David Solomon
David Solomon steht seit Oktober 2018 an der Spitze von Goldman Sachs, seit Januar 2019 ist er zugleich Chairman. Der frühere Spezialist für Hochzinsfinanzierungen hat die Investmentbank neu organisiert, einen teuren Ausflug ins Privatkundengeschäft eingeleitet und wieder beendet und das Haus auf Beratung, Handel und Vermögensverwaltung ausgerichtet. Im Oktober 2026 ist er weiterhin Chairman und CEO. Nach Medienberichten vom September 2026 berät das Board bereits über seine Nachfolge.
Werdegang
Solomon wurde 1962 im Bundesstaat New York geboren. Er studierte am Hamilton College in Clinton, New York, und schloss mit dem Bachelor ab. Eine Bewerbung als Analyst bei Goldman Sachs blieb nach eigener Darstellung damals erfolglos, er begann stattdessen bei der Irving Trust. 1986 wechselte er zu Drexel Burnham Lambert, zunächst in den Verkauf von Geldmarktpapieren, später in das Geschäft mit Hochzinsanleihen. Danach leitete er bei Bear Stearns den Bereich für Hochzinsanleihen.
1999 holte ihn Goldman Sachs als Partner in das Team für Akquisitionsfinanzierungen. Im Juli 2006 wurde er Co-Leiter der Investmentbanking-Sparte, die er rund zehn Jahre bis Dezember 2016 mitführte. Danach rückte er neben Harvey Schwartz zum Präsidenten und Co-Chief Operating Officer auf. Nach dem Ausscheiden von Schwartz im Jahr 2018 galt er als designierter Nachfolger von Lloyd Blankfein. Zum 1. Oktober 2018 übernahm er den Posten des Chief Executive Officer, zum Januar 2019 zusätzlich den Vorsitz des Boards.
Rolle und Wirken
Solomon übernahm eine Bank, die stark vom Handel und von großen Beratungsmandaten lebte und deren Ertragsschwankungen an der Börse mit Abschlägen bestraft wurden. Er versuchte, stabilere Erträge aufzubauen, und setzte dafür auf zwei Felder: das Privatkundengeschäft unter der Marke Marcus und die Vermögensverwaltung. Im Januar 2020 hielt Goldman Sachs unter ihm erstmals einen Investorentag ab und legte mittelfristige Ziele offen.
Das Privatkundengeschäft entwickelte sich anders als geplant. Die 2016 gestartete Plattform Marcus vergab Konsumentenkredite und sammelte Spareinlagen, 2019 kam die Partnerschaft mit Apple für die Apple Card hinzu, 2022 übernahm Goldman den Finanzierungsanbieter GreenSky. Hohe Anlaufverluste und Risikovorsorgen belasteten die Ergebnisse. Im Oktober 2022 ordnete Solomon den Konzern neu, das Kartengeschäft und GreenSky wanderten in den Bereich Platform Solutions. Im Januar 2023 kündigte er an, keine neuen Privatkredite über Marcus mehr zu vergeben, und räumte ein, die Bank habe zu viel zu schnell gewollt. Im Januar 2026 wurde vereinbart, das Apple-Card-Programm im Jahr 2028 an JPMorgan Chase zu übergeben, deren Chef Jamie Dimon zu Solomons bekanntesten Konkurrenten zählt.
Den Schwerpunkt legt Goldman Sachs seither auf zwei Säulen. Global Banking & Markets umfasst Beratung, Emissionen, Handel und Finanzierungen für institutionelle Kunden, Asset & Wealth Management die Vermögensverwaltung für Institutionen und vermögende Privatkunden. Für 2025 meldete die Gruppe Nettoerträge von 58,3 Mrd. US-Dollar und einen Gewinn von 17,2 Mrd. US-Dollar, die Eigenkapitalrendite lag bei 15,0 Prozent. Die Gebühren aus dem Investmentbanking stiegen 2025 um 21 Prozent auf 9,3 Mrd. US-Dollar, die Beratung bei Übernahmen legte um 34 Prozent auf 4,7 Mrd. US-Dollar zu. In den Ranglisten des Datenanbieters Dealogic lag die Bank nach eigener Darstellung im ersten Halbjahr 2026 bei Übernahmen und bei Aktienemissionen auf dem ersten Platz. Im zweiten Quartal 2026 erreichten die Nettoerträge mit 20,3 Mrd. US-Dollar einen Rekord, getragen vom Aktienhandel und vom Emissionsgeschäft. Das Vermögen unter Aufsicht stieg zum 30. Juni 2026 auf 4,04 Billionen US-Dollar. Weitere Kennzahlen und den Bezug zu Deutschland enthält unser Porträt von Goldman Sachs.
Nach innen verband Solomon seine Amtszeit mit kulturellen Änderungen. Nach Presseberichten lockerte die Bank die Kleiderordnung, modernisierte ihre Systeme und versuchte, die Arbeitszeiten junger Banker außerhalb von Abschlussphasen zu begrenzen. In der Öffentlichkeit wurde er zudem durch zeitweise Auftritte als DJ unter dem Namen D-Sol bekannt. Dem Kuratorium des Hamilton College gehört er seit 2005 an, im Juli 2021 übernahm er dessen Vorsitz.
Nachfolge
Im Januar 2025 erhielten Solomon und sein Präsident und Chief Operating Officer John Waldron jeweils eine Halteprämie in gesperrten Aktien im Wert von 80 Mio. US-Dollar. Waldron, der wie Solomon von Bear Stearns kam und seit 2018 dessen Stellvertreter ist, wurde Anfang 2025 in das Board berufen. Nach einem Bericht des Wall Street Journal vom September 2026, den Reuters und weitere Medien aufgriffen, hat das Board einen Plan beraten, nach dem Waldron Ende 2027 oder 2028 CEO werden könnte. Solomon würde demnach für ein bis zwei Jahre Executive Chairman bleiben. Goldman Sachs erklärte, es gebe keinen festen Zeitplan für die Nachfolge. Eine Entscheidung ist mit Stand Oktober 2026 nicht bekannt gegeben.
Verfahren und Kontroversen
In Solomons Amtszeit fiel die Aufarbeitung des Skandals um den malaysischen Staatsfonds 1MDB, für den Goldman Sachs zwischen 2012 und 2013 Anleihen platziert hatte. Im Oktober 2020 einigte sich die Bank mit Behörden in den USA, Großbritannien, Singapur und weiteren Ländern auf Zahlungen von insgesamt mehr als 2,9 Mrd. US-Dollar, die malaysische Tochter bekannte sich schuldig. Mit Malaysia schloss die Bank eine gesonderte Vereinbarung. Solomon war an den Geschäften nicht beteiligt. Das Board kürzte im Zusammenhang mit dem Fall die Vergütung mehrerer Führungskräfte, auch Solomons Bezüge für 2020 fielen niedriger aus. Ein Verfahren gegen Solomon persönlich ist BörsenBote.de nicht bekannt.
Einordnung
Solomon hat Goldman Sachs nach einem gescheiterten Ausflug in das Massengeschäft mit Privatkunden wieder auf die Stärken des Hauses ausgerichtet: Beratung bei Übernahmen, Emissionen, Handel und Vermögensverwaltung. Die Rekordzahlen des Jahres 2026 zeigen, wie stark die Bank von lebhaften Kapitalmärkten profitiert, zugleich bleibt sie anfälliger für Abschwünge als Universalbanken mit großem Einlagengeschäft. Für Anleger ist neben dem Marktumfeld die anstehende Nachfolge an der Spitze ein Thema, auch wenn etwa der Bankanalyst Mike Mayo von Wells Fargo nach Reuters-Angaben keinen Strategiewechsel unter Waldron erwartet. Zum deutschen Geschäft der Bank und ihrem früheren Deutschlandchef informiert das Porträt von Alexander Dibelius, Grundlagen zur Bewertung von Bankaktien bietet der Ratgeber Aktien bewerten.
Häufige Fragen zu David Solomon
Wer ist David Solomon?
David Solomon ist ein US-amerikanischer Investmentbanker, geboren 1962. Er ist seit Oktober 2018 CEO und seit Januar 2019 auch Chairman von Goldman Sachs.
Seit wann ist David Solomon bei Goldman Sachs?
Er kam 1999 als Partner zu Goldman Sachs. Zuvor arbeitete er bei Irving Trust, Drexel Burnham Lambert und Bear Stearns.
Wen löste David Solomon an der Spitze ab?
Er folgte auf Lloyd Blankfein, der die Bank seit 2006 geführt hatte.
Was wurde aus dem Privatkundengeschäft Marcus?
Goldman Sachs stoppte Anfang 2023 die Vergabe neuer Privatkredite über Marcus und baute das Konsumentengeschäft zurück. Das Apple-Card-Programm soll 2028 an JPMorgan Chase übergehen.
Wer wird Nachfolger von David Solomon?
Entschieden ist das nicht. Nach Medienberichten vom September 2026 berät das Board über einen Wechsel zu Präsident John Waldron Ende 2027 oder 2028, Goldman Sachs nennt keinen festen Zeitplan.
Was ist DJ D-Sol?
Unter diesem Namen trat Solomon als DJ in Clubs und auf Festivals auf und veröffentlichte elektronische Musik. Mit dem Bankgeschäft hat das nichts zu tun, trug aber zu seiner Bekanntheit bei.
Quellen
- https://en.wikipedia.org/wiki/David_M._Solomon
- https://www.goldmansachs.com/our-firm/leadership/david-m-solomon
- https://www.investmentnews.com/wirehouses/goldman-sachs-succession-plan-john-waldron-set-to-take-the-top-job/268388
- https://www.americanbanker.com/news/goldman-to-exit-personal-loans-as-marcus-reshuffle-continues
- https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/886982/000088698226000008/a4q25gsearningsresults.htm
- https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0000886982/000088698226000294/a2q26gsearningsresultspr.htm
- https://en.wikipedia.org/wiki/Goldman_Sachs
- https://www.justice.gov/opa/pr/goldman-sachs-charged-foreign-bribery-case-and-agrees-pay-over-29-billion
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