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Asset Manager & Fondsgesellschaften

Oaktree Capital im Porträt

Oaktree Capital Management ist ein Vermögensverwalter aus Los Angeles, der sich auf Kredite, notleidende Unternehmensschulden und andere alternative Anlagen spezialisiert hat. Gegründet von einer Gruppe um Howard Marks und Bruce Karsh, gehört das Haus seit 2019 mehrheitlich und seit Sommer 2026 vollständig zum kanadischen Konzern Brookfield. Seine Kunden sind überwiegend institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Versicherer und Staatsfonds.

Das Unternehmen im Überblick

Oaktree entstand im April 1995, als fünf leitende Mitarbeiter des Vermögensverwalters TCW Group sich selbstständig machten: Howard Marks, Bruce Karsh, Larry Keele, Richard Masson und Sheldon Stone. Marks hatte bereits 1978 begonnen, in Hochzinsanleihen zu investieren, Karsh war 1988 zu ihm gestoßen, um gemeinsam Anlagen in notleidende Schuldtitel aufzubauen. Nach Wikipedia-Angaben übertrugen mehr als 30 TCW-Kunden innerhalb von drei Monaten nach der Gründung rund 1,5 Mrd. US-Dollar an die neue Firma.

Die Zentrale befindet sich an der South Grand Avenue in Los Angeles. Nach dem bei der SEC eingereichten Jahresbericht 2025 der Brookfield Oaktree Holdings beschäftigten die beiden operativen Gesellschaften Oaktree Capital Management und OCM Cayman zusammen rund 1.500 Mitarbeiter. Brookfield beziffert die Präsenz von Oaktree auf 18 Länder, britische Einheiten unterliegen der Aufsicht der Financial Conduct Authority.

Das verwaltete Vermögen erreichte laut Jahresbericht zum 31. Dezember 2025 rund 222,8 Mrd. US-Dollar, 10,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Gründer Marks und Karsh sind heute Co-Chairmen, Karsh ist zugleich oberster Anlageverantwortlicher. Das operative Geschäft führen die Co-Vorstandschefs Bob O'Leary und Armen Panossian.

Eigentümer und Führung

Oaktree war lange eine Partnerschaft seiner Führungskräfte. Am 12. April 2012 brachte das Haus Anteile an die New Yorker Börse NYSE, zuvor waren Anteile auf der privaten Handelsplattform GSTrUE von Goldman Sachs gehandelt worden. Im März 2019 kündigte Brookfield Asset Management an, eine Mehrheit von rund 62 Prozent für etwa 4,7 Mrd. US-Dollar zu übernehmen. Die Transaktion wurde zum 30. September 2019 vollzogen, die Stammaktien verschwanden vom Kurszettel. An der NYSE notieren seitdem nur noch Vorzugsanteile der Holding Brookfield Oaktree Holdings, die aus der früheren Oaktree Capital Group hervorgegangen ist.

Den zweiten Schritt vereinbarten die Partner im Oktober 2025. Brookfield Asset Management und die Konzernmutter Brookfield Corporation verständigten sich darauf, die verbliebenen rund 26 Prozent für insgesamt etwa 3 Mrd. US-Dollar zu übernehmen, finanziert zu etwa 1,6 Mrd. US-Dollar von Brookfield Asset Management und zu 1,4 Mrd. US-Dollar von Brookfield Corporation. Die Oaktree-Anteilseigner konnten zwischen Barmitteln und Brookfield-Aktien wählen. Vollzogen wurde die Übernahme im Jahr 2025 noch nicht. Die Parteien rechneten zunächst mit einem Vollzug im ersten Quartal 2026 vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Brookfield meldete den Abschluss schließlich am 3. August 2026. Seitdem gehört Oaktree vollständig zu Brookfield.

Mit dem Vollzug wurden O'Leary und Panossian zugleich Co-Vorstandschefs der gesamten Kreditsparte von Brookfield, die der Konzern als Plattform mit 365 Mrd. US-Dollar bezeichnet. Howard Marks bleibt Co-Chairman von Oaktree, sitzt im Board der Brookfield Corporation und leitet bei Brookfield die Investment Solutions Group. Die Mitteilung vom August 2026 spricht weiterhin von der Oaktree-Plattform, Angaben zur künftigen Marke enthält sie nicht.

Geschäftsmodell und Schwerpunkte

Oaktree verdient an Verwaltungsgebühren auf das betreute Kapital und an Erfolgsbeteiligungen, dem sogenannten Carried Interest, wenn Fonds bestimmte Renditeschwellen übertreffen. Die Anlagen gliedern sich nach dem Jahresbericht in drei Bereiche: Kredit, Eigenkapital und Immobilien. Im Kreditbereich, dem Kern des Hauses, investiert Oaktree in Hochzinsanleihen und notleidende Schuldtitel und vergibt als Private-Credit-Anbieter direkt Darlehen an Unternehmen. Hinzu kommen Fonds für Unternehmensbeteiligungen, Immobilieninvestments und Immobilienkredite sowie Aktienstrategien für Schwellenländer.

Typisch für das Haus ist der Ansatz, gezielt dort Kapital zu geben, wo andere Geldgeber sich zurückziehen. Auf der Unternehmensseite beschreibt Oaktree die eigene Linie als opportunistisch, wertorientiert und auf Risikokontrolle ausgerichtet. In der Praxis heißt das häufig, Anleihen oder Kredite von Unternehmen in Schieflage zu kaufen und über eine Restrukturierung Einfluss oder Eigentum zu erlangen.

Wie dieser Ansatz zu Eigentum führen kann, zeigte sich 2024 im Fußball. Oaktree hatte 2021 dem chinesischen Konzern Suning, damals Eigentümer des italienischen Fußballklubs Inter Mailand, ein Darlehen gewährt, um die Finanzen des Vereins während der Pandemie zu stützen. Als Suning den fälligen Betrag von 395 Mio. Euro nicht zurückzahlte, übernahm Oaktree am 22. Mai 2024 die als Sicherheit verpfändete Mehrheit an dem Klub. Nach Wikipedia hält Oaktree inzwischen 99,6 Prozent. Zu früheren Engagements zählen die amerikanische Mediengruppe Tribune, bei der Oaktree 2012 gemeinsam mit JPMorgan Chase und Angelo Gordon zum Eigentümer wurde, sowie die Fitnesskette Fitness First, an der sich Oaktree im selben Jahr mit Marathon Asset Management beteiligte. In Frankreich übernahm das Haus 2020 die Mehrheit am Fußballklub Caen.

Bezug zu Deutschland

In Deutschland ist Oaktree vor allem als Investor in Erscheinung getreten. Größtes öffentlich sichtbares Engagement war 2022 die Übernahme des Einkaufszentren-Investors Deutsche Euroshop. Gemeinsam mit der Hamburger Familienholding Cura von Alexander Otto, die bereits rund 20 Prozent hielt, sicherte sich Oaktree nach Angaben der Börsen-Zeitung bis zum Ende der Annahmefrist im Juli 2022 mehr als die Hälfte der Aktien. Das Angebot hatte ein Volumen von bis zu 1,4 Mrd. Euro. Ein eigenes, öffentlich ausgewiesenes Büro in Deutschland ließ sich in den ausgewerteten Quellen nicht belegen, das Geschäft richtet sich überwiegend an institutionelle Kunden.

Marktstellung und Besonderheiten

Sein Profil hat Oaktree über drei Jahrzehnte im Markt für notleidende Unternehmensschulden gewonnen. Mit dem Wachstum des privaten Kreditmarkts ist das Haus zusätzlich als direkter Darlehensgeber für Unternehmen aufgetreten. Durch die Eingliederung in Brookfield ist das Haus Teil eines Konzerns, der nach eigenen Angaben mehr als 1 Billion US-Dollar verwaltet und in über 30 Ländern vertreten ist. Öffentlich wahrgenommen wird das Haus zudem über die Memos von Howard Marks an die Kunden, die Oaktree auf seiner Website veröffentlicht. Das dortige Archiv reicht bis in das Jahr 1990 zurück, die Texte befassen sich mit Anlagestrategie, Marktlage und Risiko. Mit der vollständigen Übernahme durch Brookfield stellt sich die Frage, wie eigenständig das Haus künftig auftritt. Brookfield erklärte in seiner Mitteilung, Oaktree stärke die Fähigkeit des Konzerns, über Marktzyklen hinweg zu investieren.

Im Jahr 2005 musste Oaktree nach einer Anordnung der SEC eine Geldbuße zahlen und Gewinne herausgeben. Die Behörde hatte festgestellt, dass das Haus Wertpapiere in einer Sperrfrist vor der Preisfestsetzung einer öffentlichen Platzierung leer verkauft hatte, und verlangte zusätzliche interne Vorkehrungen.

Einordnung

Relevant ist Oaktree vor allem für institutionelle Investoren, die Kapital in Kredit- und Sondersituationen anlegen, sowie für Unternehmen in Finanzierungsengpässen, die auf private Geldgeber angewiesen sind. Für den deutschen Kapitalmarkt ist das Haus vor allem durch die Übernahme von Deutsche Euroshop in Erscheinung getreten. Mit dem Abschluss der Brookfield-Übernahme im August 2026 ist Oaktree kein eigenständiger Akteur mehr, sondern Teil der Kreditsparte des Brookfield-Konzerns, deren Führung zwei Oaktree-Manager übernommen haben.

Häufige Fragen zu Oaktree Capital

Wo hat Oaktree seinen Sitz?

Die Zentrale liegt in Los Angeles. Nach Angaben von Brookfield ist Oaktree in 18 Ländern präsent.

Wem gehört Oaktree?

Seit dem im August 2026 gemeldeten Abschluss der Übernahme gehört Oaktree vollständig zu Brookfield. Eine Mehrheit hatte der Konzern bereits im September 2019 übernommen.

Ist Oaktree börsennotiert?

Nein, die Stammaktien wurden mit dem Einstieg von Brookfield 2019 von der NYSE genommen. Dort notieren nur noch Vorzugsanteile der Holding Brookfield Oaktree Holdings.

Wie viel Vermögen verwaltet Oaktree?

Zum 31. Dezember 2025 waren es laut Jahresbericht rund 222,8 Mrd. US-Dollar.

Worauf ist Oaktree spezialisiert?

Kern des Geschäfts sind Kreditanlagen, insbesondere Hochzinsanleihen, notleidende Schuldtitel und Direktkredite an Unternehmen. Daneben investiert das Haus in Unternehmensbeteiligungen und Immobilien.

Was hat Oaktree mit Inter Mailand zu tun?

Oaktree übernahm im Mai 2024 die Mehrheit an dem Fußballklub, nachdem der Eigentümer Suning ein Darlehen über 395 Mio. Euro nicht zurückgezahlt hatte.

Quellen

  1. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1403528/000140352826000006/oak-20251231.htm
  2. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1403528/000119312525237852/d23281dex991.htm
  3. https://www.globenewswire.com/news-release/2026/08/03/3337342/0/en/brookfield-completes-acquisition-of-oaktree.html
  4. https://kalkinemedia.com/us/news/announcements/brookfield-finalizes-3-billion-deal-for-complete-ownership-of-oaktree-capital-group
  5. https://www.oaktreecapital.com/about
  6. https://www.oaktreecapital.com/insights/memos
  7. https://en.wikipedia.org/wiki/Oaktree_Capital_Management
  8. https://www.bnnbloomberg.ca/oaktree-says-it-has-taken-ownership-of-inter-milan-football-club-1.2075899
  9. https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/finanzinvestor-shoppt-shoppingcenter-24d54d2c-fec7-11ec-af15-e66d979da123

Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Auswahl der porträtierten Häuser trifft allein die Redaktion; Einträge sind nicht käuflich, und Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Text. Keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Unternehmen. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.