Eurex im Porträt
Eurex ist die Terminbörse der Gruppe Deutsche Börse und zugleich deren Clearinghaus. Hier werden die Futures auf Bundesanleihen gehandelt, die für Zinsabsicherungen in Europa maßgeblich sind, außerdem Futures und Optionen auf den Euro Stoxx 50 und den DAX. Mit Eurex Clearing betreibt die Sparte eine zentrale Gegenpartei, über die neben börsengehandelten Kontrakten auch außerbörsliche Zinsswaps, Wertpapierpensionsgeschäfte und der Aktienhandel in Frankfurt abgewickelt werden.
Das Unternehmen im Überblick
Unter der Marke Eurex arbeiten drei Gesellschaften. Die Eurex Frankfurt AG betreibt das Börsengeschäft, die Eurex Clearing AG übernimmt als zentrale Gegenpartei das Ausfallrisiko zwischen Käufern und Verkäufern, und die Eurex Repo GmbH stellt elektronische Märkte für besicherte Geldmarktgeschäfte bereit. Laut Wikipedia gehören zur Eurex Frankfurt AG außerdem die U.S. Exchange Holdings, Inc. Seit Januar 2012 ist die Deutsche Börse alleinige Eigentümerin, nachdem sie die restlichen Anteile an der Eurex Zürich AG von der Schweizer SIX Group übernommen hatte. Ihren Sitz hat Eurex wie die Konzernmutter in Eschborn bei Frankfurt.
An der Spitze steht ein Wechsel bevor. Am 15. September 2026 teilte Eurex mit, dass Eric Leupold zum 1. Januar 2027 die Nachfolge von Robbert Booij als Vorstandsvorsitzender antritt. Booij hatte auf eine Verlängerung seines Mandats verzichtet. Leupold arbeitet seit 2009 für die Gruppe und leitet derzeit den Kassamarkt, zudem ist er Stabschef des Konzernbereichs Trading & Clearing. Diesen Bereich verantwortet im Konzernvorstand Thomas Book. Nach Darstellung des Unternehmens hat Booij Börse und Clearinghaus zu einer gemeinsamen Organisation zusammengeführt.
Eigene Abschlüsse für Eurex weist die Deutsche Börse in ihren Zahlenwerken nicht gesondert aus. Den Kern des Geschäfts bildet die Produktgruppe Finanzderivate im Segment Trading & Clearing. Sie erzielte 2025 Nettoerlöse von 1,193 Mrd. Euro nach 1,157 Mrd. Euro im Vorjahr. Davon stammten 509 Mio. Euro aus Zinsderivaten, 447 Mio. Euro aus Aktien- und Indexderivaten und 237 Mio. Euro aus sonstigen Erlösen.
Geschichte und Entwicklung
Den Grundstein legte ein Wettbewerb um einen einzigen Kontrakt. Anfang der 1990er Jahre wurde der Future auf die zehnjährige Bundesanleihe überwiegend an der Londoner LIFFE gehandelt, wo noch Händler im Präsenzhandel Kurse ausriefen. Die Frankfurter Deutsche Terminbörse (DTB) setzte dagegen auf vollelektronischen Handel und stellte ihre Bildschirme bis 1997 in ganz Europa und in den USA auf. Im Laufe des Jahres 1998 wanderte die Liquidität im Bund-Future nach Frankfurt. Der Vorgang ist als Battle of the Bund in die Börsengeschichte eingegangen.
Parallel dazu verhandelten die Deutsche Börse und die Schweizer Börse über eine gemeinsame Plattform. Die Absicht verkündeten beide im September 1997 auf dem Bürgenstock, im Juni 1998 verschmolzen DTB und die Schweizer Terminbörse SOFFEX zu Eurex. Die Deutsche Börse spricht von der ersten grenzüberschreitenden Terminbörse der Welt. Die Clearinggesellschaft wurde nach Konzernangaben bereits im April 1998 gegründet, Eurex Repo im April 2001.
Das Volumen wuchs danach rasch. Laut Wikipedia wurden 1998 rund 248 Millionen Kontrakte gehandelt, 2003 erstmals mehr als eine Milliarde und 2008 rund 2,17 Milliarden. Ausflüge nach Amerika verliefen wechselhaft. Die 2004 in Chicago gestartete Eurex US ging zwei Jahre später mehrheitlich an die Man Group. Die 2007 erworbene International Securities Exchange, Betreiberin von drei US-Börsen für Aktienoptionen, verkaufte die Deutsche Börse im Juni 2016 an Nasdaq. Technisch stellte Eurex im Juni 2013 auf das Handelssystem T7 um, das die Gruppe später auch für Xetra einsetzte. In der Rangliste des Branchenverbands FIA lag Eurex 2015 gemessen an der Zahl der gehandelten Kontrakte weltweit auf Platz drei.
Geschäftsmodell und Schwerpunkte
Eurex verdient an Transaktions- und Clearingentgelten. Jeder gehandelte und abgewickelte Kontrakt löst Gebühren aus, deshalb hängen die Erlöse stark von der Marktaktivität ab. Zinsderivate stellen den größten Block. Dazu gehören die Futures auf Bundesanleihen verschiedener Laufzeiten, bekannt als Schatz, Bobl, Bund und Buxl, sowie Kontrakte auf kurzfristige Euro-Zinsen. Im Segment der Aktienindexderivate sind Futures und Optionen auf Euro Stoxx 50, DAX, MDAX und SMI zentrale Produkte. Hinzu kommen Optionen und Futures auf Einzelaktien, Volatilitäts-, Dividenden- und Devisenderivate. Seit März 2023 bietet Eurex nach Konzernangaben als erste europäische Börse Futures auf einen Bitcoin-Index an.
Das Jahr 2026 verläuft bislang deutlich lebhafter als das Vorjahr. Im ersten Halbjahr stiegen die Nettoerlöse aus Finanzderivaten um 16 Prozent auf 733 Mio. Euro, getrieben von Zinsderivaten mit einem Plus von 29 Prozent. Die Deutsche Börse führt das auf die Unsicherheit über die Geldpolitik der Notenbanken zurück, außerdem auf Anpassungen bei Preisen und Produkten. Im September 2026 wurden an Eurex nach eigenen Angaben 273,0 Millionen Kontrakte gehandelt, 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auf Zinsderivate entfielen davon 168,2 Millionen, auf Indexderivate 72,0 Millionen und auf Aktienderivate 32,8 Millionen.
Geografisch weitet Eurex das Angebot weiter aus. Am 6. Oktober 2026 kündigte die Börse Futures und Dividendenfutures auf japanische Einzelaktien an. Der Handel soll am 2. November 2026 mit zehn Werten aus dem Nikkei 225 beginnen und täglich 21 Stunden laufen, 2027 sollen weitere Titel folgen.
Eurex Clearing und Regulierung
Als zentrale Gegenpartei tritt Eurex Clearing zwischen die Parteien eines Geschäfts und verlangt dafür Sicherheiten, deren Höhe seit 2013 das Risikomodell Prisma berechnet. Das Clearinghaus wickelt nicht nur die eigenen Terminmärkte ab, sondern auch Eurex Repo sowie Xetra und die Börse Frankfurt. Die Zulassung als zentrale Gegenpartei nach der europäischen Marktinfrastrukturverordnung EMIR erteilte die BaFin am 10. April 2014, Erweiterungen folgten 2015 und 2017. So weist es die Liste der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA aus, Stand Juli 2026. Seit 2020 besitzt Eurex Clearing zudem eine Lizenz der japanischen Finanzaufsicht.
Für das Wachstum der vergangenen Jahre steht vor allem das Clearing außerbörslicher Zinsswaps. Damit begann Eurex im November 2012, später lockte ein Partnerprogramm Banken mit Anreizen in den Markt. Lange wurde dieses Geschäft überwiegend außerhalb der Europäischen Union abgewickelt. Mit der Neufassung EMIR 3.0 gilt seit dem 24. Juni 2025 eine Pflicht für bestimmte Finanzunternehmen, ein aktives Konto bei einer Clearingstelle in der EU zu unterhalten und dort einen repräsentativen Teil ihrer Geschäfte in Euro-Zinsderivaten abzuwickeln. Eurex ist davon begünstigt. Das ausstehende Nominalvolumen im OTC-Clearing erreichte im September 2026 nach Unternehmensangaben 60,1 Billionen Euro, 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Den eigenen Anteil am Euro-Markt, gemessen am ausstehenden Nominalvolumen, bezifferte Eurex zuletzt auf 23 Prozent. Im Mai 2025 wählte der Europäische Stabilitätsmechanismus Eurex Clearing für das freiwillige Clearing seiner Zinsswaps aus.
Marktstellung und Besonderheiten
Im Konzern der Deutschen Börse ist Eurex der größte Erlösbringer im Handelsgeschäft, deutlich vor dem Aktienkassamarkt. Die Stärke liegt in Euro-Zinsprodukten, für die es in Europa kaum einen vergleichbaren börslichen Markt gibt. Bei Aktienindexderivaten ist die Lage wechselhafter. Im zweiten Quartal 2026 ging der Handel dort leicht zurück, weil ruhigere Märkte den Absicherungsbedarf verringerten. Die Wurzeln in der Schweiz sind noch erkennbar, etwa in den Derivaten auf den SMI, auch wenn die Beteiligung der heutigen Betreiberin der SIX Swiss Exchange seit 2012 beendet ist.
Strukturell auffällig ist die Doppelrolle als Börse und Clearinghaus. Weil Eurex Clearing auch Kassageschäfte und Repos verrechnet, kann sie Sicherheiten über mehrere Märkte hinweg gegeneinander anrechnen. Eurex nennt als Beispiel eine Ersparnis von 70 Prozent bei den Sicherheiten, wenn eine zehnjährige Bundesanleihe gegen einen zehnjährigen Swap verrechnet wird, und nutzt solche Rechnungen im Wettbewerb um das Euro-Clearing. Wie bei jeder zentralen Gegenpartei hängt die Stabilität des Systems an Sicherheitenmodell, Ausfallfonds und Aufsicht. Konkrete Aufsichtsverfahren gegen Eurex aus den Jahren 2024 bis 2026 sind in den ausgewerteten Quellen nicht dokumentiert. In Erinnerung geblieben ist eine technische Störung im Februar 2016, als der Handel in den wichtigsten Index- und Zinsfutures rund 100 Minuten ruhte.
Einordnung
Für Banken, Versicherer, Fonds und Handelshäuser ist Eurex eine Pflichtadresse, sobald sie Zinsrisiken in Euro absichern oder europäische Aktienindizes handeln. Privatanleger haben in der Regel nur mittelbar mit der Terminbörse zu tun, etwa über Broker mit Zugang zu Futures und Optionen oder über Produkte, deren Emittenten sich dort absichern. Für die Aufsicht und die europäische Politik steht Eurex im Zentrum der Frage, wie viel Clearing in Euro innerhalb der Union stattfindet. Grundlagen zu Handelsplätzen und Abläufen erläutert unser Ratgeber zum Börsenhandel.
Häufige Fragen zu Eurex
Wem gehört Eurex?
Eurex gehört seit Januar 2012 vollständig der Deutschen Börse. Zuvor teilten sich die Deutsche Börse und die Schweizer Börse die Eurex Zürich AG als Muttergesellschaft.
Wo hat Eurex seinen Sitz?
Eurex sitzt wie die Konzernmutter in Eschborn bei Frankfurt am Main.
Was wird an Eurex gehandelt?
Gehandelt werden vor allem Zinsderivate wie der Bund-Future sowie Futures und Optionen auf Aktienindizes wie Euro Stoxx 50 und DAX. Hinzu kommen Derivate auf Einzelaktien, Volatilität, Dividenden, Devisen und Kryptowerte.
Was macht Eurex Clearing?
Eurex Clearing tritt als zentrale Gegenpartei zwischen Käufer und Verkäufer und übernimmt das Ausfallrisiko. Abgewickelt werden Eurex-Kontrakte, außerbörsliche Zinsswaps, Repos sowie der Aktienhandel an Xetra und der Börse Frankfurt.
Wer beaufsichtigt Eurex Clearing?
Eurex Clearing ist seit dem 10. April 2014 von der BaFin als zentrale Gegenpartei nach der europäischen EMIR-Verordnung zugelassen.
Wer leitet Eurex?
Vorstandsvorsitzender ist bis Ende 2026 Robbert Booij. Zum 1. Januar 2027 übernimmt Eric Leupold, der bisher den Kassamarkt der Deutschen Börse leitet.
Quellen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Eurex
- https://en.wikipedia.org/wiki/Eurex_Exchange
- https://www.marketsmedia.com/eric-leupold-succeeds-robbert-booij-as-eurex-ceo/
- https://www.marketsmedia.com/european-stability-mechanism-chooses-eurex-clearing-for-irs/
- https://financefeeds.com/eurex-clearing-secures-japanese-license-foreign-financial-instruments-clearing-organization/
- https://deutsche-boerse.com/dbg-en/about-us/deutsche-boerse-group/company-history
- https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/ccps_authorised_under_emir.pdf
- https://www.deutsche-boerse.com/resource/blob/4887520/19b29bfc9e58144a971cfe801ce1c8c6/data/company-release-q4-2025-de.pdf
- https://www.deutsche-boerse.com/resource/blob/5302534/84b7b60e7975dfedd6e9f73fd048a0fb/data/gdb-quartalsmitteilung-q2-2026_de.pdf
- https://www.eurex.com/ec-en/find/news/Eric-Leupold-succeeds-Robbert-Booij-as-CEO-of-Eurex-5564272
- https://www.eurex.com/ec-en/find/news/September-2026-figures-at-Eurex-5615284
- https://www.eurex.com/ec-en/find/news/emir-3-0-aar-a-new-era-for-derivatives-in-poland-5352032
- https://www.eurex.com/ec-en/find/news/Eurex-expands-into-Japanese-Equity-Derivatives-5613066
- https://www.eurex.com/ex-en/find/about-us
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