Vanguard im Porträt
Vanguard ist eine amerikanische Fondsgesellschaft aus Malvern in Pennsylvania, die vor allem mit Indexfonds und börsengehandelten Indexfonds groß geworden ist. Ungewöhnlich ist die Eigentümerstruktur: Das Unternehmen gehört nicht Aktionären oder Partnern, sondern seinen in den USA aufgelegten Fonds. In Deutschland ist Vanguard seit 2017 mit ETFs auf Xetra vertreten und arbeitet hierzulande über eine Frankfurter Vertriebsgesellschaft.
Das Unternehmen im Überblick
Gegründet wurde The Vanguard Group am 1. Mai 1975 von John C. Bogle, der das Haus über Jahrzehnte prägte und 1999 als Chairman ausschied. Bereits 1976 legte Vanguard mit dem First Index Investment Trust einen Fonds auf, der den Aktienindex S&P 500 nachbildete und heute als Vanguard 500 Index Fund firmiert. Die Zentrale liegt bis heute in Malvern bei Philadelphia.
An der Spitze folgten auf Bogle unter anderem F. William McNabb, der 2008 Vorstandschef wurde, und Mortimer J. Buckley, der den Posten zum 1. Januar 2018 übernahm. Seit Juli 2024 führt Salim Ramji das Unternehmen, der zuvor lange beim Wettbewerber BlackRock gearbeitet hatte und als erster Externer an die Spitze von Vanguard rückte. Präsident und oberster Anlageverantwortlicher ist Greg Davis, den Vorsitz im Board hat Mark Loughridge. Nach Unternehmensangaben besteht das Board aus 15 Mitgliedern, von denen zwölf unabhängig sind.
In einer Pressemitteilung vom Juni 2026 bezifferte Vanguard das weltweit verwaltete Vermögen zum 30. April 2026 auf rund 12,8 Billionen US-Dollar. Das Haus bietet danach 482 Fonds einschließlich ETFs an und zählt weltweit mehr als 50 Millionen Anleger. Die Zahl der Beschäftigten gibt das Unternehmen mit rund 20.000 an.
Eigentümer und Führung
Die Konstruktion geht auf Bogles Gründungsidee zurück. Die Muttergesellschaft The Vanguard Group Inc. gehört den in den USA domizilierten Vanguard-Fonds, und diese Fonds wiederum gehören ihren Anteilseignern. Es gibt also keine externen Aktionäre, die eine Dividende erwarten, und keine Börsennotierung. Die Fonds selbst werden jeweils von einem Board of Trustees beaufsichtigt. Nach dieser Lesart fließen Überschüsse nicht an Eigentümer außerhalb der Fondsfamilie, sondern können in niedrigere Kosten der Fonds münden. Die in Irland aufgelegten UCITS-Fonds, über die europäische Anleger Vanguard-Produkte kaufen, sind in der Darstellung des Unternehmens nicht Teil dieses Eigentümerkreises, der ausdrücklich auf die US-Fonds bezogen ist.
Für die Anlageentscheidungen baut Vanguard derzeit eine neue Struktur auf. Wie Morningstar im April 2026 berichtete, teilt das Haus seine Fondsverwaltung auf zwei Beratergesellschaften auf: Vanguard Capital Management soll Rentenfonds, breite Indexfonds und passive Mischfonds wie die Target-Retirement-Reihe betreuen, Vanguard Portfolio Management die aktiv verwalteten Fonds, kleinere Indexfonds und aktive Mischfonds. Beide Einheiten berichten an Greg Davis. Die Gründe hat Vanguard nach Morningstar nicht näher erläutert, der Analyst vermutet einen Zusammenhang mit dem Wachstum. Nachteile für Anleger sieht Morningstar nicht, da beide Einheiten auf dieselben Ressourcen und Prozesse zurückgreifen.
Geschäftsmodell und Schwerpunkte
Vanguard verdient an den laufenden Verwaltungskosten seiner Fonds. Den Schwerpunkt bilden passive Produkte, die einen Index abbilden, hinzu kommen aktiv gemanagte Aktien- und Rentenfonds, Mischfonds für die Altersvorsorge und Dienstleistungen für betriebliche Vorsorgepläne in den USA. Zu den aktiven Mischfonds zählt etwa der Wellington Fund. Ein großer Teil des Vertriebs läuft über Finanzberater: Nach Angaben auf der Unternehmensseite betreuten mehr als 50.000 Beratungsfirmen und Beraterteams Ende 2024 knapp 4 Billionen US-Dollar in Vanguard-Produkten.
Am 3. Juni 2026 überschritt der Vanguard S&P 500 ETF (VOO) nach einem Bericht von Pensions & Investments als erster börsengehandelter Fonds ein Vermögen von 1 Billion US-Dollar. Im Jahr 2025 brachte das Haus laut Morningstar 15 neue ETFs an den Markt, überwiegend im Anleihebereich, so viele wie seit etwa 2010 nicht mehr. Zuletzt kündigte Vanguard zudem Kostensenkungen an, die nach Morningstar über die kommenden Jahre auf nennenswerte Erlöse verzichten. Nicht börsennotierte Anlagen spielen bislang kaum eine Rolle, die Analysten sehen die Pläne dazu noch als offen an.
Bezug zu Deutschland
Den Markteintritt hierzulande vollzog Vanguard 2017 über Vermittler und Fondsplattformen. Am 26. Oktober 2017 nahm die Deutsche Börse 23 Vanguard-ETFs in den Handel auf Xetra und an der Börse Frankfurt auf, darunter Produkte auf den FTSE All-World, den S&P 500 und den Euro Stoxx 50. Alle Fonds bilden ihren Index physisch nach. Als Deutschlandchef trat damals Sebastian Külps auf.
Einen Versuch im Direktgeschäft mit Privatanlegern gab das Haus nach kurzer Zeit wieder auf. Die eigene Anlageplattform Vanguard Invest startete im Februar 2022, im November 2023 kündigte Vanguard ihre Schließung an, weil sie nach einer strategischen Prüfung nicht die nötige Größe erreicht habe. Zu diesem Zeitpunkt verwaltete der Konzern nach eigenen Angaben rund 30 Mrd. US-Dollar für deutsche Anleger, etwa eine Million Privatpersonen in Deutschland waren in Vanguard-Produkte investiert.
Heute läuft das deutsche Geschäft über die Vanguard Group Europe GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main, eingetragen beim Amtsgericht Frankfurt unter HRB 134281. Nach dem im Lobbyregister des Bundestags veröffentlichten, von PwC testierten Jahresabschluss 2025 gehört die Gesellschaft vollständig der Zealous Inc., deren Mutter The Vanguard Group Inc. ist. Sie arbeitet als Marketing- und Vertriebseinheit für professionelle Kunden in Deutschland und Österreich, Geschäftsführer sind Sebastian Külps und Julia Maschkow. Die Gesellschaft verfügt über Erlaubnisse nach dem Wertpapierinstitutsgesetz, die bislang ungenutzt sind, ihre Eigenhandelslizenz gab sie zum 31. Mai 2024 zurück. Im Jahresdurchschnitt 2025 beschäftigte sie 33 Mitarbeiter und wies einen Jahresüberschuss von rund 1,3 Mio. Euro aus. Das für die Gruppe eingeworbene Vermögen stieg laut Abschluss bis Ende 2025 auf 56,8 Mrd. US-Dollar nach 38,7 Mrd. US-Dollar ein Jahr zuvor, die Zahl der Endkunden, die über Broker in Vanguard-Produkte investieren, von etwa 1,22 auf 1,72 Millionen. Im Laufe des Jahres 2027 soll die GmbH im Zuge einer Umstrukturierung zur Zweigniederlassung einer neu zu gründenden irischen Wertpapierfirma werden.
Marktstellung und Besonderheiten
In den USA unterliegen die Fonds und die Anlageberater der Aufsicht der Wertpapieraufsicht SEC. Im Januar 2025 zahlte Vanguard 106,41 Mio. US-Dollar, um Vorwürfe der Behörde beizulegen, das Haus habe Anleger irreführend über steuerliche Folgen von Änderungen an seinen Target-Date-Fonds informiert.
Ein zweites Verfahren betraf die Klimapolitik. Texas und zehn weitere republikanisch regierte Bundesstaaten hatten im November 2024 BlackRock, State Street und Vanguard verklagt und ihnen vorgeworfen, den Kohlemarkt durch abgestimmtes Vorgehen künstlich verknappt zu haben. Im Februar 2026 einigte sich Vanguard als einziger der drei Beklagten mit den Staaten auf eine Zahlung von 29,5 Mio. US-Dollar, ohne ein Fehlverhalten einzuräumen. Vanguard sagte unter anderem zu, das Programm zur Wahl der Stimmrechtspolitik durch Anleger auszuweiten und mit den US-Geschäften keine Initiativen mit klimabezogenen Anlagezielen zu unterstützen. Aus der von den Vereinten Nationen unterstützten Initiative Principles for Responsible Investment hatten sich die US-Gesellschaften bereits im November 2025 zurückgezogen.
Mit 12,8 Billionen US-Dollar liegt Vanguard beim verwalteten Vermögen in der Größenordnung von BlackRock, das zum 30. Juni 2026 rund 15,3 Billionen US-Dollar meldete. Über seine Indexfonds hält das Haus nennenswerte Anteile an den meisten börsennotierten US-Unternehmen, was in den USA zu einer politischen Debatte über die Stimmrechtsmacht großer Indexanbieter geführt hat. Die Einigung mit den Bundesstaaten zeigt, dass Vanguard darauf mit einer betont zurückhaltenden Rolle als Aktionär reagiert. Morningstar bewertet das Haus in seiner Einstufung von Vermögensverwaltern mit der Höchstnote. In Europa ist Vanguard dagegen ein Anbieter unter mehreren, der hierzulande über Banken, Onlinebroker und Berater vertreibt und nicht direkt mit Privatkunden arbeitet.
Einordnung
Für Privatanleger in Deutschland ist Vanguard vor allem als ETF-Anbieter sichtbar, dessen Fonds über Xetra und andere Handelsplätze erworben werden. Die besondere Eigentümerstruktur betrifft in erster Linie die US-Fonds. Für Beobachter des Fondsmarkts ist das Haus relevant, weil seine Größe, seine Preispolitik und sein Umgang mit Stimmrechten die Branche insgesamt beeinflussen.
Häufige Fragen zu Vanguard
Wo hat Vanguard seinen Sitz?
Die Zentrale liegt in Malvern im US-Bundesstaat Pennsylvania. In Deutschland ist das Haus über die Vanguard Group Europe GmbH in Frankfurt am Main vertreten.
Wem gehört Vanguard?
Die Muttergesellschaft gehört den in den USA aufgelegten Vanguard-Fonds, die wiederum ihren Anlegern gehören. Externe Aktionäre gibt es nicht, das Unternehmen ist nicht börsennotiert.
Wie viel Vermögen verwaltet Vanguard?
Zum 30. April 2026 waren es nach Unternehmensangaben rund 12,8 Billionen US-Dollar für mehr als 50 Millionen Anleger weltweit.
Seit wann gibt es Vanguard-ETFs auf Xetra?
Die Deutsche Börse nahm am 26. Oktober 2017 die ersten 23 Vanguard-ETFs in den Handel auf Xetra und an der Börse Frankfurt auf.
Bietet Vanguard in Deutschland ein eigenes Depot an?
Derzeit nicht. Die 2022 gestartete Plattform Vanguard Invest wurde nach einer Ankündigung vom November 2023 geschlossen, Vanguard-Fonds werden seither über Banken, Broker und Berater vertrieben.
Wer führt Vanguard?
Vorstandschef ist seit Juli 2024 Salim Ramji. Präsident und oberster Anlageverantwortlicher ist Greg Davis, das Board leitet Mark Loughridge.
Quellen
- https://www.bnnbloomberg.ca/press-releases/2026/06/11/vanguard-announces-cash-distributions-for-the-vanguard-etfs/
- https://corporate.vanguard.com/content/corporatesite/us/en/corp/who-we-are/sets-us-apart/our-management-team.html
- https://global.morningstar.com/en-gb/funds/how-vanguard-is-faring-under-ceo-salim-ramji
- https://www.pionline.com/asset-management/exchange-traded-funds/pi-vanguard-hits-one-trillion-assets-flagship-index-etf/
- https://deutsche-boerse.com/dbg-en/media/press-releases/Deutsche-B-rse-welcomes-Vanguard-as-new-ETF-issuer--146114
- https://www.etf.com/sections/news/vanguard-closes-short-lived-german-consumer-platform
- https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/03/bc/832827/VGEG-JAP-2025_FINAL-TESTIERT.pdf
- https://www.esgdive.com/news/vanguard-settles-antitrust-coal-case-texast-red-states-state-street-blackrock/813513/
- https://www.climatecasechart.com/document/texas-v-blackrock-inc_f224
- https://en.wikipedia.org/wiki/The_Vanguard_Group
- https://en.wikipedia.org/wiki/Salim_Ramji
Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Auswahl der porträtierten Häuser trifft allein die Redaktion; Einträge sind nicht käuflich, und Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Text. Keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Unternehmen. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.