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Köpfe der Finanzwelt · Legenden

John C. Bogle

John C. Bogle
Foto: BillCramer, CC BY-SA 4.0 (Wikimedia Commons)

John C. Bogle, in der Branche meist Jack Bogle genannt, hat die Fondsindustrie von zwei Seiten verändert. Er gründete mit Vanguard eine Fondsgesellschaft, die ihren Anlegern gehört statt externen Aktionären, und brachte 1976 den ersten Indexfonds für Privatanleger auf den Markt. Beides zielte auf dasselbe: niedrigere Kosten für Sparer. Was zunächst als Außenseiteridee galt, ist heute eine der tragenden Säulen der Geldanlage.

Werdegang

Bogle wurde 1929 im Bundesstaat New Jersey geboren. Er studierte an der Princeton University und schloss 1951 mit Auszeichnung ab. Seine Abschlussarbeit trug den Titel The Economic Role of the Investment Company und befasste sich mit der damals noch jungen Fondsbranche. Sie fiel Walter L. Morgan auf, dem Gründer des Wellington Fund, der Bogle noch im selben Jahr in sein Haus holte.

Bei Wellington Management stieg Bogle schnell auf. 1955 wurde er Morgans Assistent, später übernahm er die Leitung des Unternehmens. 1966 setzte er eine Fusion mit der Vermögensverwaltung Thorndike, Doran, Paine & Lewis durch. In der Folge kam es zum Zerwürfnis mit den neuen Partnern. Am 24. Januar 1974 entließ der Vorstand von Wellington Management Bogle als Vorstandschef. Rückblickend bezeichnete er die Fusion als seinen größten beruflichen Fehler.

Den Vorsitz im Verwaltungsrat der Wellington-Fonds behielt Bogle jedoch. Diese Fonds sind rechtlich eigenständige Gesellschaften, und ihr Gremium erlaubte ihm 1974, eine neue Verwaltungsgesellschaft aufzubauen, die den Fonds selbst gehören sollte. Daraus entstand Vanguard, das nach eigener Darstellung 1975 seine Arbeit aufnahm. Bogle führte das Haus als Vorstandschef bis 1996. Die Entstehung beschrieb er später in einem Interview mit CNBC als Geburt aus Streit und Bitterkeit, die Entlassung bei Wellington nannte er den schmerzlichsten Moment seiner Laufbahn. Sein Nachfolger wurde John Brennan. Nach Meinungsverschiedenheiten mit ihm schied Bogle 1999 auch als Vorsitzender aus und leitete fortan das Bogle Financial Markets Research Center auf dem Gelände von Vanguard. Er starb am 16. Januar 2019 im Alter von 89 Jahren.

Rolle und Wirken

Der Kern von Bogles Werk ist die Struktur von Vanguard. Bei den meisten Fondsgesellschaften verdienen die Eigentümer der Verwaltungsgesellschaft an den Gebühren, die die Fondsanleger zahlen. Bei Vanguard gehören die US-Fonds selbst der Gesellschaft, die Fonds wiederum gehören ihren Anlegern. Gewinne aus der Verwaltung fließen damit nicht an Dritte ab, sondern können über niedrigere Kosten an die Anleger zurückgegeben werden. Bogle nannte Vanguard deshalb die einzige wirklich gegenseitige Fondsgesellschaft.

Am 31. August 1976 startete der First Index Investment Trust, der heutige Vanguard 500 Index Fund. Er bildete den amerikanischen Aktienindex S&P 500 nach, statt einzelne Aktien auszuwählen. Die beteiligten Banken hatten mit Zuflüssen von 150 Mio. US-Dollar gerechnet, tatsächlich kamen bei der Erstausgabe nur 11,3 Mio. US-Dollar zusammen. In der Branche wurde der Fonds anfangs belächelt. Bogle hielt dagegen, dass aktiv verwaltete Fonds im Schnitt den Markt nach Abzug ihrer Kosten nicht schlagen können und dass ein Indexfonds mit geringen Gebühren deshalb auf lange Sicht den meisten Sparern mehr übrig lässt.

Vanguard baute die Idee in den folgenden Jahrzehnten aus. 1977 verzichtete das Haus als erste Fondsgruppe dieser Größe auf Ausgabeaufschläge, also auf Verkaufsgebühren beim Erwerb von Fondsanteilen. 1986 folgte ein Indexfonds für amerikanische Anleihen, 1990 kamen Indexfonds für Aktien außerhalb der USA hinzu, 1992 ein Fonds auf den gesamten US-Aktienmarkt. Börsengehandelte Indexfonds bietet Vanguard seit 2001 an. Wie solche Fonds an der Börse gehandelt werden, erklärt unser Ratgeber zum Börsenhandel.

Bücher und öffentliche Rolle

Bogle trat jahrzehntelang als Kritiker der eigenen Branche auf. Er warf Fondsgesellschaften vor, Gebühren zu hoch anzusetzen und Interessen der Anleger hinter die eigenen zu stellen. Insgesamt schrieb er zwölf Bücher. Zu den bekanntesten zählen Common Sense on Mutual Funds von 1999, The Little Book of Common Sense Investing von 2007 und Enough von 2008, in dem er sich mit Maßlosigkeit in der Finanzwelt auseinandersetzte.

Das Magazin Fortune zählte ihn 1999 zu den Giganten der Investmentbranche im 20. Jahrhundert, Time nahm ihn 2004 in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen auf. Warren Buffett schrieb in seinem Aktionärsbrief für das Geschäftsjahr 2016, falls je eine Statue für den Menschen errichtet werde, der am meisten für amerikanische Anleger getan habe, gebühre sie Bogle. Nach dessen Tod bekräftigte Buffett diese Einschätzung.

Gegen Ende seines Lebens warnte Bogle auch vor den Folgen seines eigenen Erfolgs. In einem Beitrag für das Wall Street Journal im November 2018 gab er zu bedenken, dass die großen Indexanbieter mit wachsendem Marktanteil eine sehr große Stimmrechtsmacht in börsennotierten Unternehmen bündeln. Eine solche Konzentration diene nach seiner Ansicht nicht dem öffentlichen Interesse.

Vanguard heute

Vanguard zählt heute zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. Nach einem Interview von Morningstar im April 2026 verwaltet das Haus rund 12 Billionen US-Dollar für etwa 50 Millionen Kunden. Den Vorstand führt seit Juli 2024 Salim Ramji, der erste Vorstandschef, der nicht aus dem eigenen Haus kam. Organisatorisch teilt Vanguard das Fondsmanagement inzwischen auf zwei Anlageeinheiten auf: Die größere betreut Anleihe-, breite Index- und Zieldatumsfonds, die kleinere die aktiv verwalteten Fonds und einige kleinere Indexfonds. Neben BlackRock gehört Vanguard zu den größten Anbietern von Indexfonds und ETFs. Damit stehen beide Häuser auch im Mittelpunkt der Debatte über die Stimmrechtsmacht großer Indexanbieter, die Bogle selbst angestoßen hatte.

Einordnung

Bogle hat weniger durch einzelne Anlageentscheidungen gewirkt als durch die Frage, wer an der Geldanlage verdient. Dass heute ein großer Teil des Fondsvermögens in kostengünstigen Indexprodukten liegt, geht maßgeblich auf seinen Weg zurück. Für Anleger bleibt sein Kernargument ein Maßstab, an dem sich Fondsangebote messen lassen müssen: Kosten schmälern die Rendite mit Sicherheit, ein Mehrertrag aktiver Auswahl ist dagegen ungewiss. Offen bleibt die Frage, die er selbst zuletzt aufwarf, wie Märkte und Unternehmensführung mit der wachsenden Macht weniger Indexanbieter umgehen.

Häufige Fragen zu John C. Bogle

Wer war John C. Bogle?

John C. Bogle war ein amerikanischer Fondsmanager und Unternehmer, der 1974 die Gründung von Vanguard anstieß, das 1975 seine Arbeit aufnahm, und 1976 den ersten Indexfonds für Privatanleger auflegte. Er lebte von 1929 bis 2019.

Was war der erste Indexfonds von Bogle?

Der First Index Investment Trust startete am 31. August 1976 und bildete den S&P 500 nach. Er sammelte zum Start nur 11,3 Mio. US-Dollar ein und heißt heute Vanguard 500 Index Fund.

Wem gehört Vanguard?

Vanguard gehört den eigenen US-Fonds, die wiederum ihren Anlegern gehören. Diese Struktur hatte Bogle eingeführt, damit Gewinne aus der Verwaltung den Anlegern über niedrigere Kosten zugutekommen.

Warum verließ Bogle Wellington Management?

Nach einer Fusion von 1966 mit der Vermögensverwaltung Thorndike, Doran, Paine & Lewis kam es zum Streit mit den neuen Partnern. Im Januar 1974 wurde Bogle als Vorstandschef entlassen und gründete daraufhin Vanguard.

Welche Bücher hat John Bogle geschrieben?

Er verfasste zwölf Bücher, darunter Common Sense on Mutual Funds (1999), The Little Book of Common Sense Investing (2007) und Enough (2008).

Wer führt Vanguard heute?

Vorstandschef ist seit Juli 2024 Salim Ramji. Nach Angaben aus einem Morningstar-Interview vom April 2026 verwaltet Vanguard rund 12 Billionen US-Dollar.

Quellen

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/John_C._Bogle
  2. https://www.amphilsoc.org/sites/default/files/2022-06/attachments/Bogle.pdf
  3. https://www.cnbc.com/2018/12/20/jack-bogles-biggest-investing-mistake-cost-1-billion-and-his-job.html
  4. https://corporate.vanguard.com/content/corporatesite/us/en/corp/who-we-are/sets-us-apart/our-history.html
  5. https://en.wikipedia.org/wiki/The_Vanguard_Group
  6. https://global.morningstar.com/en-gb/funds/how-vanguard-is-faring-under-ceo-salim-ramji

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