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London Stock Exchange Group im Porträt

Die London Stock Exchange Group, kurz LSEG, ist aus der Londoner Wertpapierbörse hervorgegangen, verdient ihr Geld heute aber überwiegend mit Finanzdaten, Indizes und Analysesoftware. Zur Gruppe gehören neben der Börse selbst die Clearingstelle LCH, die Handelsplattform Turquoise, der Indexanbieter FTSE Russell und eine Mehrheit am elektronischen Anleihehändler Tradeweb. Der Konzern ist im britischen Leitindex FTSE 100 enthalten.

Das Unternehmen im Überblick

Die London Stock Exchange führt ihre Gründung auf das Jahr 1801 zurück, als sich Händler in Sweeting's Alley zu einer Börse zusammenschlossen. Der Konzern selbst verweist darauf, dass bereits ab 1698 im Jonathan's Coffee-House Kurslisten veröffentlicht wurden. Die heutige Holdinggesellschaft wurde 2005 gegründet. 2007 übernahm die Börse in einem Aktientausch für 1,6 Mrd. Euro die Mailänder Borsa Italiana, deren Aktionäre dafür 28 Prozent der vergrößerten Gruppe erhielten. Seit 2004 sitzen Börse und Konzern am Paternoster Square in der City of London.

Geführt wird die Gruppe seit August 2018 von David Schwimmer, der zuvor als Investmentbanker bei Goldman Sachs tätig war. Finanzvorstand ist Michel-Alain Proch, den Verwaltungsrat leitet seit 2019 Don Robert. Die Börsentochter London Stock Exchange plc wird von Julia Hoggett geführt. Die Aktie ist an der eigenen Börse unter dem Kürzel LSEG notiert.

Geschäftsmodell und Schwerpunkte

Der Konzern berichtet in vier Bereichen. Data & Analytics umfasst das aus Refinitiv hervorgegangene Datengeschäft mit der Plattform LSEG Workspace. FTSE Russell erstellt Aktien- und Anleiheindizes und lizenziert sie an Fondsanbieter und Investoren. Unter Risk Intelligence fasst LSEG Dienste für Risiko- und Compliance-Prüfungen zusammen, der Bereich wuchs 2025 organisch am stärksten. Der Bereich Markets schließlich enthält die Börse, die Handelsplattform Turquoise, die Clearingstelle LCH, die Beteiligung an Tradeweb und die Nachhandelsdienste.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte LSEG Gesamterträge ohne durchgereichte Kosten von 9,0 Mrd. Pfund, organisch und währungsbereinigt 7,1 Prozent mehr als 2024. Das bereinigte EBITDA stieg auf 4,5 Mrd. Pfund, die Marge auf 50,3 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich um 15,7 Prozent auf 420,6 Pence, die Dividende für das Gesamtjahr auf 150 Pence. Am stärksten wuchsen Risk Intelligence mit 11,7 Prozent und Markets mit 8,9 Prozent, Data & Analytics legte um 5,0 Prozent zu. An Aktienrückkäufen gab der Konzern 2025 rund 2,1 Mrd. Pfund aus, weitere 3 Mrd. Pfund sollen bis Februar 2027 folgen.

Das erste Halbjahr 2026 brachte eine Beschleunigung. Die Erträge wuchsen organisch um 8,4 Prozent, das bereinigte EBITDA um 14,1 Prozent. Der Bereich Markets legte um 11,9 Prozent zu, nachdem er im ersten Quartal dank hoher Handelsvolumina sogar 15,5 Prozent zugelegt hatte. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 244,9 Pence, die Zwischendividende stieg um 17 Prozent auf 55 Pence. Einen Teil der Margenverbesserung führt das Unternehmen auf eine geänderte Ertragsaufteilung im Zinsswap-Clearing SwapClear zurück. Die Zahlen für das dritte Quartal will LSEG am 22. Oktober 2026 vorlegen.

Im Clearing ist LCH das Schwergewicht der Gruppe. Die Clearingstelle besteht aus der LCH Ltd in London und der LCH SA in Paris und deckt mit SwapClear Zinsswaps, mit RepoClear Staatsanleihen und Pensionsgeschäfte, mit CDSClear Kreditderivate, mit ForexClear Devisentermingeschäfte und mit EquityClear Aktien ab. LSEG hält indirekt 82,61 Prozent an LCH. Im Jahr 2025 beteiligten sich nach Unternehmensangaben elf große Banken mit zusammen 20 Prozent an der Einheit Post Trade Solutions.

Im Aktienhandel ergänzt Turquoise das Geschäft der Londoner Börse. Die Plattform wurde 2008 von neun Investmentbanken gegründet, um den etablierten Börsen mit niedrigeren Entgelten Konkurrenz zu machen. Im Dezember 2009 vereinbarte LSEG die Übernahme einer Mehrheit von 60 Prozent. Mit dem Dienst Turquoise Plato bietet die Plattform den Handel großer Blöcke an, der seit Beginn der Zusammenarbeit mit Plato bis September 2021 nach eigenen Angaben mehr als 1 Billion Euro umgesetzt hat. An Tradeweb hält LSEG laut Wikipedia 51,3 Prozent.

Geschichte und Entwicklung

Den Wandel vom Börsenbetreiber zum Datenkonzern markiert die Übernahme von Refinitiv. Im August 2019 vereinbarte LSEG den Kauf des früheren Finanzdatengeschäfts von Thomson Reuters, an dem der Finanzinvestor Blackstone seit 2018 die Mehrheit hielt. Der Kaufpreis wurde in Aktien beglichen und bewertete Refinitiv mit 27 Mrd. US-Dollar. Im August 2023 begann LSEG, den Namen Refinitiv aufzugeben, die Datenplattform heißt seither LSEG Workspace. Bereits 2014 hatte die Gruppe den amerikanischen Indexanbieter Frank Russell gekauft und mit FTSE zu FTSE Russell verschmolzen.

Vom italienischen Standbein trennte sich der Konzern wenig später wieder. Ende April 2021 ging Borsa Italiana einschließlich der Anleiheplattform MTS und der Clearingstelle CC&G an die Euronext. Die Mailänder Clearingstelle bildete später den Kern von Euronext Clearing, die in den Jahren 2023 und 2024 das Clearing für die Euronext-Märkte von der LSEG-Tochter LCH SA übernahm. Damit verlor LCH ein großes Mandat im Aktien- und Derivateclearing.

Mehrere Übernahmeversuche durch und für die Londoner Börse sind gescheitert. Eine Fusion mit der kanadischen TMX Group wurde 2011 abgesagt, ein Angebot der Hongkonger Börse über 32 Mrd. Pfund lehnte LSEG im September 2019 ab. Mit der Deutschen Börse gab es mehrere Anläufe. Ende 2004 wies die Londoner Börse ein Übernahmeinteresse aus Frankfurt als zu niedrig zurück, 2016 vereinbarten beide Häuser einen Zusammenschluss unter Gleichen. Die EU-Kommission untersagte diesen im März 2017, weil im Clearing festverzinslicher Wertpapiere ein faktisches Monopol entstanden wäre.

Regulierung und Aufsicht

Als britischer Konzern untersteht LSEG mit ihren Börsen und Handelsplattformen der britischen Finanzaufsicht. Die Zuständigkeit für die Zulassung von Wertpapieren zum Listing hat die Börse schon im Jahr 2000 an die Aufsicht abgegeben, heute liegt sie bei der FCA. Der Wachstumsmarkt AIM ist als multilaterales Handelssystem organisiert. LCH unterliegt einer Aufsicht in mehreren Ländern. Die französische LCH SA wird als Kreditinstitut und Clearingstelle von der ACPR und einem Kollegium von Behörden aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Portugal beaufsichtigt, in den USA ist LCH bei der CFTC als Clearingstelle für Derivate registriert.

Marktstellung und Besonderheiten

Von klassischen Börsen unterscheidet sich LSEG vor allem durch den Anteil der Daten am Umsatz. Drei der vier Bereiche leben überwiegend von Abonnements für Daten, Indizes und Analysewerkzeuge. Deren jährlicher Vertragswert lag Mitte 2026 um 6,1 Prozent über dem Vorjahr, die vom Unternehmen ausgewiesene Quote der gehaltenen Erträge bei 92,8 Prozent. Im vierten Quartal 2025 schlossen große Finanzinstitute langfristige Verträge über zusammen 1,9 Mrd. Pfund ab.

Strategisch setzt der Konzern auf die Verbreitung seiner Daten über Anwendungen künstlicher Intelligenz. Unter dem Namen LSEG Everywhere hat er Datenpartnerschaften mit Anbietern wie Microsoft, Anthropic, OpenAI, Databricks und Snowflake geschlossen, 2026 kamen Amazon und Google hinzu. In Microsofts Assistenzsoftware Copilot sind die Daten inzwischen tiefer eingebunden.

Am Kapitalmarkt arbeitet die Gruppe an neuen Formaten. Auf dem Private Securities Market, einem Handelsplatz für Anteile nicht börsennotierter Unternehmen, wurden Anfang 2026 die ersten Geschäfte abgewickelt. Geplant sind außerdem ein Handelsangebot rund um die Uhr unter dem Namen LSE 24 und mit HSBC ein Verwahrsystem für digitale Wertpapiere. Für deutsche Anleger ist die Londoner Börse vor allem als Heimatmarkt britischer Aktien und Ort von Notierungen internationaler Unternehmen von Belang, für deutsche Banken und Vermögensverwalter LSEG als Lieferant von Daten, Indizes und Clearing.

Einordnung

Wer LSEG nur als Börse betrachtet, unterschätzt den Konzern. Die London Stock Exchange ist heute ein Geschäftsbereich unter mehreren, das Ergebnis tragen Datenabonnements, Indexlizenzen und das Clearing über LCH. Relevant ist die Gruppe deshalb für Banken, Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter, die ihre Daten nutzen, für Emittenten, die in London notieren, und für Händler, die über Turquoise oder Tradeweb handeln. Im Vergleich der europäischen Börsenbetreiber steht LSEG damit näher an einem Informationsdienstleister als an einem reinen Handelsplatz.

Häufige Fragen zu London Stock Exchange Group

Wo hat die London Stock Exchange Group ihren Sitz?

Der Konzern sitzt wie die Börse am Paternoster Square in der City of London.

Ist die London Stock Exchange Group börsennotiert?

Ja. Die Aktie wird unter dem Kürzel LSEG an der eigenen Börse gehandelt und ist im FTSE 100 enthalten.

Wer leitet die London Stock Exchange Group?

Vorstandschef ist seit August 2018 David Schwimmer, Finanzvorstand ist Michel-Alain Proch. Den Verwaltungsrat führt Don Robert.

Womit verdient LSEG ihr Geld?

Vor allem mit Finanzdaten, Analysesoftware und Indizes von FTSE Russell, dazu mit Clearing über LCH, dem Börsenhandel und Diensten zur Kundenprüfung. Die Gesamterträge lagen 2025 bei 9,0 Mrd. Pfund.

Was sind LCH und Turquoise?

LCH ist die zu 82,61 Prozent zum Konzern gehörende Clearingstelle mit Gesellschaften in London und Paris. Turquoise ist eine 2008 von Banken gegründete Handelsplattform für europäische Aktien, deren Mehrheitsübernahme durch LSEG Ende 2009 vereinbart wurde.

Warum ist die Fusion mit der Deutschen Börse gescheitert?

Die EU-Kommission untersagte den 2016 vereinbarten Zusammenschluss im März 2017. Sie sah die Gefahr eines faktischen Monopols im Clearing festverzinslicher Wertpapiere.

Quellen

  1. https://www.lseg.com/en/investor-relations/annual-reports/2025
  2. https://www.lseg.com/en/investor-relations/financial-results/2025-preliminary-results
  3. https://www.lseg.com/en/investor-relations/financial-results/2026-h1-interim-results
  4. https://www.lseg.com/en/investor-relations/financial-results/trading-update-23-april-2026
  5. https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_17_789
  6. https://www.fow.com/insights/3702151-analysis-euronext-reflects-on-landmark-clearing-migration-from-lch
  7. https://lseg.com/en/media-centre/press-releases/2018/london-stock-exchange-group-appoints-david-schwimmer-chief-executive-officer
  8. https://www.ii.co.uk/analysis-commentary/ii-view-london-stock-exchange-bounces-share-buyback-boost-ii538274
  9. https://www.investing.com/news/earnings/lseg-shares-slip-despite-raised-guidance-and-firsthalf-earnings-beat-4822548
  10. https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/ccps_authorised_under_emir.pdf
  11. https://www.lseg.com/en/investor-relations
  12. https://en.wikipedia.org/wiki/London_Stock_Exchange_Group
  13. https://en.wikipedia.org/wiki/London_Stock_Exchange
  14. https://en.wikipedia.org/wiki/LCH_(clearing_house)
  15. https://en.wikipedia.org/wiki/Turquoise_(trading_platform)

Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Auswahl der porträtierten Häuser trifft allein die Redaktion; Einträge sind nicht käuflich, und Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Text. Keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Unternehmen. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.