Commerzbank im Porträt
Die Commerzbank ist eine Frankfurter Großbank, deren Geschäft auf zwei Säulen ruht: der Finanzierung und Betreuung deutscher Unternehmen, vor allem des Mittelstands, und dem Geschäft mit Privatkunden, zu dem auch die Direktbankmarke comdirect gehört. In Polen ist sie über die Mehrheit an der mBank vertreten. Seit 2024 steht das Haus zudem im Mittelpunkt des Werbens der italienischen UniCredit, die im Herbst 2026 auf die aufsichtsrechtliche Erlaubnis für die Kontrolle über die Bank wartet.
Das Unternehmen im Überblick
Die Bank wurde 1870 in Hamburg als Commerz- und Disconto-Bank gegründet und trägt den Namen Commerzbank seit 1940. Ihren Sitz verlegte sie 1990 von Düsseldorf nach Frankfurt am Main, wo der Commerzbank Tower die Zentrale beherbergt. Die Commerzbank AG ist seit 2023 wieder im DAX vertreten.
Prägend für die jüngere Geschichte war die Übernahme der Dresdner Bank. Angekündigt Ende August 2008, wurde die Commerzbank im Januar 2009 alleinige Eigentümerin, die Verschmelzung wurde im Mai 2009 eingetragen. In der Finanzkrise musste der Staat einspringen: Der Rettungsfonds SoFFin stellte stille Einlagen von zunächst 8,2 Mrd. Euro und später insgesamt rund 16,4 Mrd. Euro bereit, der Bund erwarb 25 Prozent plus eine Aktie. Diesen Anteil hat er seither schrittweise verringert, nach Medienberichten vom September 2026 hält er über die Finanzagentur knapp 13 Prozent und ist damit der zweitgrößte Aktionär.
Vorstandsvorsitzende ist seit Herbst 2024 Bettina Orlopp, die auf Manfred Knof folgte. Mehr zu ihrer Person steht in unserem Porträt von Bettina Orlopp. Den Aufsichtsrat führt der frühere Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Die Bank ist nach eigenen Angaben in mehr als 40 Ländern präsent und betreibt in Deutschland rund 400 Filialen.
Geschäftsmodell und Schwerpunkte
Die Commerzbank berichtet in drei operativen Segmenten. Das Firmenkundengeschäft betreut rund 24.000 Firmenkundenverbünde, darunter viele Mittelständler, und bietet Kredite, Zahlungsverkehr, Außenhandelsfinanzierung sowie Kapitalmarktprodukte an. 2025 erzielte das Segment Erträge von 4,9 Mrd. Euro und ein operatives Ergebnis von 2,2 Mrd. Euro, das Kreditvolumen wuchs um 10 Prozent auf 115 Mrd. Euro.
Das Segment Privat- und Unternehmerkunden Deutschland kam 2025 auf Erträge von 4,6 Mrd. Euro. Es verwaltete Wertpapiervolumen von 266 Mrd. Euro und Einlagen von 179 Mrd. Euro, die Kredite summierten sich auf 125 Mrd. Euro, davon 96 Mrd. Euro Baufinanzierungen. Hierzu zählt auch comdirect, seit der Verschmelzung im November 2020 keine eigene Gesellschaft mehr, sondern eine Marke der Commerzbank AG für Kunden, die ohne Beratung handeln. Drittes Segment ist die mBank, die in Polen, Tschechien und der Slowakei rund 5,9 Mio. Kunden betreut. Sie steigerte 2025 ihre Erträge um 37 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro. Belastet wird sie seit Jahren durch Rechtsrisiken aus Fremdwährungskrediten, die Vorsorge dafür halbierte sich 2025 auf 483 Mio. Euro.
Im Konzern stiegen die Erträge 2025 um 9,6 Prozent auf 12,2 Mrd. Euro, das operative Ergebnis um 17,5 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro. Wegen Restrukturierungsaufwendungen von 562 Mio. Euro sank das Konzernergebnis dagegen leicht auf 2,6 Mrd. Euro. Die Bilanzsumme betrug Ende 2025 rund 590 Mrd. Euro. Für 2025 schlug der Vorstand eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie vor, insgesamt sollten rund 2,7 Mrd. Euro an die Aktionäre zurückfließen.
Im ersten Halbjahr 2026 verdiente die Bank nach Angaben vom 6. August 2026 mit 1,81 Mrd. Euro knapp 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Erträge stiegen um 7 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro, die harte Kernkapitalquote lag zum 30. Juni 2026 bei 14,4 Prozent. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Gewinn von mindestens 3,4 Mrd. Euro an. Ein weiterer Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Mrd. Euro hatte zu diesem Zeitpunkt die Zustimmung der EZB, die der Finanzagentur stand noch aus. Mit der im Mai 2026 fortgeschriebenen Strategie Momentum 2030 hob die Bank ihre Ziele an: Für 2028 strebt sie eine Rendite auf das materielle Eigenkapital von rund 17 Prozent und einen Nettogewinn von 4,6 Mrd. Euro an, zuvor waren es 15 Prozent und 4,2 Mrd. Euro.
Am Emissionsmarkt tritt die Commerzbank meist in der Breite der Konsortien auf. Beim Börsengang der Porsche AG im September 2022 gehörte sie zu den Co-Lead-Managern, während US-Häuser und die Deutsche Bank die vorderen Reihen besetzten.
Eigentümer und Übernahmeverfahren
Den Anstoß gab der Bund. Im September 2024 verkaufte er einen Teil seiner Aktien, UniCredit erwarb dabei 4,49 Prozent zu 13,20 Euro je Aktie und hielt anschließend rund 9 Prozent. Über Finanzinstrumente baute die Mailänder Bank ihre Position danach aus. Im März 2025 hatte die EZB nach Angaben von UniCredit keine Einwände gegen eine Aufstockung auf knapp unter 30 Prozent.
Im März 2026 kündigte UniCredit ein freiwilliges Umtauschangebot an, die Angebotsunterlage folgte am 5. Mai 2026. Je Commerzbank-Aktie bot sie 0,485 neue UniCredit-Aktien. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank hielten das Angebot für nicht attraktiv. Nach Ablauf der weiteren Annahmefrist am 3. Juli 2026 wurden UniCredit laut deren Bekanntmachung vom 8. Juli 17,60 Prozent der Aktien angedient. Direkt hielt sie zu diesem Stichtag 26,77 Prozent, hinzu kamen Total Return Swaps mit Anspruch auf Lieferung von weiteren 3,22 Prozent sowie bar abgerechnete Instrumente auf 11,48 Prozent, die weder Stimmrechte noch einen Lieferanspruch vermitteln. Direkt gehaltene und angediente Aktien ergeben zusammen mit den Swaps mit Lieferanspruch 47,59 Prozent des Grundkapitals beziehungsweise 49,65 Prozent der Stimmrechte, wenn die eigenen Aktien der Commerzbank herausgerechnet werden. Stimmrechte aus den angedienten Aktien erhält UniCredit erst mit dem Vollzug. Nach Darstellung der Commerzbank stammten weniger als 2 Prozent der angedienten Aktien von unabhängigen institutionellen und privaten Anlegern, der Großteil von UniCredit nahestehenden Banken und Parteien.
Vollzogen ist der Erwerb der angedienten Aktien noch nicht. Er steht unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher, außenwirtschaftsrechtlicher und aufsichtsrechtlicher Genehmigungen sowie einer Freigabe nach der EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen. Ende Juli 2026 stufte die BaFin den Antrag auf Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent als vollständig ein und leitete ihn an die EZB weiter. Diese hat dafür 60 Arbeitstage Zeit und kann die Frist um bis zu 20 Arbeitstage verlängern, eine Entscheidung wurde deshalb für Oktober erwartet. Nach einem Bericht von Reuters vom August neigte die EZB zu einer Zustimmung. Bis Anfang Oktober 2026 war keine Entscheidung der EZB öffentlich. Ausstehend waren nach Medienberichten außerdem unter anderem die Freigaben der EU-Kommission und der polnischen Finanzaufsicht. Orlopp betont, dass UniCredit wesentliche Strukturmaßnahmen auch mit einer Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung nicht allein beschließen könne.
Marktstellung und Besonderheiten
Das Ertragsprofil der Commerzbank ist vom klassischen Kredit- und Einlagengeschäft geprägt. Der Zinsüberschuss machte 2025 mit 8,2 Mrd. Euro rund zwei Drittel der Erträge aus. Der Provisionsüberschuss stieg um 7,1 Prozent auf 4,0 Mrd. Euro. Zu den Belastungen der Vergangenheit gehört das Thema Cum-ex: 2017 und 2019 wurden Ermittlungen der Staatsanwaltschaften Frankfurt und Köln in diesem Zusammenhang bekannt.
Einordnung
Für mittelständische Unternehmen ist die Commerzbank als Hausbank relevant, für Privatanleger über Filialen und comdirect als Zugang zum Wertpapiergeschäft. Anders als die Investmentbanken in diesem Verzeichnis lebt sie überwiegend vom Zinsgeschäft. Für den deutschen Bankenmarkt hat das Übernahmeverfahren besonderes Gewicht, denn die Entscheidung der Aufsicht über den Kontrollerwerb durch UniCredit wird die Eigentümerstruktur des Hauses und möglicherweise auch die Zukunft seiner Marken bestimmen.
Häufige Fragen zu Commerzbank
Wo hat die Commerzbank ihren Sitz?
Sitz der Commerzbank AG ist Frankfurt am Main. Gegründet wurde die Bank 1870 in Hamburg.
Wem gehört die Commerzbank?
Größter Aktionär ist UniCredit, die zum 3. Juli 2026 direkt 26,77 Prozent hielt und weitere 17,60 Prozent aus ihrem Umtauschangebot erst nach behördlichen Genehmigungen übernehmen kann. Einschließlich der angedienten Aktien und der Swaps mit Lieferanspruch ergeben sich 47,59 Prozent des Kapitals beziehungsweise 49,65 Prozent der Stimmrechte ohne eigene Aktien. Der Bund ist nach Medienberichten mit knapp 13 Prozent zweitgrößter Aktionär.
Hat UniCredit die Commerzbank übernommen?
Stand Anfang Oktober 2026 nein. Die EZB prüft den Antrag auf Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent, eine Entscheidung war bis dahin nicht veröffentlicht. Weitere Genehmigungen stehen ebenfalls aus.
Wer leitet die Commerzbank?
Vorstandsvorsitzende ist seit Herbst 2024 Bettina Orlopp. Den Aufsichtsrat führt Jens Weidmann.
Gehört comdirect zur Commerzbank?
Ja, comdirect ist seit der Verschmelzung im November 2020 eine Marke der Commerzbank AG. Vertragspartner der Kunden ist die Commerzbank selbst.
Wie viel hat die Commerzbank zuletzt verdient?
2025 lag das Konzernergebnis bei 2,6 Mrd. Euro, im ersten Halbjahr 2026 bei 1,81 Mrd. Euro. Für 2026 erwartet der Vorstand mindestens 3,4 Mrd. Euro.
Quellen
- https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/2026/20260211-pm-q4-2025.pdf
- https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/2026/20260806-pm-q2-2026.pdf
- https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/2026/20260708-pm-ergebnis-uebernahmeangebot.pdf
- https://www.unicreditgroup.eu/content/dam/unicreditgroup-eu/documents/de/investors/unicredit-unlimited-next-phase/Bekanntmachung-gemaess---23-Absatz-1-Satz-1-Nr.-3-des-Wertpapiererwerbs--und-Uebernahmegesetzes-(WpUeG)-vom-8.-Juli-2026.pdf
- https://en.ilsole24ore.com/art/unicredit-bafin-gives-the-go-ahead-to-exceed-30-per-cent-ecb-decision-on-the-trade-within-60-days-AJEi8ke
- https://news.bgov.com/banking-law/ecb-leans-to-approve-unicredits-commerzbank-bid-reuters-says
- https://www.hessenschau.de/wirtschaft/ezb-genehmigt-groesseren-unicredit-anteil-an-der-commerzbank-v1,kurz-ezb_genehmigung-100.html
- https://www.lto.de/recht/kanzleien-unternehmen/k/porsche-geht-an-die-boerse-clifford-chance-niederer-kraft-frey-rekord-boersengang/print.html
- https://www.commerzbank.de/konzern/newsroom/pressemitteilungen/2026/20260508-pm-q1-2026.pdf
- https://www.finews.ch/news/banken/73762-unicredit-beschleunigt-uebernahme-der-commerzbank-konzernchefin-bettina-orlopp-aufsichtsrat
- https://de.wikipedia.org/wiki/Commerzbank
- https://en.wikipedia.org/wiki/Commerzbank
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