Bert Flossbach
Bert Flossbach hat 1998 zusammen mit Kurt von Storch in Köln eine Vermögensverwaltung gegründet, die heute nach eigenen Angaben rund 70 Milliarden Euro für private und institutionelle Kunden betreut. Seit 2007 verwaltet er den Mischfonds Flossbach von Storch Multiple Opportunities, das bekannteste Produkt des Hauses. Seine Einschätzungen zu Zinsen, Staatsschulden und Aktienbewertungen zitiert die Wirtschaftspresse regelmäßig, zumal sie sich unmittelbar in einem großen Publikumsfonds niederschlagen.
Werdegang
Flossbach studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln. Promoviert wurde er an der Universität Innsbruck mit einer Arbeit über Konzepte des Portfoliomanagements für Privatkundenvermögen. Das Thema seiner Dissertation beschreibt recht genau das Geschäft, das er später aufbaute.
Seine berufliche Laufbahn begann 1988 bei der Matuschka Gruppe in München, wo er bis 1991 private und institutionelle Anleger betreute. Danach wechselte er zu Goldman Sachs nach Frankfurt. Als Executive Director war er dort von 1991 bis 1998 für die Verwaltung deutscher und internationaler Vermögen zuständig, nach dem Lebenslauf des Unternehmens auch mit Stationen in New York. Bei Goldman Sachs lernte er Kurt von Storch kennen, mit dem er sich 1998 selbstständig machte.
Die Gründung fiel in eine Zeit, in der bankunabhängige Vermögensverwalter in Deutschland noch eine Nische besetzten. Im Oktober 2007 legte Flossbach den Multiple Opportunities auf, den er seitdem als Fondsmanager verantwortet.
Rolle und Wirken
Im Unternehmen war Flossbach lange als Vorstand für Research und Investment Management zuständig. So beschrieb ihn auch die Börsen-Zeitung in einem Personenporträt vom Mai 2020. In den folgenden Jahren stellte sich die Gesellschaft für die Zeit nach den Gründern neu auf. Zum Jahresbeginn 2024 rückten Tobias Schafföner und Marcus Stollenwerk in den Vorstand, nachdem Till Schmidt bereits im Oktober 2023 berufen worden war. Im September 2024 kündigte das Haus an, sich in eine Europäische Gesellschaft umzuwandeln. Die Gründer begründeten den Schritt mit der Nachfolgeplanung und dem Ziel, eine über Generationen bestehende Institution zu schaffen. Seit der Umwandlung firmiert das Unternehmen als Flossbach von Storch SE. Für den Verwaltungsrat nannte das Unternehmen bei der Ankündigung Flossbach, Kurt von Storch und Johanna Hey, für die Geschäftsführung Schafföner, Schmidt und Stollenwerk. Den Vorsitz im Verwaltungsrat hat Kurt von Storch. Zum Jahreswechsel 2025/2026 kamen Christian Schlosser und Tobias Hirsch in die Geschäftsführung. Im Impressum der Gesellschaft wird Flossbach mit Stand Oktober 2026 als einer von sechs geschäftsführenden Direktoren geführt.
An der Größe des Hauses lässt sich die Entwicklung ablesen. Im August 2014 meldete finews.ch rund 15 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen bei 106 Beschäftigten. Ende 2023 waren es nach Unternehmensangaben rund 70 Milliarden Euro bei 340 Mitarbeitern, im September 2024 rund 350 Beschäftigte. Neben dem Sitz in Köln ist die Gesellschaft unter anderem in Italien, Spanien, der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Belgien vertreten. Die Fondsgesellschaft für die Luxemburger Produkte ist die Flossbach von Storch Invest S.A. Das Unternehmen gehört mehrheitlich den Gründern und ihren Familien. Laut finews.ch hielten 2014 beide Gründer je 42 Prozent, der Rest lag überwiegend bei weiteren Führungskräften.
Über die Nachfolge wurde früh öffentlich spekuliert. Im August 2014 berichtete das Manager Magazin unter Berufung auf Flossbach von ersten Gesprächen mit Interessenten über einen Verkauf. Das Unternehmen dementierte am folgenden Tag und erklärte, es prüfe lediglich, wie sich das Partnermodell verbreitern lasse. Ein Verkauf kam nicht zustande, stattdessen wählten die Gründer mit der SE eine Struktur, in der sie die Kontrolle behalten.
Anlagestil
Flossbach verfolgt einen wertorientierten Ansatz mit Schwerpunkt auf Qualitätsunternehmen. Das Haus fasst seine Philosophie in den Begriffen Diversifikation, Qualität, Flexibilität, Solvenz und Wert zusammen. Der Multiple Opportunities ist ein aktiv gemanagter Mischfonds ohne Orientierung an einer Benchmark. Laut Fondsporträt darf die Aktienquote bis zu 100 Prozent betragen, Gold und andere Edelmetalle bis zu 25 Prozent des Vermögens. Zum 31. März 2026 lag der Aktienanteil bei gut 77 Prozent, Edelmetalle machten rund 9,4 Prozent aus. Unterstützt wird Flossbach von einem Team aus mehr als 30 Anlageexperten.
Gold als Absicherung gegen Geldentwertung und Krisen ist ein wiederkehrendes Motiv. Dahinter steht eine Sicht auf die Geldpolitik, die Flossbach seit der Finanzkrise vertritt. In seinem 2012 im FinanzBuch Verlag erschienenen Buch „Die Schuldenlawine“, das er zusammen mit Philipp Vorndran schrieb, argumentieren die Autoren, dass wachsende Staatsschulden und Notenbanken, die sich zu Helfern der Regierungen machen, das Finanzsystem instabil werden lassen und auf Dauer Inflation begünstigen.
Diese Haltung prägte auch seine öffentlichen Einschätzungen in der Niedrigzinsphase. Im November 2017 sagte er der Börsen-Zeitung, er rechne mit lange extrem niedrigen Zinsen, weil hoch verschuldete Staaten eine Normalisierung kaum verkraften würden. Den Kapitalmarkt beschrieb er damals als künstlich beruhigt. Sein Fonds war zu dieser Zeit zu rund 70 Prozent in Aktien und zu etwa 10 Prozent in Gold investiert. Größte Einzelposition war Daimler, daneben hielt der Fonds Titel wie Berkshire Hathaway, Nestlé, Novo Nordisk und Alphabet.
Anfang 2025 äußerte er sich auf einem Fondskongress in Mannheim skeptischer zu den Bewertungen amerikanischer Technologiewerte. Nach Bericht des Handelsblatts verwies er darauf, dass beim S&P 500 die Kurse über zehn Jahre deutlich stärker gestiegen seien als die Gewinne, und erwartete keine jährlichen Kursgewinne von elf bis zwölf Prozent mehr. Das größte Risiko sah er im Anleihemarkt, weil steigende Renditen die Aktienhausse bremsen könnten. Die hohen Investitionen der großen Technologiekonzerne in Rechenzentren und Chips belasteten aus seiner Sicht den freien Cashflow. Zugleich hielt er die Vorherrschaft amerikanischer Aktien unter den größten Börsenwerten vorerst für stabil.
Einordnung
Flossbach gehört zu der Generation von Vermögensverwaltern, die in Deutschland das Geschäft außerhalb der Bankkonzerne groß gemacht haben. Seine Bedeutung für den Markt ergibt sich weniger aus einzelnen Prognosen als aus dem Volumen, das seine Gesellschaft bewegt, und aus der Verbreitung ihrer Mischfonds in Beraterdepots. Wer verstehen will, wie solche Fondsmanager Unternehmen auswählen, findet Grundlagen in unserem Ratgeber zum Bewerten von Aktien, weitere Investorenporträts versammelt die Übersicht der Superinvestoren. Sein Fokus auf Qualität und Gold hat sich in verschiedenen Marktphasen unterschiedlich ausgezahlt, eine Aussage über künftige Ergebnisse lässt sich daraus nicht ableiten. Die Führung des Hauses teilt er inzwischen mit einer jüngeren Generation von geschäftsführenden Direktoren, das Fondsmanagement des Multiple Opportunities liegt nach Unternehmensangaben weiterhin bei ihm.
Häufige Fragen zu Bert Flossbach
Wer ist Bert Flossbach?
Bert Flossbach ist Mitgründer der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch und Fondsmanager des Mischfonds Multiple Opportunities. Zuvor arbeitete er bei der Matuschka Gruppe und als Executive Director bei Goldman Sachs.
Wann wurde Flossbach von Storch gegründet?
Bert Flossbach und Kurt von Storch gründeten das Unternehmen 1998 in Köln. Beide hatten zuvor bei Goldman Sachs in Frankfurt gearbeitet.
Welche Funktion hat Bert Flossbach heute?
Die Gesellschaft wurde im vierten Quartal 2024 in die Flossbach von Storch SE umgewandelt, bei der Ankündigung wurde Flossbach als Mitglied des Verwaltungsrats genannt. Im Impressum ist er mit Stand Oktober 2026 als einer von sechs geschäftsführenden Direktoren aufgeführt, Vorsitzender des Verwaltungsrats ist Kurt von Storch.
Welchen Fonds verwaltet Bert Flossbach?
Er managt seit dessen Auflage im Oktober 2007 den Flossbach von Storch Multiple Opportunities. Der Mischfonds darf bis zu 100 Prozent in Aktien und bis zu 25 Prozent in Edelmetalle investieren.
Wie viel Vermögen verwaltet Flossbach von Storch?
Nach Unternehmensangaben waren es 2024 rund 70 Milliarden Euro für private und institutionelle Kunden. Die Gesellschaft gehört mehrheitlich den Gründern und ihren Familien.
Hat Bert Flossbach Bücher geschrieben?
Ja, zusammen mit Philipp Vorndran veröffentlichte er 2012 im FinanzBuch Verlag „Die Schuldenlawine“. Das Buch befasst sich mit den Folgen hoher Staatsschulden und der Rolle der Notenbanken.
Quellen
- https://www.flossbachvonstorch.de/fileadmin/user_upload/files/Presse/CV_Dr._Bert_Flossbach.pdf
- https://www.flossbachvonstorch.de/fileadmin/user_upload/files/Presse/PM_Rechtsformwechsel_DE.pdf
- https://www.flossbachvonstorch.de/fileadmin/user_upload/files/Presse/PM_Vorstandserweiterung.pdf
- https://www.flossbachvonstorch.de/fileadmin/user_upload/files/VP-Downloads_Dokumente/fondsportraits/2024.01.31_-_DE_-_Fondsportrait_SICAV_Multiple_Opportunities_-_DE_-_R.pdf
- https://www.boersen-zeitung.de/kapitalmaerkte/milliarden-mann
- https://www.boersen-zeitung.de/kapitalmaerkte/der-kapitalmarkt-ist-wie-sediert
- https://flossbachvonstorch.de/fileadmin/user_upload/files/Presse/20250131_Handelsblatt-Bert_Flossbach_beim_Mannheimer_Fondskongress.pdf
- https://www.finews.ch/news/finanzplatz/16134-flossbach-von-storch-bert-kurt-koeln-vermoegensverwalter-deutschland-verkauf-dementi
- https://www.dasinvestment.com/flossbach-von-storch-baut-vorstand-um-tobias-schaffoener-und-marcus/
- https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/die-schuldenlawine/18815
- https://www.flossbachvonstorch.de/de/impressum/
- https://www.flossbachvonstorch.de/fileadmin/user_upload/files/Presse/PM_FvS_GF-Erweiterung.pdf
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