Thomas Peterffy
Thomas Peterffy hat mit Interactive Brokers einen der größten Onlinebroker der Welt aufgebaut und zuvor den Börsenhandel selbst mitverändert. Der 1944 in Budapest geborene Unternehmer begann als Optionshändler auf dem Parkett der American Stock Exchange und setzte früher als die meisten Konkurrenten auf Computer zur Bewertung und Ausführung von Geschäften. Seit 2019 ist er nicht mehr Vorstandschef, kontrolliert die börsennotierte Gruppe als Chairman und Hauptaktionär aber weiterhin. Mit Deutschland verbindet ihn eine frühe Station: Seine Handelsfirma gehörte ab 1990 zu den Teilnehmern der neuen Deutschen Terminbörse.
Werdegang
Peterffy wuchs in Ungarn auf und begann dort ein Ingenieurstudium. Nachdem sein Vater nach dem gescheiterten Volksaufstand von 1956 in die USA emigriert war, folgte er ihm 1965 nach New York. Ein Studium an der Ingenieurschule der New York University brach er ab und arbeitete zunächst als technischer Zeichner. Bei einem Ingenieurbüro, das an Straßenbauprojekten arbeitete, meldete er sich freiwillig, um einen neu angeschafften Rechner zu programmieren. Diese Erfahrung mit Software wurde zur Grundlage seiner späteren Laufbahn.
1977 kaufte Peterffy einen Sitz an der American Stock Exchange und stellte dort als selbstständiger Market Maker Kurse in Aktienoptionen. Im Jahr darauf gründete er die Firma T.P. & Co., die nach Unternehmensangaben als erste täglich computergenerierte Tabellen mit theoretischen Optionspreisen nutzte. Grundlage war ein eigenes Bewertungsmodell. 1982 entstand daraus die Handelsfirma Timber Hill. Um seinen Händlern auf dem Parkett einen Geschwindigkeitsvorteil zu verschaffen, entwickelte Peterffy 1983 tragbare Computer, mit denen sie Positionen verfolgen und Optionen schneller neu bewerten konnten als die Konkurrenz.
1987 baute Timber Hill ein System, das unmittelbar gegen das Computersystem der Nasdaq handelte. Interactive Brokers bezeichnet es als ersten automatisierten Händler der Wall Street. Den nächsten Schritt ging Peterffy in Europa: 1990 gründete er Timber Hill Deutschland und nahm den Handel an der Deutschen Terminbörse auf, der heutigen Eurex. Dort konnte das System erstmals an einer vollelektronischen Börse eingesetzt werden, die Firma kam nach eigenen Angaben auf mehr als 10 Prozent des Handelsvolumens.
Rolle und Wirken
1993 gründete Peterffy den Brokerzweig Interactive Brokers Inc., um die Ausführungs- und Abwicklungstechnik von Timber Hill auch externen Kunden zugänglich zu machen. 1995 wurden die ersten Aufträge für Kunden ausgeführt, 2001 erhielt die Gruppe den Namen Interactive Brokers Group. Am 3. Mai 2007 folgte der Börsengang an der Nasdaq, bei dem 40 Millionen Aktien zu 30,01 US-Dollar platziert wurden. Das entsprach etwa 10 Prozent der Gruppe, die Kontrolle blieb beim Gründer.
An dieser Struktur hat sich bis heute wenig geändert. Über die IBG Holdings LLC hielten Peterffy und weitere Altgesellschafter zum 30. Juni 2026 73,5 Prozent der operativen Gesellschaft, die börsennotierte Holding 26,5 Prozent. Im Jahr 2019 übergab Peterffy den Vorstandsvorsitz an Milan Galik und blieb Chairman. Ende August 2025 nahm S&P Dow Jones Indices die Aktie von Interactive Brokers in den S&P 500 auf. Zum 30. Juni 2026 führte die Gruppe 5,19 Millionen Kundenkonten.
Eine strategische Weichenstellung traf Peterffy 2017. Im Oktober jenes Jahres ging das US-Options-Market-Making von Timber Hill an Two Sigma, das übrige Market Making stellte die Gruppe ein. Damit gab er ausgerechnet das Geschäft auf, mit dem er groß geworden war. Seither tritt Interactive Brokers als reiner Agenturbroker auf, der Kundenaufträge an Börsen und andere Ausführungsplätze weiterleitet, statt gegen eigene Positionen zu handeln. Kunden erreichen über die Plattform nach Unternehmensangaben mehr als 170 Handelsplätze. In Deutschland ist das Haus auch über Vermittler präsent, die ihre Kunden über die irische Tochtergesellschaft der Gruppe betreuen lassen.
Auf die Regeln des Optionshandels nahm Peterffy auch jenseits seines Unternehmens Einfluss. 1999 trug er nach Darstellung der englischsprachigen Wikipedia dazu bei, die SEC davon zu überzeugen, dass sich die US-Optionsbörsen elektronisch verbinden lassen. Vor einem Unterausschuss des Senats sagte er zu Fragen der Bankenregulierung aus. 2023 hielt er auf Einladung des Branchenverbands SIFMA die Hauptrede zum 50. Jahrestag des börsengehandelten Optionshandels in den USA.
Öffentliche Rolle und Positionen
Bei den Kursturbulenzen um die GameStop-Aktie im Januar 2021 schränkte Interactive Brokers den Handel in mehreren spekulativen Werten ein. Peterffy begründete den Schritt im Fernsehsender CNBC damit, die Integrität des Marktes und der Abwicklungshäuser schützen zu wollen. In einem Interview mit Barron's vom Oktober 2025 berichtete er, das Haus habe sich seither für Regeländerungen eingesetzt. Im selben Gespräch sprach er sich für einen Aktienhandel rund um die Uhr aus und hielt die festen Handelszeiten der New Yorker Börse für überholt. Interactive Brokers ermöglicht bereits nahezu durchgehenden Handel an fünf Tagen pro Woche in mehr als 10.000 Aktien und Fonds. Stablecoins hält er nach eigener Aussage für Zahlungen für nützlich, Kryptowährungen insgesamt sieht er dagegen skeptisch.
Politisch trat Peterffy 2012 mit selbst finanzierten Fernsehspots in Erscheinung, in denen er vor einem schleichenden Sozialismus in den USA warnte, ohne selbst zu kandidieren. Er ist als parteiunabhängiger Wähler registriert, unterstützt aber seit Jahren republikanische Kandidaten mit Spenden. Ungarn blieb er verbunden: 2017 erhielt er den ungarischen Verdienstorden, 2021 bündelte Interactive Brokers sein Geschäft für Mitteleuropa in Budapest.
Aufsichtsrechtliche Verfahren richteten sich gegen Gesellschaften der Gruppe, nicht gegen Peterffy persönlich. Zuletzt einigte sich Interactive Brokers im Juli 2025 mit der US-Sanktionsbehörde OFAC auf eine Zahlung von 11,8 Mio. US-Dollar wegen Verstößen gegen mehrere Sanktionsprogramme, die OFAC als nicht schwerwiegend und selbst angezeigt einstufte.
Einordnung
Peterffy gehört zu den Händlern, die den Übergang vom Parkett zum elektronischen Handel nicht nur erlebt, sondern selbst vorangetrieben haben. Viele Elemente, die heute im Handel selbstverständlich sind, von der rechnergestützten Optionsbewertung bis zur automatisierten Ausführung, hat er früh in der Praxis eingesetzt. Für Privatanleger in Deutschland ist er vor allem als Gründer und Kontrollaktionär eines Brokers relevant, der den Zugang zu vielen ausländischen Börsen über ein Konto anbietet. Wie Market Maker und Broker im Handel zusammenwirken, erklärt unser Ratgeber zum Börsenhandel.
Häufige Fragen zu Thomas Peterffy
Wer ist Thomas Peterffy?
Thomas Peterffy ist ein in Ungarn geborener amerikanischer Unternehmer, Jahrgang 1944. Er gründete die Handelsfirma Timber Hill und den Onlinebroker Interactive Brokers, dessen Chairman er ist.
Welche Funktion hat Thomas Peterffy heute bei Interactive Brokers?
Seit 2019 ist er Chairman, den Vorstandsvorsitz hat Milan Galik übernommen. Über die IBG Holdings LLC kontrolliert er zusammen mit weiteren Altgesellschaftern die Mehrheit der operativen Gesellschaft.
Warum gilt Thomas Peterffy als Pionier des elektronischen Handels?
Seine Firma nutzte ab 1978 computergenerierte Optionspreise, 1983 setzte sie tragbare Computer auf dem Parkett ein. 1987 baute Timber Hill ein System, das automatisiert gegen das Computersystem der Nasdaq handelte.
Welche Verbindung hat Thomas Peterffy zu Deutschland?
1990 gründete er Timber Hill Deutschland und handelte an der Deutschen Terminbörse, der heutigen Eurex. Die Firma kam dort nach eigenen Angaben auf mehr als 10 Prozent des Volumens.
Warum hat Interactive Brokers das Market Making aufgegeben?
Interactive Brokers verkaufte das US-Options-Market-Making von Timber Hill im Oktober 2017 an Two Sigma und stellte das übrige Market Making ein. Seitdem arbeitet Interactive Brokers als reiner Agenturbroker und handelt nicht mehr gegen eigene Positionen.
Wie äußerte sich Thomas Peterffy zu GameStop?
Im Januar 2021 begründete er die Handelsbeschränkungen von Interactive Brokers im Sender CNBC mit dem Schutz der Marktintegrität und der Abwicklungshäuser. 2025 sagte er, das Haus habe sich seither für Regeländerungen eingesetzt.
Quellen
- https://www.interactivebrokers.com/en/general/about/info-and-history.php
- https://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Peterffy
- https://www.itiger.com/hans/news/2572303526
- https://www.hedgeco.net/news/01/2021/interactive-brokers-restricted-gamestop-trading-to-protect-the-market-says-chairman-peterffy.html
- https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-01-28/peterffy-says-firm-imposed-curbs-to-protect-market-integrity
- https://www.businesswire.com/news/home/20260721157186/en/
- https://press.spglobal.com/2025-08-25-Interactive-Brokers-Group-Set-to-Join-S-P-500,-Talen-Energy-to-Join-S-P-MidCap-400-and-Kinetik-Holdings-to-Join-S-P-SmallCap-600
- https://en.wikipedia.org/wiki/Interactive_Brokers
- https://ofac.treasury.gov/recent-actions/20250715
- https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0001381197/000138119726000147/ibkr-20260630.htm
- https://financefeeds.com/two-sigma-securities-completes-acquisition-interactive-brokers-us-options-market-making-business/
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