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Köpfe der Finanzwelt · Legenden

André Kostolany

André Kostolany war über Jahrzehnte der bekannteste Erklärer der Börse im deutschsprachigen Raum. Der gebürtige Ungar handelte in Paris und New York mit Wertpapieren, doch seine Wirkung entfaltete er vor allem als Autor, Kolumnist und Vortragsredner. Mit einfachen Bildern brachte er Lesern bei, dass Kurse kurzfristig weniger von Bilanzen als von Geld und Stimmung bewegt werden. Seine Begriffe gehören bis heute zum Wortschatz von Privatanlegern.

Werdegang

Kostolany kam am 9. Februar 1906 in Budapest zur Welt, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Er stammte aus einer Industriellenfamilie. Zunächst studierte er Philosophie und Kunstgeschichte mit dem Ziel, Kunstkritiker zu werden. Auf Wunsch des Vaters ging er jedoch Mitte der 1920er-Jahre nach Paris, um bei dem Börsenmakler Adrien Perquel in die Lehre zu gehen. Die Quellen nennen dafür teils 1924, teils 1925.

In Paris sammelte Kostolany erste Erfahrungen als Spekulant und Arbitragehändler, der Preisunterschiede zwischen verschiedenen Märkten ausnutzte. Später arbeitete er als Makler und Berater für das Haus Amerongen & Compagnie. Kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich floh er 1940 wegen seiner jüdischen Herkunft über Spanien in die Vereinigten Staaten. Dort leitete er von 1941 bis 1950 als Generaldirektor und Präsident die G. Ballai and Cie Financing Company, an der er zugleich die Mehrheit hielt. Er nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

Anfang der 1950er-Jahre kehrte Kostolany nach Europa zurück. Er lebte überwiegend in Paris und unterhielt ein Büro in München. Gemeinsam mit Gottfried Heller gründete er 1971 in München die Vermögensverwaltung Fiduka, die Wertpapierdepots für private und institutionelle Anleger sowie Stiftungen betreute. Nach Darstellung des Comdirect-Magazins zählte Fiduka zu den ersten Vermögensverwaltungen in Deutschland. Frankreich nahm Kostolany als Ritter in die Ehrenlegion auf. Er starb am 14. September 1999 im Alter von 93 Jahren in Paris.

Rolle und Wirken

Als Spekulant setzte Kostolany auf Situationen, in denen er die Lage anders einschätzte als die Mehrheit. Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte er nach Darstellung des Comdirect-Magazins Anleihen des Deutschen Reichs zu niedrigen Kursen, weil er damit rechnete, dass die Bundesrepublik die Altschulden anerkennen würde. Ähnlich erfolgreich soll er nach dieser Darstellung mit alten Zarenanleihen gewesen sein, für die Russland in den 1990er-Jahren nach dem Ende des Kommunismus Zahlungen leistete. Beide Beispiele griff er in seinen Büchern immer wieder auf.

Bekannt wurde Kostolany in Deutschland aber vor allem als Publizist. Für das Wirtschaftsmagazin Capital schrieb er über viele Jahre eine regelmäßige Kolumne, insgesamt 414 Beiträge. Hinzu kamen Vorträge, Seminare und Auftritte im Fernsehen, unter anderem beim Weltwirtschaftsforum in Davos und in der Harald Schmidt Show. In den späten 1990er-Jahren warb er in einer Anzeige für den Audi A8.

Dabei scheute er die Auseinandersetzung mit der Finanzbranche nicht. In den 1970er-Jahren griff er die Fondsgesellschaft IOS an, in den 1980er-Jahren warnte er vor Spekulation mit Gold, Rohstoff-Terminkontrakten und Abschreibungsmodellen. In den 1990er-Jahren wandte er sich gegen Garantiefonds der Banken und gegen die Begeisterung für den Neuen Markt. Kurz vor seinem Tod 1999 warnte er nach Angaben des Comdirect-Magazins ausdrücklich vor den Übertreibungen bei Technologieaktien.

Bücher und Börsenpsychologie

Kostolany veröffentlichte 13 Bücher in ungarischer, deutscher, englischer und französischer Sprache. Ihre Gesamtauflage wird auf rund drei Millionen Exemplare beziffert. Das erste Werk über die Börse erschien 1960 in Frankreich unter dem Titel „Si la Bourse m'était contée“, die deutsche Ausgabe folgte 1961 als „Das ist die Börse“. In den 1980er- und 1990er-Jahren kamen unter anderem „Kostolanys Wunderland von Geld und Börse“ (1982), „Kostolanys Börsenseminar“ (1986), „Kostolanys Börsenpsychologie“ (1991) und „Weisheit eines Spekulanten“ (1996) hinzu. Nach seinem Tod erschien im Jahr 2000 „Die Kunst über Geld nachzudenken“.

Im Zentrum seiner Lehre steht die Unterscheidung zwischen kurzer und langer Frist. Auf mittlere Sicht bestimmen nach Kostolany die Geldmenge und die Psychologie der Anleger die Kurse, auf lange Sicht folgen sie der Entwicklung der Unternehmen und ihrer Gewinne. Für dieses Verhältnis wählte er das Bild eines Hundes, der mit seinem Herrn spazieren geht: Das Tier läuft mal voraus, mal zurück, kehrt aber immer wieder zu seinem Besitzer zurück. Der Herr steht dabei für die Wirtschaft, der Hund für die Börse.

Seine Einteilung der Marktteilnehmer hat sich ebenso gehalten. Als „Zittrige“ bezeichnete er Anleger, denen es an ausreichend Geld, eigenen Gedanken oder Geduld fehlt und die bei Kursrückgängen verkaufen. Ihnen stellte er die „Hartgesottenen“ gegenüber, die genug Geld, eigene Gedanken und Geduld mitbringen und in schwachen Phasen kaufen. Nach seiner Darstellung liegen in einem überkauften Markt viele Aktien bei den Zittrigen, in einem überverkauften bei den Hartgesottenen.

Was einen Hartgesottenen ausmacht, fasste er in vier Begriffen zusammen, die mit G beginnen: Geld, Gedanken, Geduld und Glück. Wer über die ersten drei nicht verfügt, gehört nach seiner Lehre zu den Zittrigen. Skeptisch blieb er gegenüber Gold, das er als totes Kapital betrachtete, weil es keine Erträge abwirft und der Wirtschaft Liquidität entzieht.

Daraus entwickelte Kostolany sein Modell der Börsenzyklen, das unter dem Namen Kostolany-Ei bekannt wurde. Jeder Aufschwung und jeder Abschwung durchläuft danach drei Phasen: eine Korrektur, in der sich die vorangegangene Übertreibung zurückbildet, eine Begleitphase, in der Kurse und Wirtschaft ungefähr im Gleichschritt laufen, und eine Übertreibung, in der Euphorie oder Panik die Oberhand gewinnen. Die Schwierigkeit besteht, wie auch Darstellungen seiner Methode betonen, darin, die jeweilige Phase rechtzeitig zu erkennen.

Einordnung

Kostolany hat kein großes Finanzhaus hinterlassen. Seine Bedeutung liegt darin, dass er einer breiten deutschen Leserschaft die Funktionsweise der Börse in verständlicher Sprache nahebrachte, lange bevor Aktien hierzulande zu einer verbreiteten Anlageform wurden. Seine Thesen beruhen auf Erfahrung und Beobachtung, nicht auf empirisch geprüften Modellen, und eignen sich daher eher als Denkrahmen denn als Handelsregel. Seine Warnungen vor Spekulationsmodellen und Produkten mit hohen Versprechungen decken sich mit Grundsätzen, die unser Ratgeber zum Anlegerschutz beschreibt. Wer verstehen will, wie Kurse an der Börse zustande kommen, findet Grundlagen in unserem Ratgeber zum Börsenhandel.

Häufige Fragen zu André Kostolany

Wer war André Kostolany?

André Kostolany war ein 1906 in Budapest geborener Spekulant, Autor und Kolumnist. Er handelte in Paris und New York mit Wertpapieren und wurde vor allem durch seine Bücher und seine Kolumne in der Zeitschrift Capital bekannt. Er starb 1999 in Paris.

Was ist das Kostolany-Ei?

Das Kostolany-Ei ist ein Modell für Börsenzyklen. Aufschwung und Abschwung durchlaufen danach jeweils drei Phasen: Korrektur, Begleitphase und Übertreibung.

Was meinte Kostolany mit Zittrigen und Hartgesottenen?

Zittrigen fehlt es nach seiner Darstellung an Geld, eigenen Gedanken oder Geduld, sie verkaufen bei fallenden Kursen. Hartgesottene verfügen über Geld, eigene Gedanken und Geduld und kaufen in schwachen Marktphasen.

Welche Bücher hat André Kostolany geschrieben?

Er veröffentlichte 13 Bücher, darunter „Das ist die Börse“ (1961), „Kostolanys Börsenseminar“ (1986) und „Kostolanys Börsenpsychologie“ (1991). Posthum erschien im Jahr 2000 „Die Kunst über Geld nachzudenken“.

Für welche Zeitschrift schrieb Kostolany?

Über viele Jahre schrieb er eine Kolumne für das Wirtschaftsmagazin Capital, insgesamt 414 Beiträge.

Hat Kostolany ein Finanzunternehmen gegründet?

Gemeinsam mit Gottfried Heller gründete er 1971 in München die Vermögensverwaltung Fiduka. In den USA leitete er von 1941 bis 1950 die G. Ballai and Cie Financing Company.

Quellen

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Kostolany
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Kostolany
  3. https://magazin.comdirect.de/maerkte-im-blick/andre-kostolany
  4. https://www.boersen-zeitung.de/banken-finanzen/vita-5
  5. https://etf.capital/andre-kostolany-methode/

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