Christian Hecker
Christian Hecker hat 2015 mit zwei Mitstreitern Trade Republic gegründet und führt das Berliner Institut seither als CEO. Unter seiner Leitung wurde aus einer Broker-App eine Vollbank, die nach eigenen Angaben Ende 2025 mehr als 10 Mio. Kunden in Europa zählte. Damit gehört Hecker zu den Unternehmern, die den Wertpapierhandel von Privatanlegern in Deutschland am stärksten verändert haben. Seit Sommer 2026 steht er zudem für den Umbau der Orderausführung nach dem Ende der Rückvergütungen für Orderflow.
Werdegang
Hecker studierte nach einem Bericht der Universität Hohenheim über seinen Gastvortrag im Oktober 2021 Philosophie und Betriebswirtschaftslehre in München. Anschließend arbeitete er im Investment Banking von Merrill Lynch, nach dieser Darstellung in New York. Die Nachrichtenagentur Bloomberg bezeichnete ihn im Mai 2021 ebenfalls als früheren Merrill-Lynch-Banker und gab sein Alter damals mit 31 Jahren an. In einem Gespräch mit dem Investor Accel schilderte Hecker, dass ihm ein Mandat rund um den Börsengang von Rocket Internet im Jahr 2014 den Unterschied zwischen Bankkultur und Arbeitsweise von Start-ups vor Augen geführt habe.
Seinen späteren Mitgründer Thomas Pischke lernte er nach eigener Schilderung 2011 auf der Rückfahrt von einem Universitätsseminar in München kennen. Den Informatiker Marco Cancellieri traf er 2015 auf einem Hackathon, worauf dieser einen ersten Prototyp einer Handels-App programmierte. Im Herbst 2015 beschlossen die drei, einen provisionsfreien mobilen Broker aufzubauen. Gegründet wurde das Unternehmen in München unter dem Namen Neon Trading, anfangs im Start-up-Inkubator der comdirect. Ende 2016 verlegte es seinen Sitz nach Berlin.
Rolle und Wirken
Als größte Hürde der Anfangsjahre bezeichnete Hecker später die Zulassung durch die BaFin. Von Beginn an habe das Team eine eigene Depotbank angestrebt, statt sich auf eine Partnerbank zu stützen. Die Erlaubnis als Wertpapierhandelsbank folgte im Dezember 2018, Anfang 2019 ging die App in Deutschland an den Start. Nach Heckers Darstellung finanzierten sich die Gründer rund vier Jahre ohne Wagniskapital, erste große Bankpartnerschaft war eine Zusammenarbeit mit HSBC. Im Jahr 2023 erhielt das Institut eine Vollbanklizenz der Europäischen Zentralbank und wies nach Angaben der Berliner Zeitung für dieses Geschäftsjahr erstmals einen Jahresgewinn aus.
Inhaltlich begründet Hecker das Modell mit der Altersvorsorge. In seinem Hohenheimer Vortrag verwies er auf eine wachsende Rentenlücke durch demografischen Wandel, Inflation und negative Zinsen und beschrieb Trade Republic als Sparplanplattform, nicht als Trading-App. Als wichtigsten Konkurrenten nannte er sinngemäß das heimische Sparschwein. Wachstum stellte er damals ausdrücklich vor kurzfristige Profitabilität und schloss einen baldigen Börsengang aus. Derivate biete das Haus an, weil es Kunden nicht bevormunden wolle. Gegenüber dem Börsenportal stock3 formulierte er 2021 das Ziel, allen Menschen in Europa einen kostenlosen Zugang zum Kapitalmarkt zu verschaffen, und gab an, privat vor allem über ETF-Sparpläne anzulegen.
Das Wachstum spiegelt sich in Bewertung und Gesellschafterkreis. Bei einem Anteilsverkauf im Dezember 2025 wechselten Aktien für 1,2 Mrd. Euro den Besitzer, das Unternehmen wurde dabei mit 12,5 Mrd. Euro bewertet. Founders Fund führte die Transaktion an, neu hinzu kamen unter anderem der Staatsfonds GIC und Fidelity. Hecker ist zugleich Geschäftsführer der Trade Republic Bank GmbH, neben Thomas Pischke, Gernot Mittendorfer und Andreas Torner.
Orderflow und Handelsplätze
Über Jahre leitete Trade Republic den Großteil der Orders an die LS Exchange von Lang & Schwarz und erhielt dafür Rückvergütungen. Mit dem Auslaufen der deutschen Übergangsfrist für das europäische Verbot dieser Zahlungen Ende Juni 2026 musste Hecker das Modell umstellen. Seit dem 1. Juli 2026 vergleicht ein eigener Algorithmus die Kurse relevanter Handelsplätze und führt Orders zum besten verfügbaren Preis aus, wobei Trade Republic selbst als Gegenpartei auftritt. Lang & Schwarz verlor damit nach Darstellung der Börse Express seine exklusive Stellung. Wer einen bestimmten Platz wie Xetra oder Nasdaq wählen will, kann dies über eine gesonderte Orderart weiterhin tun.
Den Anteil der Rückvergütungen an den Erträgen bezifferte Hecker in einem Podcast der WirtschaftsWoche auf knapp 20 Prozent, nach zuvor rund 30 Prozent. Das Unternehmen selbst sprach im Juli 2026 von weniger als 30 Prozent. Hecker stellte den Umbau als Teil des Anspruchs dar, das Investieren zu demokratisieren, und beschrieb die Weiterentwicklung vom Broker hin zur Vermögensverwaltung. Bereits im Januar 2026 hatte eine Tochter von der BaFin die Erlaubnis für ein eigenes multilaterales Handelssystem erhalten.
Öffentliche Rolle
Hecker vertritt die Interessen des Hauses auch gegenüber der Politik. Im Lobbyregister des Bundestags ist er als einer von fünf Personen eingetragen, die für Trade Republic unmittelbar Interessenvertretung ausüben. Als Anliegen nennt der Eintrag die europäische Kapitalmarktunion, ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot und ein Frühstartrentendepot für junge Menschen. Im Juli 2025 äußerte er sich in einem Interview mit der Berliner Zeitung zum Standort Berlin, zur Staatsverschuldung und zur Rentenlücke.
Das Unternehmen unter seiner Führung stand mehrfach in der Kritik. Im Januar 2021 schränkte es vorübergehend den Kauf einzelner Aktien wie GameStop ein, Hinweise auf Marktmanipulation fand die BaFin nicht. Verbraucherschützer bemängelten 2024 und 2025 Verzögerungen bei Depotüberträgen. Ein Verfahren der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wegen der Werbung für verzinste Guthaben endete im Juli 2026 nach Medienberichten mit einem Vergleich, in dem sich Trade Republic zur Unterlassung der beanstandeten Aussagen verpflichtete. Verfahren gegen Hecker persönlich sind in den ausgewerteten Quellen nicht belegt.
Einordnung
Hecker hat mit Trade Republic gezeigt, dass sich der Wertpapierhandel in Deutschland über eine App und ohne klassische Orderprovision für ein breites Publikum öffnen lässt, darunter viele Erstanleger. Seine Entscheidungen wirken über das eigene Haus hinaus, weil sie Orderströme zwischen Handelsplätzen verschieben, wie der Wegfall der Exklusivität für Lang & Schwarz zeigt. Für Anleger und Börsenbetreiber ist deshalb relevant, wie der neue Ausführungsweg sich in der Praxis bewährt. Eine Darstellung des Unternehmens bietet unser Porträt von Trade Republic, den Weg des Münchner Wettbewerbers zeichnet das Porträt von Erik Podzuweit nach.
Häufige Fragen zu Christian Hecker
Wer ist Christian Hecker?
Christian Hecker ist Mitgründer und CEO von Trade Republic. Er gründete das Unternehmen 2015 gemeinsam mit Thomas Pischke und Marco Cancellieri.
Was hat Christian Hecker vor Trade Republic gemacht?
Er studierte Philosophie und Betriebswirtschaftslehre in München und arbeitete anschließend im Investment Banking von Merrill Lynch.
Wo hat Trade Republic seinen Sitz?
Das Unternehmen wurde 2015 in München gegründet und sitzt seit Ende 2016 in Berlin.
Wie steht Christian Hecker zum Ende der Orderflow-Vergütungen?
Er bezifferte deren Anteil an den Erträgen zuletzt auf knapp 20 Prozent. Seit Juli 2026 führt Trade Republic Orders über einen eigenen Algorithmus zum besten verfügbaren Preis aus und tritt dabei selbst als Gegenpartei auf.
Wie hoch wurde Trade Republic zuletzt bewertet?
Bei einem Anteilsverkauf im Dezember 2025 lag die Bewertung bei 12,5 Mrd. Euro. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert.
Ist Christian Hecker politisch aktiv?
Er ist im Lobbyregister des Bundestags als Interessenvertreter von Trade Republic eingetragen. Das Haus setzt sich dort unter anderem für ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot und die europäische Kapitalmarktunion ein.
Quellen
- https://stifkred.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/bank/PDF/Bericht_Vortrag_TradeRepublic.pdf
- https://www.larepublica.co/globoeconomia/ex-merrill-banker-s-trading-es-una-aplicacion-movil-valorada-en-us-5-000-millones-3172981
- https://stock3.com/news/im-gespraech-mit-trade-republic-mitgruender-christian-hecker-9771493
- https://accel.com/news/trade-republics-christian-hecker-on-when-to-fundraise-and-building-europes-largest-neobroker
- https://www.berliner-zeitung.de/article/2337840
- https://www.financemagnates.com/forex/brokers/trade-republic-rebuilds-trade-execution-as-eu-payment-for-order-flow-ban-takes-hold/
- https://www.boerse-express.com/news/articles/lang-schwarz-aktie-trade-republic-kappt-exklusivitaet-927290
- https://www.lobbyregister.bundestag.de/suche/R005514
- https://de.wikipedia.org/wiki/Trade_Republic
- https://assets.traderepublic.com/assets/files/251217_Secondary_PressRelease_DE_DE2.pdf
- https://www.dasinvestment.com/rechtsstreit-um-superzinsen-trade-republic-lenkt-ein/
- https://finanzwissen.de/news/trade-republic-erhaelt-lizenz-fuer-eigenen-handelsplatz/
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