Paul Singer

Paul Elliott Singer hat 1977 den Hedgefonds Elliott Management gegründet und führt ihn bis heute. Bekannt ist der Amerikaner vor allem für zwei Arten von Geschäften, die öffentlich viel Aufmerksamkeit erzeugen: aktivistische Beteiligungen, mit denen Elliott Vorstände großer Konzerne zu Kurswechseln drängt, und den jahrelangen Rechtsstreit um notleidende Forderungen gegen Staaten wie Argentinien. In Deutschland ist sein Haus seit gut zwei Jahrzehnten bei Übernahmen und Strategiedebatten präsent, zuletzt 2026 bei der Deutschen Telekom.
Werdegang
Singer wurde 1944 im US-Bundesstaat New Jersey geboren. Er studierte an der University of Rochester und schloss dort 1966 mit einem Bachelor in Psychologie ab. 1969 folgte der Abschluss als Juris Doctor an der Harvard Law School. Seine berufliche Laufbahn begann er als Jurist, 1974 arbeitete er als Anwalt in der Immobiliensparte des Wertpapierhauses Donaldson, Lufkin & Jenrette.
1977 wechselte Singer die Seite und legte mit Elliott Associates einen eigenen Fonds auf. Das Startkapital von rund 1,3 Mio. US-Dollar stammte von Freunden und Familie, der Name geht auf seinen zweiten Vornamen zurück. Zunächst setzte er auf Wandelanleihe-Arbitrage, also auf Preisunterschiede zwischen Wandelanleihen und den zugrunde liegenden Aktien. Nach dem Börsenkrach von 1987 und der Rezession zu Beginn der 1990er-Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt auf notleidende Anleihen und Forderungen. Daraus entstand das Profil, mit dem Elliott bis heute verbunden wird.
Rolle und Wirken
Aus dem einzelnen Fonds ist ein Multi-Strategie-Haus geworden, das in Aktien, Private Equity, Kredite, Anleihen, Rohstoffe und Devisen investiert. Zum 31. Dezember 2025 meldete Elliott Management der SEC regulatorisch verwaltete Vermögenswerte von rund 128,6 Mrd. US-Dollar. Laut der im März 2026 eingereichten Broschüre zum Formular ADV wird das Haus von Singer kontrolliert, die Anteile halten er und Treuhandvermögen zugunsten seiner Familie mittelbar. 2020 verlegte Elliott seinen Sitz von New York nach West Palm Beach in Florida.
Seine Nachfolge hat Singer früh vorbereitet. Im November 2015 ernannte Elliott Jonathan Pollock zum zweiten Vorstandschef neben dem Gründer, beide blieben zugleich gemeinsame Anlagechefs. Ein Sprecher verband den Schritt damals ausdrücklich mit der Nachfolgeplanung, Singer wolle aber nicht in absehbarer Zeit zurücktreten. Diese Doppelspitze besteht nach den Angaben in der ADV-Broschüre vom März 2026 unverändert. Das Londoner Geschäft verantwortet Singers Sohn Gordon Singer, der zu den Partnern des Hauses zählt.
Den größten öffentlichen Widerhall fand Singers Vorgehen gegen zahlungsunfähige Staaten. Elliott kaufte notleidende Staatsschulden mit hohem Abschlag und klagte anschließend auf volle Rückzahlung, statt sich Umschuldungen anzuschließen. 1996 erwarb der Fonds Forderungen gegen Peru für 11,4 Mio. US-Dollar und erstritt später ein Urteil über 58 Mio. US-Dollar. Mit der Republik Kongo einigte sich Elliott 2008 nach langem Streit auf einen Vergleich, dessen Höhe nicht veröffentlicht wurde. Am bekanntesten ist der Fall Argentinien. Nach der Staatspleite von 2001 lehnte die Elliott-Tochter NML Capital die Umschuldungsangebote ab und verfolgte ihre Ansprüche über Jahre vor Gerichten in den USA und anderen Ländern. 2012 ließ sie in Ghana das argentinische Segelschulschiff Libertad festsetzen. Ende Februar 2016 einigte sich die neue argentinische Regierung mit NML und drei weiteren Fonds auf Zahlungen von zusammen rund 4,65 Mrd. US-Dollar, das entsprach nach Angaben der Zeitung La Nación etwa 75 Prozent der erstrittenen Ansprüche. Kritiker bezeichnen dieses Geschäftsmodell als Geierfonds, Singer und Elliott weisen den Begriff zurück.
Im Aktienbereich ist Elliott einer der aktivsten Investoren, die Vorständen öffentlich Forderungen stellen. Typisch ist der Erwerb einer Minderheitsbeteiligung, verbunden mit Vorschlägen zu Aktienrückkäufen, Verkäufen von Unternehmensteilen, Kostensenkungen oder neuen Aufsichtsratsmitgliedern. 2018 sicherte sich Elliott die Mehrheit der Sitze im Verwaltungsrat von Telecom Italia und übernahm nach einem Kreditausfall den Fußballverein AC Mailand, den der Fonds 2022 an RedBird weiterreichte. 2020 erhielt Elliott nach einer Auseinandersetzung mit dem damaligen Vorstandschef Jack Dorsey einen Sitz im Board von Twitter. Jüngere Kampagnen richteten sich gegen den Ölkonzern BP (2025) und die London Stock Exchange Group, bei der Elliott 2026 auf höhere Aktienrückkäufe drängte.
Engagements in Deutschland
Hierzulande trat Elliott erstmals 2003 bei Wella sichtbar auf, als sich der Fonds gegen das Übernahmeangebot von Procter & Gamble stellte. Später folgten Engagements unter anderem bei Kabel Deutschland, Stada und Gea. Bei Thyssenkrupp bestätigte Elliott im Mai 2018 einen Einstieg unterhalb der Meldeschwelle von 3 Prozent. Beim Energiekonzern Uniper verkaufte der Fonds seine Aktien im Oktober 2019 zusammen mit dem Paket eines weiteren Investors an den finnischen Großaktionär Fortum. Im April 2019 erwarb Elliott knapp 1 Prozent an SAP.
Im laufenden Jahr betreffen zwei Fälle deutsche Unternehmen direkt. Im Mai 2026 wurde bekannt, dass Elliott eine größere Position am US-Laborausrüster Bio-Rad aufgebaut hat, der rund ein Drittel am Göttinger Laborzulieferer Sartorius hält. Anfang September 2026 berichteten Bloomberg und Reuters, Elliott habe Aktien der Deutschen Telekom erworben und lehne eine mögliche Fusion mit der US-Tochter T-Mobile US ab. Die Größe des Anteils war nicht bekannt.
Öffentliche Rolle und Verfahren
Singer äußert sich regelmäßig über die Quartalsbriefe an die Elliott-Anleger, deren Inhalte über die Wirtschaftspresse an die Öffentlichkeit gelangen. Im Brief zum ersten Quartal 2024 argumentierte er nach Darstellung des Branchendienstes Hedge Fund Alpha, viele Investoren kauften inzwischen eher steigende Kurse als steigende Unternehmenswerte, und der wachsende Anteil passiver Indexanlagen verstärke diese Tendenz zu Blasen. Im August 2024 berichtete die Financial Times, Elliott habe den Anlegern geschrieben, Aktien großer Technologiekonzerne wie Nvidia bewegten sich in einer Blase und der Nutzen künstlicher Intelligenz werde überschätzt. Bereits 2006 hatte Singer in einer Rede vor Risiken aus komplex strukturierten Kreditprodukten gewarnt. 2009 plädierte er in einem Gastbeitrag im Wall Street Journal dafür, dass auch Anhänger freier Märkte eine gewisse Regulierung begrüßen sollten.
Politisch versteht sich Singer als konservativer Republikaner mit libertären Zügen und gehört seit Jahren zu den großen Spendern der Partei. Innerhalb der Republikaner warb er für die gleichgeschlechtliche Ehe und gründete 2012 dafür ein politisches Aktionskomitee. Dem Kuratorium des konservativen Manhattan Institute for Policy Research stand er seit 2008 vor, nach Angaben des Instituts ist er heute dessen Ehrenvorsitzender. 2012 gründete er in Tel Aviv die gemeinnützige Organisation Start-Up Nation Central, die Investoren mit der israelischen Technologiebranche zusammenbringt.
Verfahren betrafen bislang Elliott-Gesellschaften, nicht Singer persönlich. Die Sanktionskommission der französischen Finanzaufsicht AMF verhängte 2014 gegen zwei Elliott-Gesellschaften Geldbußen von jeweils 8 Mio. Euro wegen der Nutzung nicht öffentlicher Informationen beim Handel mit Aktien des Autobahnbetreibers APRR. 2020 folgten in einem weiteren Verfahren Bußgelder von zusammen 20 Mio. Euro wegen einer unzutreffenden Pflichtmeldung über erworbene Derivate. Das Pariser Berufungsgericht senkte sie 2022 auf zusammen 18,5 Mio. Euro, der Kassationshof wies die Beschwerde der Elliott-Gesellschaften im April 2024 zurück.
Einordnung
Singer gehört zu den Investoren, die das Verhältnis zwischen Aktionären und Unternehmensführung in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben. Sein Haus zeigt, dass auch eine Minderheitsbeteiligung genügen kann, um bei Großkonzernen Strategie, Kapitalverwendung und Besetzung von Gremien zur Debatte zu stellen. Für Aktionäre betroffener Unternehmen kann ein Einstieg von Elliott Kurse bewegen und Hauptversammlungen prägen, ohne dass sich daraus ein verlässliches Muster für die Kursentwicklung ableiten ließe. Wie Investoren dieses Typs einzuordnen sind, zeigt auch unsere Übersicht der Superinvestoren.
Häufige Fragen zu Paul Singer
Wer ist Paul Singer?
Paul Elliott Singer ist ein amerikanischer Investor und ausgebildeter Jurist. Er gründete 1977 den Hedgefonds Elliott Management, den er bis heute als Co-CEO führt.
Welche Funktion hat Paul Singer bei Elliott Management?
Singer ist Gründer sowie gemeinsam mit Jonathan Pollock Vorstandschef und Anlagechef. Laut Formular ADV vom März 2026 kontrolliert er das Haus.
Wer ist als Nachfolger von Paul Singer vorgesehen?
Elliott ernannte Jonathan Pollock im November 2015 zum zweiten Vorstandschef und verband dies mit der Nachfolgeplanung. Einen Termin für einen Rückzug Singers hat das Haus nicht genannt.
Was hatte Paul Singer mit Argentinien zu tun?
Die Elliott-Tochter NML Capital lehnte nach der Staatspleite von 2001 die Umschuldungen ab und klagte über Jahre auf volle Zahlung. Im Februar 2016 einigte sich Argentinien mit NML und drei weiteren Fonds auf Zahlungen von zusammen rund 4,65 Mrd. US-Dollar.
Bei welchen deutschen Unternehmen war Elliott aktiv?
Belegt sind unter anderem Wella, Kabel Deutschland, Stada, Thyssenkrupp, Uniper und SAP. 2026 berichtete die Presse über Positionen im Umfeld von Sartorius und bei der Deutschen Telekom.
Wie äußert sich Paul Singer zu den Märkten?
Vor allem über die Quartalsbriefe an die Elliott-Anleger. 2024 warnte er darin vor Übertreibungen durch trendfolgendes Anlegen und passive Indexfonds, zudem bezeichnete Elliott große Technologiewerte wie Nvidia als überbewertet.
Quellen
- https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Singer_(businessman)
- https://files.adviserinfo.sec.gov/IAPD/Content/Common/crd_iapd_Brochure.aspx?BRCHR_VRSN_ID=1036982
- https://hedgeco.net/news/11/2015/elliott-management-names-co-ceo-as-part-of-succession-plan.html
- https://www.lanacion.com.ar/economia/el-gobierno-y-los-fondos-buitre-nml-y-aurelius-llegaron-a-un-acuerdo-nid1875392/
- https://hedgefundalpha.com/investor-letters/paul-singer-ai-driven-markets-looking-like-1999-tech-bubble/
- https://fortune.com/2024/08/02/ai-nvidia-intel-arm-stock-bubble-elliott
- https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/wer-ist-der-nachste-nach-dem-einstieg-bei-sap
- https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/hedgefonds-elliot-steigt-bei-sartorius-grossaktionaer-bio-rad-ein
- https://www.fortum.com/media/2019/10/fortum-agrees-acquire-majority-uniper-improve-stability-and-accelerate-realisation-strategy
- https://kfgo.com/2026/09/02/elliott-has-built-stake-in-deutsche-telekom-opposes-t-mobile-merger-bloomberg-news-reports/
- https://www.boersen-zeitung.de/banken-finanzen/elliott-steigt-bei-londons-boersenbetreiber-ein
- https://en.wikipedia.org/wiki/Elliott_Investment_Management
- https://manhattan.institute/board-of-trustees
- https://www.batimes.com.ar/news/world/paul-singer-is-pitching-wall-streets-own-brand-of-maga.phtml
- https://hedgeco.net/news/05/2014/french-stockmarket-regulator-fines-elliott-hedge-funds-over-aprr.html
- https://www.amf-france.org/fr/sanctions-transactions/decisions-de-la-commission-des-sanctions/san-2020-04
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