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Hedgefonds

Citadel im Porträt

Citadel ist ein Hedgefondsverwalter aus Miami, den Kenneth C. Griffin 1990 in Chicago gründete. Das Haus legt Kapital von Pensionsfonds, Staatsfonds, Stiftungen und Familienvermögen in Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Kreditprodukten an und arbeitet dabei mit vielen spezialisierten Teams. Vom Market Maker Citadel Securities, der denselben Gründer hat, ist die Gesellschaft rechtlich und organisatorisch getrennt.

Das Unternehmen im Überblick

Griffin begann 1990 mit einem Startkapital von 4,6 Mio. US-Dollar. Der erste Fonds und zunächst auch die Firma trugen den Namen Wellington, 1994 erfolgte die Umbenennung in Citadel. Von 1994 bis 2013 trat das Unternehmen als Citadel Investment Group auf, heute als Citadel LLC. Griffin ist Gründer, Vorstandschef und gemeinsam mit Pablo Salame Chief Investment Officer. Als Chief Operating Officer amtiert Gerald A. Beeson. An der Gesellschaft hält Griffin nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia rund 85 Prozent.

Im Juni 2022 kündigte Griffin in einem Schreiben an die Belegschaft an, den Hauptsitz von Chicago nach Miami zu verlegen. Für New York vereinbarte das Haus im Dezember 2022 die Generalanmietung eines geplanten Büroturms an der Park Avenue, im September 2025 kamen neue Flächen in Boston hinzu. 2024 beschäftigte Citadel rund 3.150 Menschen. Nach eigenen Angaben kommen die Mitarbeiter aus etwa 100 Ländern, mehr als 40 Prozent haben einen höheren Studienabschluss.

Das verwaltete Vermögen gibt Citadel auf seiner Website mit 76 Mrd. US-Dollar an, Stichtag ist der 1. September 2026. In die Zahl rechnet das Haus Eigenkapital der Fonds, aufgelaufene Erfolgsbeteiligungen und Teile bestimmter aufgeschobener Vergütungen ein. Anfang 2025 waren es laut einem Anleiheprospekt des Hauses, über den der Branchendienst Hedgeweek berichtete, rund 65 Mrd. US-Dollar gewesen.

Geschäftsmodell und Schwerpunkte

Citadel verdient an Verwaltungs- und Erfolgsgebühren auf das Kapital seiner Investoren. Organisiert ist das Geschäft in fünf Bereichen: Aktien, Anleihen und Makro, Rohstoffe, Kredit und Wandelanleihen sowie quantitative Strategien. Im Aktienbereich arbeiten mehrere eigenständige Einheiten wie Citadel Global Equities, Surveyor Capital und Ashler Capital. Die einzelnen Teams verwalten eigene Teilportfolios, deren Risiken zentral gesteuert werden. Nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia laufen dafür täglich rund 500 Stresstests über mehr als 50.000 Instrumente.

Das Kapital fließt vor allem in Multi-Strategie-Fonds. Größter Fonds ist Wellington, hinzu kommen unter anderem Kensington, Tactical Trading und Global Fixed Income. Einen Einblick in die Zahlen gab ein Prospekt, den Citadel im Februar 2025 für eine Anleiheemission über 1 Mrd. US-Dollar vorlegen musste. Danach erzielten Wellington, Kensington und Kensington II zwischen Januar 2021 und September 2024 Bruttogewinne von 56,8 Mrd. US-Dollar. Bei den Anlegern kamen davon rund 30 Mrd. US-Dollar an, nachdem 7,5 Mrd. US-Dollar Gebühren und 17 Mrd. US-Dollar weitergereichte Kosten abgezogen waren, die überwiegend auf Vergütungen entfielen. Die drei Fonds standen Anfang 2025 für rund 80 Prozent des Vermögens. Institutionelle Investoren hielten damals etwa 61 Prozent der Anteile an den Multi-Strategie-Fonds, Griffin und weitere Mitarbeiter 18 Prozent, Family Offices 12 Prozent und Dachfonds 9 Prozent.

Eine Besonderheit ist das physische Rohstoffgeschäft. Citadel handelt seit mehr als 20 Jahren an den Energiemärkten und hält dafür auch reale Vermögenswerte. 2024 vereinbarte das Haus den Kauf des japanischen Stromgroßhändlers Energy Grid, im März 2025 übernahm es für rund 1 Mrd. US-Dollar den amerikanischen Gasversorger Paloma Natural Gas.

Geschichte und Entwicklung

Aus dem einzelnen Fonds der Anfangsjahre wuchs schrittweise eine breit aufgestellte Gruppe: 1999 entstand der Bereich Anleihen und Makro, 2001 die Aktieneinheit Citadel Global Equities, 2007 der Fonds Tactical Trading. Bereits 1998 setzte das Haus Anlagebedingungen durch, die Rückgaben deutlich erschwerten. In der Krise um den Hedgefonds LTCM konnte Citadel deshalb zu den Käufern gehören, während andere Fonds verkaufen mussten. 2001 holte Citadel nach dem Zusammenbruch von Enron dessen Energiehändler ins Haus, 2006 übernahm es gemeinsam mit JPMorgan das Energiebuch des gescheiterten Hedgefonds Amaranth. Im selben Jahr begab Citadel als einer der ersten Hedgefonds eine öffentliche, unbesicherte Anleihe über 2 Mrd. US-Dollar.

Die Finanzkrise 2008 traf das Haus schwer. Bei einem Fremdkapitalhebel von etwa sieben zu eins erlitten die größten Fonds schwere Verluste, und Griffin setzte die Rücknahme von Anlegergeldern für zehn Monate aus, was ihm heftige Kritik eintrug. Die alten Höchststände erreichten die Hauptfonds erst im Januar 2012 wieder, von da an durfte Citadel wieder Erfolgsgebühren erheben. Seitdem hat das Haus mehrfach Gewinne an Investoren zurückgezahlt, statt sie im Fonds zu belassen. Seit 2018 summierten sich solche freiwilligen Ausschüttungen laut dem Anleiheprospekt von 2025 auf 18 Mrd. US-Dollar. Ende 2025 kündigte Citadel nach einem Bloomberg-Bericht an, erneut rund 5 Mrd. US-Dollar Gewinn auszuschütten.

Bezug zu Deutschland

In Europa ist Citadel seit 1999 mit einem Büro in London vertreten, dem größten europäischen Standort der beiden Griffin-Unternehmen mit 2022 rund 700 Beschäftigten. Hinzu kamen Dublin 2017, Zürich als erster Standort auf dem Kontinent und Paris. Die Pläne für Paris machte das Haus im Dezember 2020 öffentlich, der Schwerpunkt sollte auf Anleihen und Euro-Zinsderivaten liegen, die Eröffnung war für 2021 vorgesehen. Weitere Mitarbeiter in Europa arbeiten für Citadel Securities, beide Firmen zusammen beschäftigten 2022 nach Bloomberg-Angaben rund 750 Menschen auf dem Kontinent und in Großbritannien.

Den Schritt zu einer unmittelbaren Präsenz in Deutschland leitete Citadel im Herbst 2025 ein. Im Oktober 2025 unterzeichnete der Rohstoffbereich einen Vertrag zur vollständigen Übernahme des Hamburger Stromhändlers FlexPower, der Abschluss war für das vierte Quartal 2025 vorgesehen. Das 2022 gegründete Unternehmen vermarktet nach eigenen Angaben ein Portfolio von mehr als 1.700 Megawatt in sechs europäischen Ländern, darunter Strom aus erneuerbaren Anlagen und Kapazitäten von Batteriespeichern. Nach dem Abschluss sollte FlexPower unter eigener Marke als Unternehmen der Citadel-Gruppe weitergeführt werden. Mit dem Kauf will Citadel seine Stellung im europäischen und deutschen Stromhandel ausbauen. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Marktstellung und Besonderheiten

Gemessen an den Nettogewinnen für Anleger seit Gründung führt Citadel die Rangliste von LCH Investments an, nach deren Berechnung kamen bis Ende 2025 insgesamt 90,4 Mrd. US-Dollar zusammen. Der Wellington-Fonds legte 2025 laut Bloomberg um 10,2 Prozent zu und lag damit erstmals seit 2020 hinter dem Hauptfonds von Millennium. Seit seiner Auflage 1990 erzielte Wellington laut dem Prospekt von 2025 bis Ende 2024 eine durchschnittliche Jahresrendite von 19,5 Prozent.

Kritik entzündet sich vor allem an zwei Punkten. Das Modell weitergereichter Kosten, bei dem Anleger neben den Gebühren auch Gehälter und andere Ausgaben tragen, hat der Anleiheprospekt von 2025 in seinem Umfang sichtbar gemacht. Im Januar 2021 beteiligte sich Citadel zudem gemeinsam mit Point72 an einer Kapitalspritze von 2,75 Mrd. US-Dollar für den Hedgefonds Melvin Capital, der durch die Kursexplosion der GameStop-Aktie schwer getroffen war. Im Februar 2021 sagte Griffin dazu neben den Chefs von Robinhood und Melvin vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses aus, der sich mit der GameStop-Episode befasste. Citadel wies nach Angaben der Nachrichtenagentur AP den Vorwurf zurück, Broker zur Einschränkung des Handels gedrängt zu haben. Bekannt gewordene Sanktionen amerikanischer Aufsichtsbehörden betrafen in den vergangenen Jahren vor allem den Market Maker.

Einordnung

Privatanleger können nicht in Citadel-Fonds investieren, das Haus arbeitet für große Institutionen und vermögende professionelle Anleger. Bedeutung hat es dennoch über diesen Kreis hinaus. Als einer der größten Hedgefonds bewegt Citadel erhebliche Volumina an Aktien-, Anleihe- und Rohstoffmärkten. Für den deutschen Markt ist das Haus mit der vereinbarten FlexPower-Übernahme auch im Handel mit erneuerbarem Strom ein direkter Akteur. Wer Citadel beobachtet, sollte die beiden Unternehmen des Gründers auseinanderhalten: Der Hedgefonds verwaltet Anlegergeld, der Market Maker stellt Kurse.

Häufige Fragen zu Citadel

Wo hat Citadel seinen Sitz?

Der Hauptsitz liegt seit 2022 in Miami, gegründet wurde das Haus 1990 in Chicago. In Europa unterhält Citadel Büros unter anderem in London, Dublin, Zürich und Paris.

Was ist der Unterschied zwischen Citadel und Citadel Securities?

Citadel ist ein Hedgefondsverwalter und legt Kapital von Investoren an. Citadel Securities ist ein eigenständiger Market Maker, beide gehen auf Kenneth C. Griffin zurück.

Wem gehört Citadel?

Gründer Kenneth C. Griffin hält nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia rund 85 Prozent. Er ist zugleich Vorstandschef und Co-Chief-Investment-Officer.

Wie viel Vermögen verwaltet Citadel?

Nach eigenen Angaben waren es zum 1. September 2026 rund 76 Mrd. US-Dollar. Eingerechnet sind Fondskapital, aufgelaufene Erfolgsbeteiligungen und Teile aufgeschobener Vergütungen.

Ist Citadel in Deutschland tätig?

Ja. Im Oktober 2025 vereinbarte Citadel die vollständige Übernahme des Hamburger Stromhändlers FlexPower, der unter eigener Marke als Teil der Gruppe weitergeführt werden soll.

Können Privatanleger in Citadel investieren?

Nein. Die Fonds stehen institutionellen und anderen professionellen Investoren offen, eine Börsennotierung besteht nicht.

Quellen

  1. https://www.citadel.com/
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/Citadel_LLC
  3. https://www.businesswire.com/news/home/20251006772807/en/Citadel-to-Acquire-Leading-German-Power-Trader-FlexPower
  4. https://www.boersen-zeitung.de/banken-finanzen/citadel-kommt-nach-paris
  5. https://www.hedgeweek.com/hiring-spree-sees-citadel-double-european-headcount/
  6. https://www.hedgeweek.com/citadel-prospectus-reveals-57bn-in-gains-from-largest-funds/
  7. https://www.fortune.com/2026/01/02/top-hedge-fund-performers-2025-bridgewater-de-shaw-citadel-millennium
  8. https://www.citadel.com/who-we-are/leadership/
  9. https://www.news4jax.com/news/politics/2021/02/17/lawmakers-to-face-off-with-gamestop-sagas-key-players/

Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Auswahl der porträtierten Häuser trifft allein die Redaktion; Einträge sind nicht käuflich, und Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Text. Keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Unternehmen. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.