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Köpfe der Finanzwelt · Marktbeweger

Steven A. Cohen

Steven A. Cohen
Foto: JetSetJeri2, CC0 (Wikimedia Commons)

Steven A. Cohen gehört seit den Neunzigerjahren zu den bekanntesten Aktienhändlern der Wall Street. Der 1956 geborene Amerikaner gründete 1992 SAC Capital Advisors und führt seit 2014 dessen Nachfolger Point72, heute einen der großen Multi-Strategie-Hedgefonds. Seine Laufbahn ist zugleich mit einem Insiderhandelsverfahren verbunden, das 2013 mit einem Schuldbekenntnis der Gesellschaft SAC endete. Gegen Cohen selbst wurde keine Anklage erhoben. Außerhalb der Finanzwelt ist er als Mehrheitseigner des Baseballklubs New York Mets bekannt.

Werdegang

Cohen studierte Volkswirtschaftslehre an der Wharton School der University of Pennsylvania. Nach dem Abschluss Ende der Siebzigerjahre begann er als Nachwuchshändler in der Optionsarbitrage des Brokerhauses Gruntal & Co. Nach Darstellung der englischsprachigen Wikipedia erzielte er schon am ersten Arbeitstag einen Gewinn von 8.000 US-Dollar. Bei Gruntal stieg er Mitte der Achtzigerjahre zum Leiter des Eigenhandels auf und führte eine eigene Händlergruppe.

1992 verließ Cohen Gruntal und gründete SAC Capital Advisors. In den folgenden zwei Jahrzehnten wuchs SAC zu einem der bekanntesten Aktien-Hedgefonds der Wall Street.

Rolle und Wirken

Point72 entstand 2014 aus den verbliebenen Teilen von SAC und arbeitete zunächst als Family Office, das ausschließlich Cohens eigenes Vermögen anlegte. 2018 durfte das Haus wieder Geld Dritter annehmen und legte seinen ersten Hedgefonds für externe Anleger mit rund 3 Mrd. US-Dollar von etwa 20 Institutionen auf. Laut der Unternehmenswebsite ist Cohen heute Chairman, Chief Executive Officer und Co-Chief-Investment-Officer. Die Anlageverantwortung teilt er mit Harry Schwefel, der zugleich President ist. Cohen kontrolliert die nicht börsennotierte Gesellschaft.

Point72 verteilt das Kapital wie andere Multi-Strategie-Häuser auf viele Teams, deren Risiken zentral begrenzt werden. Den Kern bilden fundamentale Aktienstrategien, hinzu kommen systematischer Handel über die Einheit Cubist, globale Makrostrategien und seit 2025 Private Credit. Über Point72 Ventures und Hyperscale finanziert das Haus junge Technologieunternehmen, mit Turion betreibt es einen Aktienfonds, der auf Profiteure des Ausbaus künstlicher Intelligenz setzt. Nach eigener Schätzung verwaltete Point72 zum 1. Juli 2026 rund 58,5 Mrd. US-Dollar, einschließlich des Kapitals von Cohen und Mitarbeitern in Drittfonds. Für 2025 meldete Bloomberg einen Zuwachs des Hauptfonds von 17,5 Prozent, das vierte zweistellige Jahr in Folge.

Im September 2024 zog sich Cohen vom aktiven Handel zurück. Nach einer Mitteilung von Point72, über die Fortune berichtete, verwaltet er seither kein Kundenkapital mehr selbst und konzentriert sich darauf, das Wachstum der Firma voranzutreiben und Nachwuchs auszubilden. Co-Chief-Investment-Officer blieb er. Ein Sprecher des Hauses verwies damals darauf, dass Cohen rund 40 Jahre lang als Händler tätig gewesen sei.

Im Januar 2021 geriet Cohen in die Schlagzeilen rund um die Kursrally der GameStop-Aktie. Point72 beteiligte sich mit 750 Mio. US-Dollar an einer gemeinsam mit Citadel aufgebrachten Kapitalspritze von 2,75 Mrd. US-Dollar für den Hedgefonds Melvin Capital, der mit Leerverkäufen schwere Verluste erlitten hatte. Bis zur Jahresmitte 2021 verlor Point72 auf diese Beteiligung Berichten zufolge rund 500 Mio. US-Dollar.

Verfahren und Kontroversen

Die Vorgeschichte von Point72 ist ohne die Ermittlungen gegen SAC nicht zu verstehen. Im November 2013 bekannte sich die Gesellschaft SAC in fünf Anklagepunkten des Insiderhandels schuldig, der Tatzeitraum reichte von 1999 bis mindestens 2010. Im April 2014 verhängte eine Bundesrichterin in New York gegen SAC eine Geldstrafe von 900 Mio. US-Dollar und fünf Jahre Bewährung. Nach Angaben des US-Justizministeriums leistete SAC damit einschließlich einer im parallelen zivilrechtlichen Einziehungsverfahren vereinbarten Zahlung 1,184 Mrd. US-Dollar. Hinzu kamen 616 Mio. US-Dollar aus einer Einigung mit der SEC. Zusammen ergab sich eine Summe von rund 1,8 Mrd. US-Dollar, nach damaligen Medienberichten die höchste Strafe in einem Insiderhandelsfall. Außerdem musste SAC das Geschäft mit fremdem Kapital einstellen. Nach damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft wurden acht frühere SAC-Mitarbeiter wegen Insiderhandels verurteilt, darunter ein Portfoliomanager. Nach einem Grundsatzurteil eines US-Berufungsgerichts zum Insiderrecht vom Dezember 2014 ließ die Staatsanwaltschaft im Oktober 2015 die Verfahren gegen einzelne von ihnen fallen, darunter gegen den früheren Portfoliomanager Michael Steinberg.

Gegen Cohen persönlich wurde keine Anklage erhoben. Die SEC warf ihm in einem zivilrechtlichen Verwaltungsverfahren vor, den verurteilten Portfoliomanager nicht ausreichend beaufsichtigt zu haben. Im Januar 2016 einigte sich Cohen mit der Behörde. Er durfte zwei Jahre lang kein Geld Dritter verwalten, zahlte keine Geldbuße und räumte die Vorwürfe weder ein noch bestritt er sie. Vor einer Rückkehr zu externem Kapital musste ein unabhängiger Berater die internen Kontrollen von Point72 prüfen. 2018 lief die Beschränkung aus.

Bei Point72 selbst beschäftigten Arbeitsrechtsstreitigkeiten die Firma. Mehrere frühere Mitarbeiterinnen warfen dem Haus Diskriminierung vor, die bekannteste dieser Klagen wurde im September 2020 beigelegt. Inmitten einer solchen Klage trat 2018 der damalige President Douglas Haynes zurück, Cohen übernahm die Funktion vorübergehend selbst.

Unternehmen und Beteiligungen

Abseits von Point72 investiert Cohen vor allem im Sport- und Freizeitbereich. Seit 2012 hielt er eine Minderheitsbeteiligung von 8 Prozent an den New York Mets. Am 30. Oktober 2020 stimmten die Eigentümer der Major League Baseball dem Verkauf der Mehrheit an ihn zu. Der Kaufpreis lag nach Angaben von MLB.com unter Berufung auf informierte Kreise bei mehr als 2,4 Mrd. US-Dollar, ein Rekord für einen Baseballklub. Die bisherige Eigentümerfamilie Wilpon behielt über Sterling Equities 5 Prozent.

Neben dem Stadion der Mets im New Yorker Stadtteil Queens plant Cohen mit dem Partner Hard Rock International das Projekt Metropolitan Park, ein Kasino mit Hotel, Konzerthalle und Grünflächen im Umfang von rund 8 Mrd. US-Dollar. Am 15. Dezember 2025 erteilte die New York State Gaming Commission dafür eine der drei neuen Kasinolizenzen für den Großraum New York. Jeder Lizenznehmer muss 500 Mio. US-Dollar Lizenzgebühr zahlen. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 vorgesehen, die Eröffnung für Juni 2030.

Seine Privatvermögensanlagen bündelt Cohen in der Beteiligungsgesellschaft Cohen Private Ventures, deren Kapital Dritten nicht offensteht. Philanthropisch ist er unter anderem über die Steven & Alexandra Cohen Foundation tätig. 2016 sagte er 275 Mio. US-Dollar für das Cohen Veterans Network zu, das psychologische Behandlungszentren für Veteranen aufbauen sollte.

Einordnung

Cohen steht für zwei Seiten der Hedgefondsbranche. Einerseits steht er für den Aufstieg aktiver Aktienhändler, die aus einem kleinen Startkapital ein Haus mit Milliardenvermögen und Tausenden Beschäftigten gemacht haben. Andererseits macht der Fall SAC deutlich, welche rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen Informationsvorsprünge haben können, wenn Kontrollen versagen, und wie Aufsichtsbehörden darauf reagieren. Dass Point72 nach einer mehrjährigen Sperre wieder Milliarden von Institutionen einsammeln konnte, ist auch ein Ergebnis der damals auferlegten Kontrollpflichten. Wie Anleger vor Insiderhandel geschützt werden sollen, erläutert unser Ratgeber zum Anlegerschutz. Für Privatanleger sind die Fonds von Point72 nicht zugänglich.

Häufige Fragen zu Steven A. Cohen

Wer ist Steven A. Cohen?

Steven A. Cohen ist ein amerikanischer Hedgefondsmanager. Er gründete 1992 SAC Capital Advisors und führt seit 2014 Point72 als Chairman, CEO und Co-Chief-Investment-Officer.

Was ist aus SAC Capital geworden?

SAC bekannte sich 2013 des Insiderhandels schuldig und musste insgesamt rund 1,8 Mrd. US-Dollar zahlen sowie das Geschäft mit fremdem Kapital einstellen. 2014 ging daraus Point72 hervor, zunächst als Family Office für Cohens eigenes Vermögen.

Wurde Steven A. Cohen verurteilt?

Nein. Gegen Cohen wurde keine Anklage erhoben. 2016 einigte er sich mit der SEC wegen mangelnder Aufsicht auf ein zweijähriges Verbot, Geld Dritter zu verwalten, ohne die Vorwürfe einzuräumen oder zu bestreiten.

Handelt Cohen noch selbst?

Seit September 2024 verwaltet er nach Angaben von Point72 kein Kundenkapital mehr selbst. Er bleibt Co-Chief-Investment-Officer und konzentriert sich auf Firmenentwicklung und Nachwuchsförderung.

Welche Beteiligung hält Cohen an den New York Mets?

Er übernahm im November 2020 die Mehrheit an dem Baseballklub, nachdem die Eigentümer der Liga im Oktober zugestimmt hatten. Zuvor hielt er seit 2012 eine Minderheitsbeteiligung von 8 Prozent.

Was ist Metropolitan Park?

Ein von Cohen und Hard Rock International geplanter Kasino- und Freizeitkomplex neben dem Mets-Stadion im Umfang von rund 8 Mrd. US-Dollar. Im Dezember 2025 erhielt das Projekt eine Kasinolizenz des Staates New York.

Quellen

  1. https://point72.com/leadership/
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/Steven_A._Cohen
  3. https://fortune.com/2024/09/17/steve-cohen-hedge-fund-manager-point72-steps-away-trading
  4. https://www.justice.gov/archive/usao/nys/pressreleases/April14/SACSentencingPR.php?print=1
  5. https://www.pbs.org/wgbh/frontline/article/steven-cohen-settles-insider-trading-case-with-sec
  6. https://news.bgov.com/international-trade/point72-up-17-5-in-double-digit-year-for-multistrat-hedge-funds
  7. https://www.mlb.com/news/mets-sale-to-steve-cohen-approved-by-mlb
  8. https://www.frontofficesports.com/mets-owner-steve-cohen-clears-final-hurdle-for-8b-casino-project/
  9. https://en.wikipedia.org/wiki/Point72_Asset_Management

Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Es beschreibt die öffentliche Rolle der Person; die Auswahl trifft allein die Redaktion, sie ist nicht käuflich. Keine Anlageberatung. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.