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Hedgefonds

Man Group im Porträt

Die Man Group ist ein in London ansässiger Vermögensverwalter, der Hedgefonds, quantitative Aktienstrategien, Kreditprodukte und klassische Long-only-Mandate unter einem Dach betreibt. Anders als die meisten Häuser dieser Branche ist sie an der Londoner Börse notiert und legt deshalb regelmäßig Zahlen vor. Ihre Geschichte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, das heutige Profil als reiner Investmentmanager hat sie aber erst seit 2007.

Das Unternehmen im Überblick

Am Anfang stand 1783 eine Küferei mit angeschlossenem Zuckerhandel, die James Man in der Harp Lane im Londoner Viertel Billingsgate eröffnete. Ein Jahr später erhielt das Geschäft den Auftrag, die Royal Navy mit Rum für die tägliche Ration der Matrosen zu beliefern, und behielt ihn bis zur Abschaffung dieser Tradition im Jahr 1970. Über das 19. und 20. Jahrhundert handelte das Haus mit Rohstoffen wie Kaffee und Kakao. Seit 1869 trug es den Namen ED&F Man, benannt nach zwei Enkeln des Gründers.

Die Muttergesellschaft ist heute die Man Group plc. Sie unterliegt nach den Angaben im Halbjahresbericht 2026 dem Gesellschaftsrecht von Jersey, die Zentrale liegt im Riverbank House in der City of London. Die Aktie wird unter dem Kürzel EMG an der London Stock Exchange gehandelt und gehört dem Mittelwerteindex FTSE 250 an. Nach eigenen Angaben beschäftigt die Gruppe mehr als 1.700 Menschen aus über 70 Ländern, darunter über 600 Technologiespezialisten und quantitative Analysten, verteilt auf 25 Standorte in mehr als 14 Ländern.

Seit 2023 führt Robyn Grew als Vorstandschefin das Unternehmen. Sie folgte auf Luke Ellis, der den Posten seit September 2016 innehatte. Den Verwaltungsrat leitet Anne Wade, die zum 1. Oktober 2023 auf John Cryan folgte. Antoine Forterre verantwortet als Finanzvorstand zugleich das operative Geschäft.

Geschäftsmodell und Schwerpunkte

Die Gruppe verdient ihr Geld mit Verwaltungsgebühren auf das betreute Kapital und mit erfolgsabhängigen Gebühren, die anfallen, wenn Fonds bestimmte Renditeschwellen übertreffen. Zum 30. Juni 2026 verwaltete Man ein Rekordvermögen von 253,6 Mrd. US-Dollar, nach 227,6 Mrd. US-Dollar Ende 2025. Davon entfielen 110,5 Mrd. US-Dollar auf alternative Anlagen, die sich in liquide Strategien mit 92,9 Mrd. US-Dollar und private Märkte mit 17,6 Mrd. US-Dollar gliedern. Long-only-Mandate machten 143,1 Mrd. US-Dollar aus, davon 104,2 Mrd. US-Dollar in Aktien und 38,9 Mrd. US-Dollar in Anleihen und Krediten. Die auf das Jahr hochgerechneten Nettoverwaltungsgebühren lagen zur Jahresmitte bei 1,303 Mrd. US-Dollar.

Organisatorisch unterscheidet das Haus systematische und diskretionäre Einheiten. Zur ersten Gruppe zählen Man AHL, das seine Anlageentscheidungen aus computergestützten Modellen ableitet, sowie Man Numeric, das quantitative Aktienportfolios steuert. Die diskretionären Einheiten setzen auf fundamentale Analyse in Aktien, Krediten, Multi-Asset-Strategien und privaten Märkten. Ihr Kern geht auf GLG Partners zurück, das Man 2010 für 1,6 Mrd. US-Dollar übernahm. Man FRM betreibt eine Plattform für verwaltete Konten, Man Varagon ist auf Direktkredite an mittelgroße Unternehmen spezialisiert. Unter dem Namen Solutions bündelt die Gruppe maßgeschneiderte Lösungen für große institutionelle Kunden, für Finanzberater bietet sie zudem aktiv verwaltete ETFs an. Auf ihrer Website nennt sie mehr als 160 alternative und Long-only-Strategien.

Den Großteil der Kundschaft stellen institutionelle Anleger. Nach eigenen Angaben stammten 2025 rund 72 Prozent des verwalteten Vermögens von institutionellen Investoren. Seit 2007 finanziert Man gemeinsam mit der Universität Oxford das Oxford-Man Institute, das zu quantitativer Finanzmarktforschung, maschinellem Lernen und Datenanalyse arbeitet. Im ersten Halbjahr 2026 kündigte die Gruppe an, Arbeitsabläufe stärker mit KI-Agenten zu automatisieren.

Geschichte und Entwicklung

Den Grundstein für das heutige Hedgefondsgeschäft legte die schrittweise Übernahme von AHL zwischen 1989 und 1994. Zu den drei Gründern des Unternehmens gehörte David Harding. Nach dem Börsengang von ED&F Man in London 1994 trennte sich das Haus im Jahr 2000 von seinem Rohstoffgeschäft, das im Zuge eines Management-Buy-outs unter dem alten Namen ED&F Man weitergeführt wurde. 2007 folgte der zweite große Schnitt: Die Brokerage-Sparte wurde als MF Global abgespalten und an die New Yorker Börse gebracht. Seitdem ist Man ausschließlich Investmentmanager.

Gewachsen ist die Gruppe danach vor allem durch Zukäufe. Auf GLG folgten 2012 FRM, 2014 der Quant-Spezialist Numeric, 2017 der Aufbau von Man Global Private Markets und die Übernahme von Aalto Invest. 2020 erhielt Man AHL eine Lizenz als qualifizierter ausländischer institutioneller Investor in China. 2023 kamen der Direktkreditanbieter Varagon und eine Mehrheit von 51 Prozent an der Genfer Gesellschaft Asteria hinzu, 2025 der Kreditmanager Bardin Hill. Die Beteiligung an Hub Technology Partners gab Man am 1. Mai 2026 ab. Einer breiteren Öffentlichkeit war der Name lange über den Literaturpreis bekannt, den Man von 2002 bis 2019 als Man Booker Prize sponserte.

Belastungen gab es ebenfalls. Die frühere Sparte RMF hatte rund 0,5 Prozent des damals verwalteten Vermögens in Drittfonds angelegt, die ihrerseits bei Bernard Madoff investiert waren. Von diesen Mitteln waren bis 2014 nach Angaben, die Wikipedia wiedergibt, 59 Prozent zurückgeflossen.

Marktstellung und Besonderheiten

Als börsennotierter Hedgefondsanbieter ist Man in einer Branche, die von Partnerschaften und privat gehaltenen Gesellschaften geprägt ist, eine Ausnahme. Das bringt Transparenz, die bei Wettbewerbern fehlt. Das erste Halbjahr 2026 schloss die Gruppe mit einem bereinigten Vorsteuergewinn von 297 Mio. US-Dollar ab, nach 146 Mio. US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Die bereinigten Nettoerlöse erreichten laut City AM 853 Mio. US-Dollar, die erfolgsabhängigen Gebühren stiegen auf 207 Mio. US-Dollar nach 67 Mio. US-Dollar. Netto flossen 7,1 Mrd. US-Dollar neue Gelder zu, die Wertentwicklung der Fonds trug 19,8 Mrd. US-Dollar zum Vermögenszuwachs bei. Der Verwaltungsrat schlug eine Zwischendividende von 5,7 US-Cent je Aktie vor, außerdem läuft ein im Mai begonnenes Rückkaufprogramm über 50 Mio. US-Dollar, von dem bis zum 24. Juli 29 Mio. US-Dollar umgesetzt waren. Am Tag der Veröffentlichung, dem 28. Juli 2026, stieg die Aktie laut City AM im frühen Handel um rund 6 Prozent auf 318 Pence und lag damit gut 36 Prozent über dem Stand zu Jahresbeginn.

Zur Wertentwicklung einzelner Fonds nennt der Halbjahresbericht für die ersten sechs Monate 2026 nach Kosten ein Plus von 7,1 Prozent für AHL Alpha, 7,9 Prozent für die Multi-Strategy-Plattform Man 1783 und 28,0 Prozent für Numeric Emerging Markets Core. AHL Evolution verlor dagegen 3,7 Prozent und war nach Aussage der Vorstandschefin der größte Belastungsfaktor im Vergleich mit Wettbewerbern. Solche Halbjahreswerte sagen über künftige Ergebnisse nichts aus. Die Aufwendungen für Rechtsansprüche gingen nach dem Bericht von 17 Mio. US-Dollar auf 4 Mio. US-Dollar zurück. Die gestiegenen Fixkosten glich die Gruppe nach eigenen Angaben teilweise durch einen Stellenabbau aus.

In Deutschland hat Man nach den eingesehenen Unterlagen keine eigene Niederlassung. Sichtbar ist das Haus hierzulande vor allem bei institutionellen Anlegern und über Fonds, die in Luxemburg aufgelegt sind und Anteilsklassen in Euro anbieten, etwa die 2023 gestartete Strategie AHL Alpha Core Alternative. Als börsennotiertes Unternehmen unterliegt die Muttergesellschaft den Offenlegungsregeln der britischen Finanzaufsicht FCA, die Anlagedienstleistungen erbringt die Gruppe nach eigenen Angaben über regulierte Tochtergesellschaften in mehreren Ländern.

Einordnung

Für Beobachter der Hedgefondsbranche ist Man Group vor allem deshalb aufschlussreich, weil sich an den veröffentlichten Zahlen ablesen lässt, wie Gebühren, Mittelzuflüsse und Wertentwicklung in einem großen Alternative-Haus zusammenwirken. Die eigentlichen Hedgefonds richten sich an institutionelle und professionelle Anleger und sind für Privatanleger in der Regel nicht zugänglich. Bei einzelnen Fondsanteilen, die in Europa nach Investmentrecht aufgelegt sind, entscheidet der jeweilige Verkaufsprospekt über den zugelassenen Anlegerkreis. Wer sich mit systematischen Strategien befasst, findet in Man AHL und Man Numeric zwei Einheiten mit langer Erfahrung; als datengetriebener Wettbewerber aus den USA lässt sich Two Sigma vergleichen. Die Aktie selbst ist ein börsengehandelter Wert wie andere auch und keine Beteiligung an den Fonds.

Häufige Fragen zu Man Group

Wo hat die Man Group ihren Sitz?

Die Zentrale befindet sich im Riverbank House in London. Die Muttergesellschaft Man Group plc unterliegt dem Gesellschaftsrecht von Jersey, weltweit unterhält die Gruppe nach eigenen Angaben 25 Standorte.

Ist die Man Group börsennotiert?

Ja. Die Aktie wird unter dem Kürzel EMG an der London Stock Exchange gehandelt und ist im Mittelwerteindex FTSE 250 enthalten.

Wie viel Vermögen verwaltet die Man Group?

Zum 30. Juni 2026 waren es nach Unternehmensangaben 253,6 Mrd. US-Dollar. Ende 2025 hatte der Wert bei 227,6 Mrd. US-Dollar gelegen.

Wer führt die Man Group?

Vorstandschefin ist seit 2023 Robyn Grew, Vorsitzende des Verwaltungsrats ist Anne Wade. Antoine Forterre ist Finanzvorstand und zugleich für das operative Geschäft zuständig.

Was ist Man AHL?

Man AHL ist die älteste systematische Einheit der Gruppe. Sie wurde zwischen 1989 und 1994 übernommen und steuert ihre Fonds über computergestützte Modelle.

Können Privatanleger in Fonds der Man Group investieren?

Die klassischen Hedgefonds stehen in der Regel nur institutionellen und professionellen Anlegern offen. Für einzelne in Luxemburg aufgelegte Fonds mit Euro-Anteilsklassen regelt der Verkaufsprospekt, welcher Anlegerkreis zugelassen ist.

Quellen

  1. https://www.man.com/news-centre/trading-statement-30-june-2026
  2. https://www.investegate.co.uk/announcement/rns/man-group--emg/half-year-results-for-the-period-ended-30-june/9689873
  3. https://www.man.com/about-us
  4. https://www.man.com/de
  5. https://www.man.com/news-centre/man-group-announces-anne-wade-to-take-over-as-chair-in-late-2023
  6. https://streaming1.www.ajbell.co.uk/articles/latestnews/265721/brief-man-group-confirms-chair-departure-successor-start-date
  7. https://www.cityam.com/man-group-shares-surge-as-assets-hit-record-253bn/
  8. https://en.wikipedia.org/wiki/Man_Group
  9. https://www.finanzen.ch/fonds/man-ahl-alpha-core-alternative-dn-h-lu2563836241/sonst

Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Auswahl der porträtierten Häuser trifft allein die Redaktion; Einträge sind nicht käuflich, und Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Text. Keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Unternehmen. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.