vorsitz von Howard Buffett muss sich erweisen, ob die Kultur des Hauses ohne ihren Gründer in gleicher Form fortbesteht.
Häufige Fragen zu Warren Buffett
Wer ist Warren Buffett?
Warren Buffett ist ein 1930 in Omaha geborener amerikanischer Investor. Er übernahm 1965 die Kontrolle über Berkshire Hathaway und baute das Unternehmen zu einem Mischkonzern mit Versicherungen, Industrie, Energie und einem großen Aktienportfolio aus.
Ist Warren Buffett noch Chef von Berkshire Hathaway?
Nein. Seit dem 1. Januar 2026 ist Greg Abel Vorstandschef. Den Vorsitz des Verwaltungsrats gab Buffett am 18. September 2026 an seinen Sohn Howard Buffett ab.
Welche Rolle hat Warren Buffett bei Berkshire Hathaway heute?
Er trägt seit September 2026 den Titel eines Ehrenvorsitzenden und gehört weiter dem Verwaltungsrat an. Die operative Führung liegt bei Greg Abel.
Wer war Buffetts Lehrer?
Prägend war Benjamin Graham, bei dem Buffett an der Columbia University studierte und von 1954 bis 1956 in der Gesellschaft Graham-Newman arbeitete.
Schreibt Warren Buffett noch Aktionärsbriefe?
Den Brief im Jahresbericht schreibt seit 2026 Greg Abel. Buffett kündigte im November 2025 an, nur noch eine jährliche Botschaft zu Thanksgiving zu veröffentlichen.
Was geschieht mit Buffetts Berkshire-Aktien?
Buffett hat zugesagt, den Großteil zu stiften. Im Juli 2026 kündigte er an, die verbliebenen Aktien bis Ende 2034 über Stiftungen seiner Kinder weiterzugeben, die Gates-Stiftung erhielt in diesem Jahr keine Zuwendung mehr.
Quellen
- https://en.wikipedia.org/wiki/Warren_Buffett
- https://en.wikipedia.org/wiki/Berkshire_Hathaway
- https://finance.yahoo.com/news/buffett-sit-alongside-board-members-205609620.html
- https://rationalwalk.com/warren-buffetts-thanksgiving-letter/
- https://www.wowt.com/2026/02/28/greg-abel-releases-first-shareholder-letter-berkshire-hathaway-ceo/
- https://www.wowt.com/2026/09/18/warren-buffett-steps-down-berkshire-hathaway-chairman/
- https://www.berkshirehathaway.com/news/sep1826.pdf
- https://www.foxbusiness.com/markets/warren-buffett-excludes-gates-foundation-from-his-annual-donations-berkshire-stock
- https://seekingalpha.com/pr/20089821-warren-buffett-will-remain-chairman-at-berkshire-hathaway-when-greg-abel-takes-over-as-ceo-in
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