Goldman Sachs im Porträt
Goldman Sachs gehört zu den großen US-Investmentbanken und lebt stärker als die meisten Wettbewerber vom Beratungs-, Emissions- und Handelsgeschäft. Ein klassisches Filialnetz für Privatkunden besitzt das Haus nicht. In Europa arbeitet es über die Goldman Sachs Bank Europe SE mit Sitz in Frankfurt am Main, die in den vergangenen Jahren mehrere große deutsche Börsengänge mitbegleitet hat.
Das Unternehmen im Überblick
Marcus Goldman eröffnete 1869 in einem einzigen Kellerraum in New York sein Geschäft. 1882 trat sein Schwiegersohn Samuel Sachs ein, daraus entstand der heutige Name. Über mehr als ein Jahrhundert blieb die Firma eine Partnerschaft, erst im Mai 1999 ging sie an die New York Stock Exchange. Seit November 2009 hat die Goldman Sachs Group, Inc. ihren Hauptsitz an der West Street 200 in Lower Manhattan.
Zur Bankholding wurde Goldman Sachs im September 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Seither untersteht die Gruppe der Aufsicht der US-Notenbank Federal Reserve. Vorstandschef ist seit 2018 David Solomon, der Lloyd Blankfein ablöste. Ende 2025 beschäftigte die Gruppe nach eigenen Angaben 47.400 Mitarbeiter, 2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Für das Geschäftsjahr 2025 wies Goldman Sachs Nettoerträge von 58,3 Mrd. US-Dollar und einen Gewinn von 17,2 Mrd. US-Dollar aus. Das entsprach einem verwässerten Ergebnis je Aktie von 51,32 US-Dollar nach 40,54 US-Dollar im Vorjahr und einer Eigenkapitalrendite von 15,0 Prozent. Die Bank erhöhte daraufhin die Quartalsdividende auf 4,50 US-Dollar je Aktie.
Geschäftsmodell und Schwerpunkte
Das Geschäft ruht auf zwei großen Bereichen, hinzu kommt das kleinere Segment Platform Solutions. Global Banking & Markets umfasst die Beratung bei Fusionen und Übernahmen, die Begleitung von Aktien- und Anleiheemissionen, den Handel mit Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen sowie Finanzierungen für institutionelle Kunden. Dieser Bereich erwirtschaftete 2025 Nettoerträge von 41,5 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent. Davon entfielen 16,5 Mrd. US-Dollar auf das Aktiengeschäft und 14,5 Mrd. US-Dollar auf den Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen. Die Gebühren aus dem Investmentbanking stiegen um 21 Prozent auf 9,3 Mrd. US-Dollar, getragen vor allem von der Beratung, die um 34 Prozent auf 4,7 Mrd. US-Dollar zulegte.
Der zweite Bereich, Asset & Wealth Management, verwaltet Gelder für institutionelle Investoren, Stiftungen und vermögende Privatkunden. Er kam 2025 auf Nettoerträge von 16,7 Mrd. US-Dollar. Das Vermögen unter Aufsicht der Gruppe betrug zum 31. Dezember 2025 rund 3,61 Billionen US-Dollar nach 3,14 Billionen ein Jahr zuvor.
Im laufenden Jahr hat sich das Wachstum beschleunigt. Für das zweite Quartal 2026 meldete Goldman Sachs am 14. Juli Rekorderträge von 20,3 Mrd. US-Dollar, 39 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, und einen Gewinn von 6,6 Mrd. US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 summierten sich die Nettoerträge auf 37,6 Mrd. US-Dollar und der Gewinn auf 12,3 Mrd. US-Dollar. Treiber war der Aktienhandel, der mit 7,4 Mrd. US-Dollar im Quartal einen Höchstwert erreichte. Die Erträge aus Aktienemissionen haben sich mit einem Plus von 130 Prozent mehr als verdoppelt. In den Ranglisten des Datenanbieters Dealogic lag die Bank nach eigener Darstellung im ersten Halbjahr 2026 bei angekündigten und abgeschlossenen Übernahmen sowie bei Aktienemissionen auf dem ersten Platz. Das Vermögen unter Aufsicht stieg zum 30. Juni 2026 auf 4,04 Billionen US-Dollar. Belastet wurde das Segment Platform Solutions, dessen Erträge vor allem wegen Abschreibungen auf das Kreditportfolio der Apple Card um 64 Prozent auf 221 Mio. US-Dollar fielen.
Im Privatkundengeschäft hat das Haus nur zeitweise Fuß gefasst. Unter der Marke Marcus vergab Goldman Sachs ab 2016 Konsumentenkredite, 2019 startete die Partnerschaft mit Apple für die Apple Card. Im Januar 2026 wurde vereinbart, dieses Kreditkartenprogramm im Jahr 2028 an JPMorgan Chase zu übergeben.
Bezug zu Deutschland
Ein Büro in Frankfurt unterhält Goldman Sachs nach eigenen Angaben seit 1990, heute im Marienturm. Ein zweiter deutscher Standort liegt an der Maximilianstraße in München. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU gewann die Frankfurter Gesellschaft an Gewicht: Die Goldman Sachs Bank Europe SE ist beim Amtsgericht Frankfurt am Main unter HRB 114190 eingetragen und laut Unternehmen der zentrale Standort für den Großteil des Geschäfts in Kontinentaleuropa. Als bedeutendes Institut wird sie direkt von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt, gemeinsam mit BaFin und Bundesbank.
Laut Jahresabschluss nach Handelsgesetzbuch kam die Bank zum 31. Dezember 2025 auf eine Bilanzsumme von 143,1 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss sank auf 460 Mio. Euro nach 597 Mio. Euro im Vorjahr. Zum Bilanzstichtag waren 1.322 Mitarbeiter in Vollzeitäquivalenten beschäftigt, nach 1.182 ein Jahr zuvor. Neben Frankfurt und München bestehen Zweigniederlassungen unter anderem in Amsterdam, Athen, Dublin, Kopenhagen, Luxemburg, Madrid, Mailand, Paris, Stockholm und Warschau. Die Londoner Niederlassung der SE ruht seit der Einstellung ihrer Geschäftstätigkeit im Jahr 2024. Für Deutschland selbst nennt Goldman Sachs mit Stand 2024 mehr als 400 Beschäftigte. Im Jahresabschluss beschreibt die Bank als Tätigkeiten unter anderem Market Making, Emissionsgeschäft, Beratung, Wealth Management, Kreditvergabe sowie Wertpapierfinanzierungen. Die Gesellschaft ist eine hundertprozentige Tochter der Goldman Sachs Bank USA. Den Vorstand führt Wolfgang Fink, den Aufsichtsrat Richard Gnodde.
Am deutschen Emissionsmarkt ist die Rolle des Hauses gut dokumentiert. Beim Börsengang der Porsche AG im September 2022 gehörte Goldman Sachs neben BofA Securities, Citi und J.P. Morgan zu den vier globalen Koordinatoren. Volkswagen erlöste damals rund 9,4 Mrd. Euro, es war der größte deutsche Börsengang seit der Deutschen Telekom 1996. Beim Börsengang des Prothesenherstellers Ottobock, der am 9. Oktober 2025 im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse startete, war Goldman Sachs gemeinsam mit BNP Paribas und der Deutschen Bank globaler Koordinator. Die Goldman Sachs Bank Europe SE übernahm dabei die Kursstabilisierung. Ottobock nahm bei einem Ausgabepreis von 66 Euro gut 800 Mio. Euro ein. Aktuelle Neuemissionen verzeichnet unser IPO-Kalender.
Regulierung und Rechtsstreitigkeiten
Die Geschichte des Hauses ist auch eine Geschichte von Vergleichen mit Behörden. Im Juli 2010 zahlte Goldman Sachs 550 Mio. US-Dollar, um Vorwürfe der US-Börsenaufsicht SEC zum Hypothekenprodukt Abacus beizulegen. Schwerer wog der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB, für den die Bank Anleihen platziert hatte. Im Oktober 2020 einigte sie sich mit Behörden in den USA, Malaysia, Singapur und Großbritannien auf Zahlungen von insgesamt 2,9 Mrd. US-Dollar, die malaysische Tochter bekannte sich dabei schuldig.
Marktstellung und Besonderheiten
Im Vergleich mit Universalbanken wie JPMorgan oder der Deutschen Bank hängt Goldman Sachs deutlich stärker vom Kapitalmarktgeschäft ab. In guten Jahren für Übernahmen und Emissionen steigen die Erträge entsprechend kräftig, wie 2025 das Plus von 34 Prozent im Beratungsgeschäft zeigte. In schwachen Phasen fehlt dagegen der Puffer eines großen Einlagen- und Kreditgeschäfts mit Privatkunden. Stabilere Gebühren liefert die Vermögensverwaltung, die 2025 knapp 29 Prozent der Nettoerträge beisteuerte.
Einordnung
Für deutsche Konzerne, Familienunternehmen und Finanzinvestoren ist Goldman Sachs vor allem bei großen Börsengängen, Übernahmen und Kapitalerhöhungen ein Ansprechpartner. Institutionelle Investoren nutzen das Haus als Handelspartner und Vermögensverwalter. Für Privatanleger in Deutschland tritt die Bank vor allem als Emittent und Gegenpartei im Handel auf, ein eigenes Privatkundengeschäft betreibt sie hierzulande nicht.
Häufige Fragen zu Goldman Sachs
Wo hat Goldman Sachs seinen Sitz?
Die Zentrale der Goldman Sachs Group liegt an der West Street 200 in New York. In der EU ist die Goldman Sachs Bank Europe SE mit Sitz in Frankfurt am Main der wichtigste Rechtsträger.
Seit wann gibt es Goldman Sachs?
Marcus Goldman gründete das Geschäft 1869 in New York, 1882 kam Samuel Sachs hinzu. Börsennotiert ist die Bank seit Mai 1999.
Wer beaufsichtigt die Goldman Sachs Bank Europe SE?
Die Frankfurter Gesellschaft wird als bedeutendes Institut direkt von der EZB beaufsichtigt, gemeinsam mit BaFin und Bundesbank. Die Muttergesellschaft in New York untersteht der US-Notenbank.
Wie groß ist Goldman Sachs?
2025 erzielte die Gruppe Nettoerträge von 58,3 Mrd. US-Dollar und einen Gewinn von 17,2 Mrd. US-Dollar. Ende 2025 beschäftigte sie 47.400 Mitarbeiter.
An welchen deutschen Börsengängen war Goldman Sachs beteiligt?
Unter anderem war die Bank globaler Koordinator beim Börsengang der Porsche AG im September 2022 und beim Börsengang von Ottobock im Oktober 2025.
Bietet Goldman Sachs in Deutschland Konten für Privatkunden an?
Nein, ein eigenes Privatkundengeschäft betreibt die Bank in Deutschland nicht. Privatanleger begegnen ihr vor allem als Emittent von Wertpapieren und als Handelspartner.
Quellen
- https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/886982/000088698226000008/a4q25gsearningsresults.htm
- https://www.lobbyregister.bundestag.de/media/8d/28/795704/GSBE-FY25-German-GAAP-Annual-Report-DE.pdf
- https://www.goldmansachs.com/worldwide/germany
- https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0000886982/000088698226000294/a2q26gsearningsresultspr.htm
- https://www.lto.de/recht/kanzleien-unternehmen/k/porsche-geht-an-die-boerse-clifford-chance-niederer-kraft-frey-rekord-boersengang/print.html
- https://www.gettex.de/en/news-overview/newsdetail/eqs-news-ottobock-sets-final-offer-price-at-eur-6600-per-share
- https://www.boerse-online.de/dpa-afx/iporoundup-3-ottobock-gelingt-groesster-boersengang-des-jahres-kursplus-475712.html
- https://en.wikipedia.org/wiki/Goldman_Sachs
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