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Asset Manager & Fondsgesellschaften

DWS Group im Porträt

Die DWS Group ist die börsennotierte Fondsgesellschaft der Deutschen Bank mit Sitz in Frankfurt am Main. Zum 30. Juni 2026 betreute sie nach eigenen Angaben rund 1.190 Mrd. Euro. Seit März 2018 ist das Haus an der Börse, die Mehrheit liegt weiterhin bei der Deutschen Bank. In den vergangenen Jahren prägten Ermittlungen wegen überzogener Nachhaltigkeitsangaben das öffentliche Bild, die in den USA und in Deutschland mit Zahlungen endeten.

Das Unternehmen im Überblick

Gegründet wurde die Gesellschaft am 22. Mai 1956 in Hamburg als Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen, woraus sich das Kürzel DWS ableitet. Hinter der Gründung stand ein Konsortium mehrerer Banken. Die Deutsche Bank hielt nach Angaben der deutschsprachigen Wikipedia damals 30 Prozent, kleinere Anteile entfielen unter anderem auf Sal. Oppenheim, B. Metzler und Georg Hauck & Sohn. Mit dem Ausscheiden von Hauck & Aufhäuser im Jahr 2004 gehörte die DWS vollständig der Deutschen Bank.

Heute firmiert die Muttergesellschaft als DWS Group GmbH & Co. KGaA mit Sitz in Frankfurt am Main. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die DWS Management GmbH, deren Geschäftsführung das Unternehmen leitet. Größere Standorte bestehen außerdem in London, New York und Hongkong. Nach Unternehmensangaben vom Januar 2026 beschäftigt die Gruppe weltweit rund 5.000 Mitarbeiter.

An der Spitze steht seit Juni 2022 Stefan Hoops, der zuvor bei der Deutschen Bank tätig war. Finanzvorstand ist Markus Kobler. Hoops folgte auf Asoka Wöhrmann, der im Zuge der Greenwashing-Ermittlungen zurückgetreten war. Wöhrmann hatte den Posten 2018 von Nicolas Moreau übernommen. Zu den bekanntesten Namen der Firmengeschichte zählt Klaus Kaldemorgen, der 1982 zur DWS kam, von 2006 bis Ende 2010 Sprecher der Geschäftsführung war und bis November 2025 den nach ihm benannten Mischfonds führte.

Eigentümer und Börsengang

Die Deutsche Bank hatte die Platzierung ihrer Fondstochter im März 2017 angekündigt. Erster Handelstag an der Frankfurter Wertpapierbörse war der 23. März 2018, der Ausgabepreis lag bei 32,50 Euro je Aktie. Statt der geplanten 25 Prozent brachte die Bank nach Wikipedia-Angaben nur 22,25 Prozent der Anteile an den Markt, die Marktkapitalisierung betrug zum Start rund 6,5 Mrd. Euro. Im Juni 2018 wurde die Aktie in den SDAX aufgenommen, seit März 2025 gehört sie dem MDAX an.

Die Deutsche Bank hält nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia 79,49 Prozent und kontrolliert das Unternehmen damit klar. Die Rechtsform der KGaA verstärkt diesen Einfluss, weil die Geschäftsführung bei der Komplementärgesellschaft liegt. Der geringe Streubesitz hatte den Aufstieg in den MDAX zunächst verzögert, obwohl die Marktkapitalisierung dafür ausgereicht hätte.

Geschäftsmodell und Schwerpunkte

Die DWS verdient den Großteil ihrer Erträge mit Verwaltungsgebühren auf das betreute Vermögen, hinzu kommen erfolgsabhängige Vergütungen und Transaktionsgebühren. Organisiert ist das Geschäft in drei Bereichen. Unter der Marke DWS laufen die aktiv verwalteten Aktien-, Renten- und Mischfonds, darunter bekannte Publikumsfonds wie der DWS Concept Kaldemorgen, den seit Ende November 2025 Christoph Schmidt allein verantwortet. Die passiven Produkte vertreibt das Haus unter dem Namen Xtrackers, dessen ETF-Geschäft 2007 unter der Bezeichnung db x-trackers bei der Deutschen Bank entstand. Den dritten Bereich bilden alternative Anlagen wie Immobilien und Infrastruktur, die unter der früheren Marke RREEF gebündelt wurden. Daneben verwaltet die DWS Geldmarktprodukte und erbringt Beratungsdienstleistungen für institutionelle Kunden.

Das Geschäftsjahr 2025 bezeichnete das Unternehmen als Rekordjahr. Die Erträge stiegen nach der Mitteilung vom 29. Januar 2026 um 14 Prozent auf 3.155 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern um 39 Prozent auf 1.324 Mio. Euro. Den Aktionären zurechenbar blieben 927 Mio. Euro. Das verwaltete Vermögen erreichte Ende 2025 rund 1.085 Mrd. Euro, davon 963 Mrd. Euro langfristig angelegt.

Wie ungleich das Wachstum verteilt ist, zeigen die Mittelflüsse. Von den 33,7 Mrd. Euro langfristigen Nettozuflüssen des Jahres 2025 entfielen rund 32,6 Mrd. Euro auf das passive Geschäft mit Xtrackers-ETFs und institutionellen Indexmandaten. Die aktiven Strategien verloren dagegen netto rund 1,1 Mrd. Euro, wobei quantitative Ansätze Mittel gewannen, aktive Aktien- und Mischfonds aber Abflüsse verzeichneten. Alternative Anlagen kamen auf etwa 2,2 Mrd. Euro Zuflüsse, getragen von Infrastruktur, während Immobilienprodukte Gelder verloren. Einschließlich Geldmarktprodukten und Beratungsmandaten summierten sich die Zuflüsse auf 51,0 Mrd. Euro.

Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die Entwicklung fort. Nach der Mitteilung vom 29. Juli 2026 stieg das verwaltete Vermögen zum 30. Juni auf rund 1.190 Mrd. Euro, davon 1.049 Mrd. Euro langfristig. Die langfristigen Nettozuflüsse lagen im Halbjahr bei 18,2 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Steuern bei 682 Mio. Euro nach 589 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Für die Jahre 2026 bis 2028 hat sich das Management unter anderem kumulierte langfristige Nettozuflüsse von mehr als 160 Mrd. Euro und eine Aufwand-Ertrag-Relation von unter 55 Prozent bis 2027 vorgenommen.

Regulierung und Aufsicht

Den größten Einschnitt der jüngeren Firmengeschichte lösten Vorwürfe der früheren Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler aus. Sie machte 2021 öffentlich, die DWS habe den Anteil ihrer nach ESG-Kriterien verwalteten Anlagen zu hoch dargestellt. Daraufhin nahmen die US-Börsenaufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Ermittlungen auf. Am 31. Mai 2022 durchsuchten Ermittler Räume der DWS und der Deutschen Bank. Wöhrmann trat daraufhin zurück, die Hauptversammlung am 9. Juni 2022 markierte den Wechsel zu Hoops.

In den USA endete das Verfahren am 25. September 2023. Die Tochter DWS Investment Management Americas zahlte insgesamt 25 Mio. US-Dollar. Davon entfielen 19 Mio. US-Dollar auf den Vorwurf, zwischen August 2018 und Ende 2021 irreführende Angaben zur Einbeziehung von ESG-Faktoren gemacht zu haben, und 6 Mio. US-Dollar auf Mängel im Programm gegen Geldwäsche bei den betreuten Investmentfonds. Die Gesellschaft hat die Feststellungen der SEC weder eingeräumt noch bestritten.

In Deutschland durchsuchten die Ermittler die Frankfurter Büros der DWS im Laufe des Verfahrens mehrfach. Anfang April 2025 gab die Staatsanwaltschaft Frankfurt einen bestandskräftigen Bußgeldbescheid über 25 Mio. Euro bekannt. Geahndet wurden Verstöße gegen das Kapitalanlagegesetzbuch in den Jahren 2020 bis 2023, als die DWS sich nach Darstellung der Behörde unter anderem als führend im Nachhaltigkeitsbereich bezeichnet hatte. Für die Bemessung zog die Behörde den Umsatz der Deutschen Bank heran. Das Ermittlungsverfahren gegen Wöhrmann wurde im Juni 2025 mit Zustimmung des Gerichts eingestellt. Die Staatsanwaltschaft verwies darauf, dass ihm die unzureichende Umsetzung der ESG-Strategie nicht allein zuzurechnen sei. Weitere Beschuldigte gab es in dieser Sache nach ihren Angaben nicht.

Auch die BaFin befasste sich mit dem Thema. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung, über den Ende Dezember 2024 weitere Medien berichteten, ordnete sie eine Sonderprüfung durch Deloitte an, die den Dialog der DWS mit Portfoliounternehmen zu Umwelt- und Sozialstandards untersuchen sollte. Die DWS und die BaFin äußerten sich dazu nicht. Ein Ergebnis dieser Prüfung ist in den ausgewerteten Quellen nicht veröffentlicht.

Marktstellung und Besonderheiten

Mit mehr als einer Billion Euro an verwaltetem Vermögen gehört die DWS zu den großen europäischen Fondsanbietern, bleibt aber deutlich kleiner als die amerikanischen Indexriesen wie BlackRock. Ihr Wachstum stützt sich zuletzt vor allem auf das ETF-Geschäft unter der Marke Xtrackers. Die Zahlen von 2025 zeigen, dass die Zuflüsse fast vollständig aus passiven Produkten und Geldmarktanlagen stammen, während die aktiven Fonds, mit denen die DWS über Jahrzehnte bekannt wurde, Mittel verlieren.

Die enge Bindung an die Deutsche Bank hat zwei Seiten. Sie verschafft der Fondstochter einen kapitalstarken Eigentümer, macht die DWS aber zugleich zu einem Teil der Konzernstrategie ihres Mehrheitseigners. Dass die Staatsanwaltschaft für die Höhe des Bußgeldes den Umsatz der Mutter heranzog, verdeutlicht diese Verflechtung auch rechtlich.

Einordnung

Für Privatanleger in Deutschland ist die DWS vor allem über Publikumsfonds, Sparpläne und Xtrackers-ETFs präsent. Für Beobachter des Kapitalmarkts ist sie als börsennotierter Vermögensverwalter relevant, dessen Ergebnisse regelmäßig Aufschluss über Mittelflüsse zwischen aktiven und passiven Produkten geben. Die Greenwashing-Verfahren sind in den USA und in Deutschland gegen Zahlungen beendet, sie haben aber die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitsangaben in der gesamten Branche zum Thema gemacht. Aus der bisherigen Entwicklung lassen sich keine Aussagen über künftige Ergebnisse ableiten.

Häufige Fragen zu DWS Group

Wo hat die DWS ihren Sitz?

Die DWS Group GmbH & Co. KGaA hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Gegründet wurde die Gesellschaft 1956 in Hamburg.

Wem gehört die DWS?

Mehrheitseigner ist die Deutsche Bank mit 79,49 Prozent. Die übrigen Aktien befinden sich im Streubesitz.

Seit wann ist die DWS börsennotiert?

Erster Handelstag an der Frankfurter Wertpapierbörse war der 23. März 2018, der Ausgabepreis betrug 32,50 Euro. Seit März 2025 gehört die Aktie dem MDAX an.

Wie viel Vermögen verwaltet die DWS?

Zum 30. Juni 2026 waren es nach Unternehmensangaben rund 1.190 Mrd. Euro. Ende 2025 hatte das verwaltete Vermögen bei rund 1.085 Mrd. Euro gelegen.

Wer führt die DWS?

Vorstandschef ist seit Juni 2022 Stefan Hoops, der von der Deutschen Bank kam. Er folgte auf Asoka Wöhrmann, der nach einer Durchsuchung im Zuge der Greenwashing-Ermittlungen zurückgetreten war.

Wie endeten die Greenwashing-Verfahren gegen die DWS?

In den USA zahlte eine Tochter im September 2023 insgesamt 25 Mio. US-Dollar an die SEC, davon 19 Mio. US-Dollar wegen ESG-Angaben. In Deutschland akzeptierte die DWS im April 2025 ein Bußgeld der Staatsanwaltschaft Frankfurt über 25 Mio. Euro, das Verfahren gegen den früheren Chef Wöhrmann wurde im Juni 2025 eingestellt.

Quellen

  1. https://www.deraktionaer.de/nachricht/eqs-newsdwssteigertverwaltetesvermoegendeutlichunderzieltrekordebeinettomittelzufluessenundfinanzergebnisimerstenhalbjahrdeutsch-541039.html
  2. https://www.deraktionaer.de/nachricht/eqs-news-nach-rekordjahr-dws-uebertrifft-mittelfristige-strategische-ziele-und-erhoeht-ausblick-bis-2028-deutsch-498697.html
  3. https://www.sec.gov/newsroom/press-releases/2023-194
  4. https://www.hessenschau.de/wirtschaft/deutsche-bank-tochter-dws-zahlt-millionenstrafe-wegen-greenwashing-v2,dws-greenwashing-millionenbusse-100.html
  5. https://www.boersen-zeitung.de/esg-pro/greenwashing-ermittlungen-gegen-asoka-woehrmann-eingestellt
  6. https://www.deraktionaer.de/artikel/aktien/dividendenperle-dws-neuer-aerger-mit-der-bafin-20372305.html
  7. https://www.boersen-zeitung.de/personen/klaus-kaldemorgen-hoert-als-fondsmanager-auf-bleibt-der-dws-aber-als-stratege-erhalten
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/DWS_Group
  9. https://en.wikipedia.org/wiki/DWS_Group

Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Auswahl der porträtierten Häuser trifft allein die Redaktion; Einträge sind nicht käuflich, und Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Text. Keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Unternehmen. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.