Charlie Munger
Charlie Munger war Anwalt, Investor und 45 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender von Berkshire Hathaway. Öffentlich stand er meist im Schatten von Warren Buffett, intern galt er als dessen wichtigster Gesprächspartner und Widerpart. Buffett selbst schrieb ihm zu, die Grundidee des heutigen Konzerns entworfen zu haben. Bekannt wurde Munger außerdem durch Reden, in denen er Denkmodelle aus Psychologie, Physik und Biologie auf Anlageentscheidungen übertrug.
Werdegang
Munger kam am 1. Januar 1924 in Omaha im Bundesstaat Nebraska zur Welt, derselben Stadt, in der Buffett sechs Jahre später geboren wurde. Er begann ein Mathematikstudium an der University of Michigan, das er Anfang 1943 abbrach, um als Leutnant zum Army Air Corps zu gehen. Die Armee schickte ihn zum Studium der Meteorologie an das California Institute of Technology. Nach dem Krieg studierte er Jura an der Harvard Law School und schloss 1948 mit Auszeichnung ab.
Anschließend ließ er sich in Kalifornien als Anwalt nieder. 1962 gehörte er zu den Gründern der Kanzlei Munger, Tolles & Olson in Los Angeles. Im selben Jahr baute er mit Jack Wheeler die Investmentpartnerschaft Wheeler, Munger and Company auf. Nach einer Aufstellung, die Buffett 1984 veröffentlichte, erzielte sie von 1962 bis 1975 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 19,8 Prozent, der Dow-Jones-Index kam im selben Zeitraum auf 5,0 Prozent. Die Partnerschaft erlitt allerdings 1973 und 1974 Verluste von 32 und 31 Prozent und wurde 1976 aufgelöst.
Buffett lernte Munger 1959 kennen, damals war Munger 35 Jahre alt. Aus dem ersten Treffen entstand ein dauerhafter Austausch, lange bevor beide offiziell gemeinsam auftraten. 1978 wurde Munger stellvertretender Vorsitzender von Berkshire Hathaway, ein Amt, das er bis zu seinem Tod innehatte.
Rolle und Wirken
Vor dem formellen Zusammenschluss liefen viele Geschäfte der beiden über Blue Chip Stamps, eine kalifornische Rabattmarkenfirma, an der Berkshire seit 1970 beteiligt war und deren Anteil bis 1979 auf 60 Prozent stieg. Über Blue Chip erwarb die Gruppe Anfang 1972 die Mehrheit am Süßwarenhersteller See's Candies, der Gesamtpreis für alle Anteile lag bei 25 Mio. US-Dollar. 1983 ging Blue Chip Stamps im Wege eines Aktientauschs in Berkshire auf.
Zum Umfeld gehörte auch Wesco Financial aus Pasadena, die lange zu 80,1 Prozent Blue Chip gehörte. Munger führte Wesco von 1984 bis 2011 als Vorsitzender und Vorstandschef. Unter dem Dach der Gesellschaft lagen Versicherungen, ein Möbelvermieter, Stahlhandelsbetriebe und Immobilien. 2011 übernahm Berkshire die restlichen rund 20 Prozent, Wesco wurde damit eine hundertprozentige Tochter.
1977 kaufte Munger den Zeitungsverlag Daily Journal, der vor allem Fachpublikationen für Juristen herausgibt. Er blieb bis zuletzt im Verwaltungsrat des Unternehmens. Seit 1997 gehörte er außerdem dem Verwaltungsrat der Handelskette Costco an. Nach einem Bericht von Yahoo Finance hatte Costco zunächst Buffett gefragt und sich nach dessen Absage an Munger gewandt. Munger bezeichnete sich mehrfach als treuen Aktionär des Unternehmens und unterstützte nach diesem Bericht den Eintritt Costcos in den chinesischen Markt, der 2019 erfolgte.
Ein Beispiel für Mungers Einfluss auf einzelne Anlageentscheidungen ist BYD. Auf sein Drängen erwarb die Berkshire-Tochter MidAmerican Energy im September 2008 rund 225 Mio. Aktien des chinesischen Batterie- und Autoherstellers für etwa 230 Mio. US-Dollar. Ab 2022 baute Berkshire die Position schrittweise ab. Im September 2025 bestätigte ein Sprecher des Konzerns, dass sämtliche Aktien verkauft sind.
Anlagestil
Mungers größter Beitrag zu Berkshire lag nach Buffetts eigener Darstellung in einer Richtungsänderung. Im Aktionärsbrief für 2023 beschrieb Buffett, Munger habe ihm geraten, nicht länger mittelmäßige Unternehmen zu besonders niedrigen Preisen zu kaufen, sondern hervorragende Unternehmen zu angemessenen Preisen. Damit wich Munger bewusst vom Ansatz Benjamin Grahams ab, dessen Methode nach seiner Einschätzung nur bei kleinen Summen funktioniere. Buffett nannte Munger in diesem Brief den Architekten des heutigen Berkshire und sich selbst den Bauleiter, der den Entwurf im Alltag umgesetzt habe. Wie sich Grahams Lehre und Mungers Qualitätsansatz unterscheiden, zeigt das Porträt von Benjamin Graham.
Hinzu kam eine Denkweise, die Munger als Gitter mentaler Modelle beschrieb. Anleger sollten die wichtigsten Grundgedanken mehrerer Disziplinen kennen und Fehlentscheidungen vermeiden, statt nach dem einen genialen Einfall zu suchen. 1995 hielt er an der Harvard University die viel beachtete Rede über die Psychologie menschlicher Fehleinschätzung. Darin beschrieb er, wie sich mehrere Denkfehler gegenseitig verstärken können, und prägte dafür den Begriff des Lollapalooza-Effekts. Eine Sammlung seiner Reden und Texte erschien 2005 unter dem Titel Poor Charlie's Almanack.
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Öffentliche Rolle
Auf den Hauptversammlungen in Omaha saß Munger neben Buffett und beantwortete gemeinsam mit ihm über Stunden Fragen der Aktionäre. Kryptowährungen lehnte er besonders scharf ab, bezeichnete Bitcoin unter anderem als Gift und sprach sich für ein Verbot aus.
Als Stifter unterstützte Munger vor allem Universitäten, häufig mit Wohnheimen, die er selbst mitplante. Die University of Michigan erhielt 2013 eine Spende über 110 Mio. US-Dollar für Studentenwohnungen, an der Stanford University entstand mit seiner Hilfe ebenfalls ein Wohnheim für Graduierte. Ein 2016 zugesagtes Projekt an der University of California in Santa Barbara gab die Universität im August 2023 auf, Munger zog daraufhin seine Zusage zurück.
Munger starb am 28. November 2023 im Alter von 99 Jahren, gut einen Monat vor seinem 100. Geburtstag. Berkshire verbreitete am selben Tag eine Erklärung Buffetts, wonach der Konzern ohne Mungers Anregungen, Urteilskraft und Mitwirkung nicht zu seiner heutigen Größe gelangt wäre.
Einordnung
Munger hat keine eigene Fondsgesellschaft und keine bekannte Marke hinterlassen. Seine Wirkung auf den Kapitalmarkt verlief über Berkshire Hathaway und über die Ideen, die er dort und in seinen Reden verbreitete. Der Schritt vom reinen Preisvergleich hin zur Frage, wie dauerhaft ein Unternehmen Gewinne erwirtschaften kann, prägt die wertorientierte Anlage bis heute, auch deutsche Häuser berufen sich ausdrücklich auf ihn. Für Anleger, die die Entwicklung von Berkshire und das Wirken von Warren Buffett verstehen wollen, führt deshalb kein Weg an Munger vorbei.
Häufige Fragen zu Charlie Munger
Wer war Charlie Munger?
Charlie Munger war ein amerikanischer Jurist und Investor, der von 1978 bis zu seinem Tod 2023 stellvertretender Vorsitzender von Berkshire Hathaway war. Er galt als engster Partner Warren Buffetts.
Wann ist Charlie Munger gestorben?
Munger starb am 28. November 2023 im Alter von 99 Jahren. Er war 1924 in Omaha geboren worden.
Wie lernten sich Munger und Buffett kennen?
Die beiden trafen sich 1959 in Omaha zum ersten Mal. Aus dem Austausch wurde eine Zusammenarbeit, die Munger 1978 auch formell in die Führung von Berkshire brachte.
Was hat Munger an Buffetts Anlagestil verändert?
Er riet Buffett, statt besonders billiger, aber mittelmäßiger Unternehmen lieber hervorragende Unternehmen zu angemessenen Preisen zu kaufen. Buffett nannte ihn deshalb den Architekten des heutigen Berkshire.
Welche Ämter hatte Munger außerhalb von Berkshire?
Er war Mitgründer der Kanzlei Munger, Tolles & Olson, führte von 1984 bis 2011 Wesco Financial und saß in den Verwaltungsräten des Verlags Daily Journal und der Handelskette Costco.
Welche Bücher gibt es von Charlie Munger?
Die bekannteste Sammlung seiner Reden und Texte erschien 2005 unter dem Titel Poor Charlie's Almanack. Darin enthalten ist auch seine Rede über die Psychologie menschlicher Fehleinschätzung von 1995.
Quellen
- https://en.wikipedia.org/wiki/Charlie_Munger
- https://www.berkshirehathaway.com/news/nov2823.pdf
- https://www.berkshirehathaway.com/letters/2023ltr.pdf
- https://san.com/cc/berkshire-hathaway-vice-chair-charlie-munger-dies-at-99/
- https://en.wikipedia.org/wiki/Blue_Chip_Stamps
- https://en.wikipedia.org/wiki/Wesco_Financial
- https://en.wikipedia.org/wiki/Daily_Journal_Corporation
- https://cnevpost.com/2025/09/22/buffett-berkshire-liquidated-remaining-byd-stake/
- https://www.aol.com/finance/berkshire-hathaways-charlie-munger-had-223417887.html
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