Jim Simons
James Harris Simons, genannt Jim Simons, war Mathematiker, bevor er Investor wurde, und behielt diesen Blick auf die Märkte bis zuletzt bei. Mit Renaissance Technologies baute er ein Haus auf, das Anlageentscheidungen fast vollständig statistischen Modellen überlässt und dafür Forscher statt Analysten einstellt. Der hauseigene Medallion Fund gilt als einer der ertragreichsten Fonds, über die Zahlen bekannt geworden sind. Simons selbst beschrieb seine Laufbahn als Abfolge von drei Lebensabschnitten: Mathematiker, Investor und Stifter.
Werdegang
Simons wurde 1938 im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Am Massachusetts Institute of Technology erwarb er 1958 nach nur drei Jahren einen Bachelor in Mathematik. Die Promotion folgte an der University of California in Berkeley, wo Bertram Kostant ihn betreute. Anschließend lehrte er am MIT und an der Harvard University.
Von 1964 an arbeitete Simons in der Abteilung für Kommunikationsforschung des Institute for Defense Analyses in Princeton, das für die National Security Agency an der Entschlüsselung von Codes arbeitete. Die Stelle verlor er Ende der 1960er-Jahre, nachdem er sich öffentlich gegen den Vietnamkrieg gestellt und damit dem Präsidenten des Instituts widersprochen hatte. 1968 übernahm er den Vorsitz des mathematischen Instituts der Stony Brook University auf Long Island, den er rund ein Jahrzehnt innehatte.
In diese Zeit fallen seine wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten. Gemeinsam mit Shiing-Shen Chern veröffentlichte er 1974 eine Arbeit über charakteristische Formen, aus der die nach beiden benannte Chern-Simons-Theorie hervorging. Sie fand später breite Anwendung in der theoretischen Physik. 1976 erhielt Simons den Oswald-Veblen-Preis der American Mathematical Society für Geometrie.
1978 verließ er die Universität und gründete in Setauket die Firma Monemetrics, aus der Anfang der 1980er-Jahre Renaissance Technologies hervorging. Simons holte nach und nach Fachleute aus der Mathematik in das Haus, darunter Leonard Baum und James Ax, die frühe Handelsmodelle entwickelten.
Rolle und Wirken
Den Medallion Fund legte Renaissance 1988 auf. Entscheidend für den späteren Erfolg war nach Darstellung von Fortune die Umstellung auf kurzfristigen Handel: 1990 erzielte der Fonds nach Gebühren ein Plus von 56 Prozent. Nach Angaben von Fortune vom Mai 2024 lag die durchschnittliche jährliche Rendite von 1988 bis 2023 nach Gebühren bei knapp 40 Prozent. Im Pandemiejahr 2020 gewann Medallion demnach 76 Prozent. Prüfen lassen sich diese Angaben nicht, weil der Fonds keine Ergebnisse veröffentlicht.
Ab 1993 nahm Medallion kein neues Geld von außen mehr an, seit 2005 steht er nur noch Beschäftigten und ihnen nahestehenden Anlegern offen. Die Gebühren lagen nach Angaben von Fortune zeitweise bei 5 Prozent des Vermögens und 44 Prozent der Gewinne, weit über den Sätzen, die in der Hedgefondsbranche sonst üblich sind. Für externe Investoren legte Renaissance Technologies später gesonderte Fonds auf, die mit dem internen Spitzenfonds wenig gemein haben und deutlich stärker schwanken.
Das Arbeitsprinzip, das Simons durchsetzte, unterschied sich grundlegend von dem klassischer Fondsmanager. Statt Unternehmen zu analysieren, suchten seine Mitarbeiter in großen Datenreihen nach kleinen, statistisch wiederkehrenden Regelmäßigkeiten und setzten diese automatisiert um. Für die Rekrutierung setzte Simons auf Wissenschaftler aus Mathematik, Physik und Informatik, viele ohne Erfahrung an der Börse. Zu den bekanntesten zählten Peter Brown und Robert Mercer, die aus der Forschung von IBM kamen.
Im Oktober 2009 kündigte Simons an, sich zum 1. Januar 2010 als Vorstandschef zurückzuziehen. Brown und Mercer übernahmen gemeinsam die Führung, Simons blieb Vorsitzender des Verwaltungsgremiums ohne operative Aufgaben. Diesen Posten gab er 2021 ab. Simons starb am 10. Mai 2024 im Alter von 86 Jahren in New York.
Verfahren und Kontroversen
Ein Untersuchungsausschuss des US-Senats kritisierte im Juli 2014, dass Renaissance mit sogenannten Basket Options kurzfristige Handelsgewinne in steuerlich günstiger behandelte langfristige Kursgewinne umgewandelt habe. Die US-Steuerbehörde IRS griff die Praxis auf. Im September 2021 einigten sich die Beteiligten auf einen Vergleich über Geschäfte des Medallion Fund aus den Jahren 2005 bis 2015. Nach Berichten von CNBC konnten die Zahlungen an Steuern, Zinsen und Strafzuschlägen insgesamt bis zu 7 Mrd. US-Dollar erreichen. Simons selbst verpflichtete sich zu einer zusätzlichen Zahlung von 670 Mio. US-Dollar. Strafzuschläge mussten die sieben damaligen Mitglieder des Leitungsgremiums tragen, übrige Anleger zahlten Steuern und Zinsen nach. Das Unternehmen begründete den Vergleich damit, ein ungünstigeres Ergebnis in einem Gerichtsverfahren vermeiden zu wollen. Eine Schuldfeststellung durch ein Gericht gab es nicht.
Politisch trat Simons als Großspender auf. Nach Daten von OpenSecrets, auf die sich Fortune beruft, gaben er und seine Ehefrau Marilyn seit 2015 mehr als 109 Mio. US-Dollar an Kandidaten und Komitees, überwiegend der Demokratischen Partei.
Öffentliche Rolle und Stiftungen
Gemeinsam mit Marilyn Simons gründete er 1994 die Simons Foundation, die vor allem Grundlagenforschung in Mathematik und Naturwissenschaften fördert. Sie leitet die Stiftung heute als Vorsitzende des Verwaltungsrats. 2004 rief Simons die Initiative Math for America ins Leben, die Mathematik- und Naturwissenschaftslehrer an öffentlichen Schulen unterstützt. 2008 sagte er 60 Mio. US-Dollar für das Simons Center for Geometry and Physics an der Stony Brook University zu, 2016 gründete die Stiftung in New York das Flatiron Institute für computergestützte Forschung. 2023 erhielt die Stony Brook University von der Simons Foundation eine Zuwendung von 500 Mio. US-Dollar für ihr Stiftungsvermögen.
Seinen Werdegang zeichnete der Journalist Gregory Zuckerman 2019 in dem Buch „The Man Who Solved the Market“ nach, das die Entstehung der quantitativen Anlage am Beispiel von Renaissance beschreibt.
Einordnung
Simons hat gezeigt, dass sich Wertpapierhandel in großem Stil auf mathematische Modelle stützen lässt, und damit eine ganze Branche quantitativ arbeitender Fonds und Handelshäuser beeinflusst. Seine Wirkung auf den Markt ergibt sich weniger aus öffentlichen Äußerungen, die selten waren, als aus dem Vorbild seines Hauses und dem Wettbewerb um mathematisch ausgebildetes Personal. Für Privatanleger bleibt der Medallion Fund unerreichbar. Die außergewöhnlichen Renditen beruhen auf Bedingungen wie kurzen Haltedauern, hohem Datenaufwand und begrenzter Fondsgröße, die sich nicht übertragen lassen. Angebote, die Zugang zu vergleichbaren Ergebnissen versprechen, verdienen Vorsicht, wie unser Ratgeber zum Anlegerschutz erläutert.
Häufige Fragen zu Jim Simons
Wer war Jim Simons?
Jim Simons war ein amerikanischer Mathematiker und Investor. Er gründete 1978 die Vorläuferfirma von Renaissance Technologies und starb am 10. Mai 2024 im Alter von 86 Jahren in New York.
Was ist der Medallion Fund?
Der Medallion Fund ist der 1988 aufgelegte Hauptfonds von Renaissance Technologies. Er handelt kurzfristig nach statistischen Modellen und steht seit 2005 nur Beschäftigten und ihnen nahestehenden Anlegern offen.
Wie erfolgreich war der Medallion Fund?
Nach Angaben von Fortune vom Mai 2024 erzielte er von 1988 bis 2023 nach Gebühren knapp 40 Prozent im Jahr. Der Fonds veröffentlicht keine Zahlen, die Angabe lässt sich daher nicht unabhängig prüfen.
Wofür ist Jim Simons in der Mathematik bekannt?
Gemeinsam mit Shiing-Shen Chern entwickelte er die Chern-Simons-Theorie, deren Grundlage 1974 veröffentlicht wurde. 1976 erhielt er den Oswald-Veblen-Preis für Geometrie.
Worum ging es im Steuerstreit um Renaissance?
Die IRS beanstandete Optionsgeschäfte, mit denen kurzfristige Gewinne des Medallion Fund aus den Jahren 2005 bis 2015 als langfristige Kursgewinne versteuert wurden. Im September 2021 kam es zu einem Vergleich, Simons zahlte zusätzlich 670 Mio. US-Dollar.
Was ist die Simons Foundation?
Die 1994 von Jim und Marilyn Simons gegründete Stiftung fördert Forschung in Mathematik und Naturwissenschaften. Zu ihr gehört das Flatiron Institute in New York.
Quellen
- https://en.wikipedia.org/wiki/Jim_Simons
- https://fortune.com/2024/05/10/jim-simons-obituary-renaissance-technologies-quant-king
- https://www.simonsfoundation.org/2024/05/10/simons-foundation-co-founder-mathematician-and-investor-jim-simons-dies-at-86
- https://www.cnbc.com/2021/09/03/renaissance-executives-agree-to-pay-7-billion-to-settle-tax-dispute.html
- https://en.wikipedia.org/wiki/Renaissance_Technologies
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