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Köpfe der Finanzwelt · Dealmaker

Jamie Dimon

Jamie Dimon steht seit Ende 2005 an der Spitze von JPMorgan Chase, der nach Bilanzsumme größten Bank der Vereinigten Staaten. Der 1956 in New York geborene Manager hat das Institut durch die Finanzkrise geführt und dabei mehrere angeschlagene Konkurrenten übernommen. Seine jährlichen Briefe an die Aktionäre und seine Einschätzungen zu Konjunktur, Zinsen und Regulierung werden an den Finanzmärkten weltweit verfolgt. Im Oktober 2026 ist er weiterhin Chairman und CEO, die Nachfolge ist eingeleitet, aber nicht entschieden.

Werdegang

Nach dem Studium arbeitete Dimon von 1978 bis 1980 als Unternehmensberater beim Management Analysis Center in Boston. 1982 schloss er an der Harvard Business School mit einem MBA ab. Von 1982 bis 1985 arbeitete er bei American Express unter Sanford Weill, mit dem er bis 1998 eng verbunden blieb.

1986 wurde er mit 30 Jahren Finanzvorstand des Konsumentenkreditanbieters Commercial Credit, der unter Weills Führung zum Ausgangspunkt einer Reihe von Übernahmen wurde. Von 1990 bis 1998 war Dimon Chief Operating Officer von Travelers und der Investmentbank Smith Barney. Nach der Fusion von Travelers mit der Citicorp zur Citigroup wurde er 1998 Präsident des neuen Konzerns, verließ ihn aber bereits im November desselben Jahres.

Im März 2000 übernahm er als CEO die Bank One in Chicago. Mit der Fusion von Bank One und JPMorgan Chase im Juli 2004 wechselte er als President und Chief Operating Officer nach New York. Zum 31. Dezember 2005 wurde er CEO, ein Jahr später zusätzlich Chairman.

Rolle und Wirken

In der Finanzkrise wurde JPMorgan unter Dimon zum Käufer. Im März 2008 übernahm die Bank nach Gesprächen unter Beteiligung der US-Regierung die in Schieflage geratene Investmentbank Bear Stearns, der Vollzug folgte Ende Mai 2008. Im September 2008 erwarb sie nach der Schließung von Washington Mutual durch die Aufsicht den größten Teil von deren Bankgeschäft von der Einlagensicherung FDIC für rund 1,9 Mrd. Dollar. Eine ähnliche Rolle übernahm JPMorgan im Mai 2023, als sie nach dem Zusammenbruch der First Republic Bank den Großteil von deren Vermögenswerten und die Einlagen übernahm und dafür 10,6 Mrd. Dollar an die FDIC zahlte.

Die Bank verbindet heute Privatkundengeschäft unter der Marke Chase, Firmenkundengeschäft, Investmentbanking, Handel und Vermögensverwaltung. Für 2025 wies JPMorgan einen Nettogewinn von 57,0 Mrd. Dollar aus, nach 58,5 Mrd. Dollar im Vorjahr. Die Erträge lagen bei 182,4 Mrd. Dollar, die Rendite auf das materielle Eigenkapital bei 20 Prozent. Die Bilanzsumme betrug zum 31. Dezember 2025 rund 4,42 Billionen Dollar. Im vierten Quartal 2025 belastete eine Risikovorsorge von 2,2 Mrd. Dollar für die vereinbarte Übernahme des Kreditkartenportfolios von Apple das Ergebnis.

Über die eigene Bank hinaus wirkt Dimon als Sprecher der Branche. Er war Vorsitzender des Business Roundtable, der Vereinigung großer US-Unternehmenschefs, und gehört dessen Leitungsgremium weiter an. In seinen Aktionärsbriefen äußert er sich regelmäßig zu Geldpolitik, Staatsverschuldung, Bankenregulierung und geopolitischen Risiken.

Nachfolge

Die Frage, wer Dimon nachfolgt, beschäftigt die Bank seit Jahren. Seine Aussagen dazu wechselten: 2024 sprach er von einem Abschied in weniger als fünf Jahren, Anfang 2026 von mindestens fünf weiteren Jahren, was seine Sprecher als Scherz bezeichneten. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Juni 2026 will Dimon noch bis zu drei Jahre CEO bleiben. Ein Nachfolger könnte nach Angaben eines Insiders innerhalb von zwei bis zweieinhalb Jahren benannt werden, Dimon würde danach für einige Zeit Executive Chairman.

Als aussichtsreichste interne Kandidaten gelten nach Medienberichten die beiden Co-Presidents Doug Petno und Troy Rohrbaugh. Nach Angaben von Fortune erhielten beide einmalige Halteprämien in Aktien von je rund 30 Mio. Dollar, die nach drei Jahren unverfallbar werden. Marianne Lake, Chefin des Privatkundengeschäfts und lange als Favoritin gehandelt, kündigte Ende Juni 2026 ihren Abschied an. Chief Operating Officer Jennifer Piepszak hat erklärt, den CEO-Posten nicht anzustreben. Dass zahlreiche frühere JPMorgan-Manager heute andere Großunternehmen führen, darunter Charlie Scharf bei Wells Fargo und Michael Cavanagh bei Comcast, bringt die Wirtschaftspresse auch mit der langen Amtszeit Dimons in Verbindung.

Verfahren und Kontroversen

Im Mai 2012 machte JPMorgan Verluste aus Derivategeschäften ihres Londoner Chief Investment Office öffentlich, die unter dem Namen „London Whale“ bekannt wurden. Dimon hatte erste Presseberichte zuvor als Sturm im Wasserglas abgetan. Der Verlust summierte sich auf mehr als 6 Mrd. Dollar. Im September 2013 zahlte die Bank Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien insgesamt 920 Mio. Dollar. Der Verwaltungsrat halbierte Dimons Vergütung für 2012 von 23 auf 11,5 Mio. Dollar.

Im November 2013 einigte sich JPMorgan mit dem US-Justizministerium auf einen Vergleich über 13 Mrd. Dollar wegen des Vertriebs hypothekenbesicherter Wertpapiere vor der Finanzkrise. Davon entfielen 9 Mrd. Dollar auf Strafen und Bußgelder und 4 Mrd. Dollar auf Entlastungen für Verbraucher. Strafrechtliche Fragen waren nicht Teil der Einigung.

Im Jahr 2023 sah sich die Bank Klagen ausgesetzt, sie habe ihren langjährigen Kunden Jeffrey Epstein trotz Warnzeichen weiter betreut. Epstein war bis 2013 Kunde der Bank. Dimon wurde im Mai 2023 unter Eid befragt und sagte aus, Epstein nie getroffen und vor dessen Festnahme im Juli 2019 nichts von ihm gehört zu haben. Im Juni 2023 vereinbarte JPMorgan mit Betroffenen einen Vergleich über 290 Mio. Dollar, ohne eine Haftung anzuerkennen. Gegen Dimon persönlich wurde in diesem Zusammenhang kein Verfahren geführt, das BörsenBote.de bekannt ist.

Einordnung

Dimon hat JPMorgan über zwei Jahrzehnte zu einer Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als 4 Billionen Dollar ausgebaut und dabei die Krisen von 2008 und 2023 zu Übernahmen genutzt. Die hohe Ertragskraft der Bank und seine öffentliche Präsenz machen ihn zu einem der meistbeachteten Bankmanager weltweit. Für Anleger ist die ungeklärte Nachfolge der wichtigste Unsicherheitsfaktor, zumal der Abgang langjähriger Spitzenkräfte zeigt, wie schwer sich ein Wechsel an der Spitze planen lässt. Seine Einschätzungen zu Zinsen und Konjunktur bewegen gelegentlich die Märkte, sind aber Meinungsäußerungen und keine Prognosen der Bank. Grundlagen zur Einordnung von Bankkennzahlen bietet der Ratgeber Aktien bewerten.

Häufige Fragen zu Jamie Dimon

Wer ist Jamie Dimon?

Jamie Dimon ist ein US-amerikanischer Bankmanager, geboren 1956 in New York. Er ist seit Ende 2005 CEO und seit Ende 2006 auch Chairman von JPMorgan Chase.

Wie kam Jamie Dimon zu JPMorgan?

Er führte ab März 2000 die Bank One in Chicago. Mit deren Fusion mit JPMorgan Chase im Juli 2004 wurde er President und Chief Operating Officer und rückte Ende 2005 an die Spitze.

Welche Übernahmen verantwortete Jamie Dimon?

In der Finanzkrise 2008 übernahm JPMorgan Bear Stearns und große Teile von Washington Mutual. Im Mai 2023 folgte die Übernahme wesentlicher Teile der zusammengebrochenen First Republic Bank.

Wie viel verdiente JPMorgan unter Dimon zuletzt?

Für 2025 meldete die Bank einen Nettogewinn von 57,0 Mrd. Dollar bei Erträgen von 182,4 Mrd. Dollar. Die Bilanzsumme lag Ende 2025 bei rund 4,42 Billionen Dollar.

Wer wird Nachfolger von Jamie Dimon?

Entschieden ist das nicht. Als Favoriten gelten die Co-Presidents Doug Petno und Troy Rohrbaugh, Dimon will nach Reuters-Angaben vom Juni 2026 noch bis zu drei Jahre CEO bleiben.

Was war der London Whale?

So hießen Derivateverluste der Londoner Investmenteinheit von JPMorgan, die 2012 bekannt wurden und mehr als 6 Mrd. Dollar betrugen. Die Bank zahlte 2013 Bußgelder von 920 Mio. Dollar, Dimons Vergütung für 2012 wurde halbiert.

Quellen

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Jamie_Dimon
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/JPMorgan_Chase
  3. https://en.wikipedia.org/wiki/2012_JPMorgan_Chase_trading_loss
  4. https://jpmorganchaseco.gcs-web.com/static-files/5a032c6a-dc1b-4eb2-9421-3d6715220507
  5. https://www.gulf-times.com/article/728324/business/jpmorgan-narrows-ceo-race-as-dimon-sets-final-3-years/amp
  6. https://fortune.com/2026/06/30/jp-morgan-succession-ceo-factory-fortune-500-retention-bank/
  7. https://www.calculatedriskblog.com/2008/09/fdic-wamu-closed-no-cost-to-insurance.html
  8. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/19617/000162828026001902/a4q25erfexhibit991narrative.htm
  9. https://www.nbcnews.com/news/us-news/epstein-victims-ask-judge-approve-290-million-settlement-jpmorgan-rcna90916

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