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Köpfe der Finanzwelt · Dealmaker

Christian Sewing

Christian Sewing führt seit April 2018 die Deutsche Bank, die größte Privatbank Deutschlands. Der gelernte Bankkaufmann, Jahrgang 1970, hat fast sein gesamtes Berufsleben in dem Haus verbracht und es 2019 mit dem Rückzug aus dem Aktienhandel grundlegend umgebaut. Seit 2021 ist er zudem Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und damit die wichtigste Stimme der privaten Banken gegenüber Politik und Aufsicht. Sein Vertrag als Vorstandschef läuft bis April 2029.

Werdegang

Sewing wurde in Bünde in Ostwestfalen geboren und machte 1989 Abitur. Im selben Jahr begann er bei der Deutschen Bank in Bielefeld eine Ausbildung zum Bankkaufmann, die er 1991 abschloss. Berufsbegleitend studierte er an der Bankakademie in Bielefeld und Hamburg, deren Nachfolgeeinrichtung heute die Frankfurt School of Finance & Management ist.

Zwischen 1995 und 2005 arbeitete er im Firmenkundengeschäft und im Risikomanagement der Bank, unter anderem in Singapur, Toronto, London, Tokio und Frankfurt. Von 2005 bis 2007 verließ er den Konzern für einen Vorstandsposten bei der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank. Nach seiner Rückkehr stieg er im Risikomanagement auf: Von 2010 bis 2012 war er Leiter des Kreditbereichs, von 2012 bis 2013 stellvertretender Chief Risk Officer. Im Juni 2013 übernahm er die Leitung der Konzernrevision.

Zum 1. Januar 2015 rückte Sewing in den Vorstand auf. Ab 2016 verantwortete er das Privat- und Firmenkundengeschäft, im März 2017 wurde er einer der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Am 8. April 2018 löste er John Cryan an der Spitze ab, nachdem die Bank drei Jahre in Folge Verluste geschrieben hatte. Im März 2021 verlängerte der Aufsichtsrat seinen Vertrag vorzeitig bis 2026, im März 2025 nach Reuters-Angaben um weitere drei Jahre bis April 2029.

Rolle und Wirken

Im Frühjahr 2019 führte die Deutsche Bank Gespräche über eine Fusion mit der Commerzbank, die nach wenigen Wochen ohne Ergebnis endeten. Am 7. Juli 2019 kündigte Sewing stattdessen einen tiefgreifenden Umbau an. Die Bank zog sich aus dem Aktienhandel zurück, strich Tausende Stellen und ordnete ihr Geschäft in vier Bereiche: Unternehmensbank, Investmentbank, Privatkundenbank und Vermögensverwaltung, Letztere gebündelt in der börsennotierten Tochter DWS. Der Umbau führte 2019 zu einem Nettoverlust von 5,7 Mrd. Euro. Schon 2020 kehrte die Bank mit 624 Mio. Euro Nachsteuergewinn in die Gewinnzone zurück, 2021 verdiente sie 2,5 Mrd. Euro.

Für Ende 2025 hatte Sewing 2022 eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 10 Prozent als Ziel ausgegeben. Laut den am 29. Januar 2026 vorgelegten Zahlen erreichte die Bank 10,3 Prozent. Der Gewinn nach Steuern stieg 2025 auf 7,1 Mrd. Euro, der den Aktionären zurechenbare Gewinn auf 6,1 Mrd. Euro nach 2,7 Mrd. Euro im Vorjahr, die Erträge um 7 Prozent auf 32,1 Mrd. Euro. Die Kosten sanken um rund 10 Prozent auf 20,7 Mrd. Euro, die Aufwand-Ertrag-Relation lag bei 64 Prozent. Alle vier Geschäftsbereiche erzielten nach Bankangaben eine Rendite von mehr als 10 Prozent. Für 2025 schlug der Vorstand eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie vor, ergänzt um einen Aktienrückkauf von 1 Mrd. Euro.

Bei einem Investorentag im November 2025 setzte Sewing neue Ziele bis 2028: Erträge von etwa 37 Mrd. Euro, eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 13 Prozent und eine Aufwand-Ertrag-Relation unter 60 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Bank einen Vorsteuergewinn von 2,68 Mrd. Euro und damit nach Medienberichten nahezu das Rekordniveau von 2007. Die Rendite lag im Quartal bei 11 Prozent. Sewing äußerte nach Vorlage der Zahlen die Zuversicht, die Ziele für 2028 übertreffen zu können, und kündigte weitere Rückkäufe über 500 Mio. Euro an.

Als Vorstandsvorsitzender hat Sewing Aktien der eigenen Bank gekauft. Im September 2019 kündigte er an, 15 Prozent seines monatlichen Nettogehalts in Aktien des Instituts anzulegen. Solche Geschäfte sind als Directors' Dealings meldepflichtig und öffentlich einsehbar.

Verbandsämter

Neben der Bank prägt Sewing die Branchenpolitik. Bereits 2020 galt er als naheliegender Kandidat für den Vorsitz des Bundesverbands deutscher Banken, lehnte damals nach Berichten der Börsen-Zeitung aber ab, um sich auf den Umbau seines Hauses zu konzentrieren. Am 19. April 2021 trat er die Nachfolge von Hans-Walter Peters als Präsident an, der Verband führt ihn weiterhin in diesem Amt. Zum 1. März 2023 übernahm er zusätzlich die Präsidentschaft der Europäischen Bankenvereinigung EBF als Nachfolger von Ana Botín. Dem Präsidium des Bundesverbands der Deutschen Industrie gehörte er 2017 und 2018 an.

Verfahren und Kontroversen

Mehrere frühere Investmentbanker der Deutschen Bank führen Zivilklagen gegen das Institut, fünf davon in London, einer in Frankfurt. Hintergrund sind sogenannte Santorini-Geschäfte mit der italienischen Bank Monte dei Paschi aus dem Jahr 2008. Ein Mailänder Gericht hatte 2019 sechs frühere Mitarbeiter verurteilt, das Berufungsgericht sprach sie 2022 frei, Italiens oberstes Gericht bestätigte die Freisprüche 2023. Der frühere Großkundenchef Dario Schiraldi fordert nach Angaben der Börsen-Zeitung vom Juli 2025 Schadenersatz von 152 Mio. Euro. In seiner Klage erhebt er auch Vorwürfe gegen Sewing, der 2013 als Leiter der Konzernrevision eine interne Untersuchung der Geschäfte verantwortete. Es handelt sich um Behauptungen des Klägers, Beklagte ist die Bank, nicht Sewing persönlich. Die Deutsche Bank hält die Klage für unbegründet und kündigte an, sich im Verfahren zu verteidigen. Im Februar 2026 einigte sich die Bank nach einem Bericht von Bloomberg mit einem ersten von sechs klagenden Managern vertraulich. Ein Urteil in den übrigen Verfahren war bis Oktober 2026 nicht bekannt. Für Sewing gilt die Unschuldsvermutung.

Am 28. Januar 2026 durchsuchten Ermittler der Staatsanwaltschaft Frankfurt und des Bundeskriminalamts die Zentrale der Bank. Ermittelt wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegen unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter wegen des Verdachts der Geldwäsche, nach Medienberichten im Zusammenhang mit Geschäften der Jahre 2013 bis 2018 mit Gesellschaften aus dem Umfeld von Roman Abramowitsch und möglicherweise verspäteten Verdachtsmeldungen. Die Bank bestätigte die Maßnahme und erklärte, vollumfänglich mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten. Sewing erklärte bei der Vorlage der Jahreszahlen am folgenden Tag laut finews, die Bank lasse sich von ihrem Kurs nicht abbringen. Ein Ausgang der Ermittlungen ist nicht bekannt, es gilt die Unschuldsvermutung.

Einordnung

Unter Sewing hat sich das Institut von einem verlustreichen, auf das Investmentbanking ausgerichteten Konzern zu einer Bank mit vier ertragsstarken Säulen entwickelt, deren Eigenkapitalrendite die eigenen Zielmarken 2025 erreicht hat. Das Investmentbanking ist dabei wieder ein maßgeblicher Ergebnisbringer. Für Anleger hängt die weitere Entwicklung vor allem davon ab, ob die Ziele für 2028 erreicht werden und wie hoch die Ausschüttungen ausfallen. Die Altlasten aus früheren Jahren und laufende Rechtsstreitigkeiten bleiben ein Risikofaktor. Wer die Kennzahlen einer Bank einordnen möchte, findet Grundlagen im Ratgeber Aktien bewerten.

Häufige Fragen zu Christian Sewing

Wer ist Christian Sewing?

Christian Sewing ist ein deutscher Bankmanager, Jahrgang 1970, und seit April 2018 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Seit 2021 ist er außerdem Präsident des Bundesverbands deutscher Banken.

Welche Ausbildung hat Christian Sewing?

Er absolvierte von 1989 bis 1991 eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank in Bielefeld. Anschließend studierte er berufsbegleitend an der Bankakademie in Bielefeld und Hamburg.

Wie lange läuft der Vertrag von Christian Sewing?

Die Deutsche Bank verlängerte seinen Vertrag im März 2025 um drei Jahre bis April 2029. Eine vorherige Verlängerung von 2021 hatte bis 2026 gereicht.

Was hat Christian Sewing bei der Deutschen Bank verändert?

Im Juli 2019 verkündete er den Ausstieg aus dem Aktienhandel und eine Neuordnung in vier Geschäftsbereiche. Nach einem Verlust 2019 erzielte die Bank 2025 einen Gewinn nach Steuern von 7,1 Mrd. Euro.

Welche Ziele verfolgt die Deutsche Bank unter Sewing bis 2028?

Angestrebt sind Erträge von etwa 37 Mrd. Euro, eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von über 13 Prozent und eine Aufwand-Ertrag-Relation unter 60 Prozent. Im Juli 2026 zeigte sich Sewing zuversichtlich, diese Ziele zu übertreffen.

Gibt es Verfahren gegen Christian Sewing?

Frühere Mitarbeiter erheben in Zivilklagen gegen die Deutsche Bank auch Vorwürfe gegen Sewing aus seiner Zeit als Revisionschef. Die Klagen richten sich gegen die Bank, nicht gegen Sewing persönlich. Die Bank hält die Klage von Dario Schiraldi für unbegründet, ein Urteil ist nicht bekannt, und es gilt die Unschuldsvermutung.

Quellen

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Sewing
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/Christian_Sewing
  3. https://de.marketscreener.com/kurs/aktie/DEUTSCHE-BANK-AG-56358396/news/Deutsche-Bank-CEO-Sewing-erhalt-Vertragsverlangerung-bis-2029-49455811/
  4. https://www.finews.ch/news/banken/70999-deutsche-bank-ergebnis-2025-gewinn-rendite-ziele-frankfurt
  5. https://www.berliner-zeitung.de/article/milliardengewinn-auf-rekordniveau-deutsche-bank-ueberrascht-10243652
  6. https://bankenverband.de/en/media/press-photos
  7. https://www.boersen-zeitung.de/banken-finanzen/im-aushilfsmodus
  8. https://www.boersen-zeitung.de/personen/sewing-wird-auch-praesident-des-europaeischen-bankenverbands-f230e8f4-6b45-11ed-83b7-dc92fc6846c5
  9. https://www.boersen-zeitung.de/personen/schiraldi-verklagt-die-deutsche-bank
  10. https://www.claimsjournal.com/news/national/2026/02/13/335679.htm
  11. https://investor-relations.db.com/files/documents/quarterly-results/2025/Q4-2025-Medieninformation.pdf
  12. https://investor-relations.db.com/files/documents/quarterly-results/2026/Q2-2026-Medieninformation.pdf
  13. https://www.hessenschau.de/panorama/deutsche-bank-razzia-wegen-geldwaesche-in-der-zentrale-in-frankfurt-v2,deutsche-bank-razzia-geldwaesche-100.html
  14. https://www.cash-online.de/a/deutsche-bank-macht-5-7-milliarden-euro-verlust-495182/

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