ING Deutschland im Porträt
ING Deutschland ist die deutsche Tochter des niederländischen ING-Konzerns und gemessen an der Kundenzahl nach eigenen Angaben die drittgrößte Bank des Landes. Das Frankfurter Institut arbeitet ohne Filialen und verbindet Girokonto, Spareinlagen und Baufinanzierung mit einem Wertpapiergeschäft, das zu den größten im deutschen Privatkundenmarkt zählt. Ende 2025 führte die Bank 3,2 Mio. Depots.
Das Unternehmen im Überblick
Rechtsträger ist die ING-DiBa AG mit Sitz in Frankfurt am Main. Ihre Wurzeln liegen in der Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung AG, kurz BSV, die 1965 als filiallose Tochter der gewerkschaftsnahen Bank für Gemeinwirtschaft entstand. Aus ihr wurde 1994 zunächst die Allgemeine Deutsche Direktbank, deren Kurzform DiBa ab Ende der 1990er-Jahre als Marke diente. Der niederländische Finanzkonzern ING Groep stieg 1998 mit 49 Prozent ein und übernahm 2003 sämtliche Anteile. Im selben Zeitraum kamen die Nürnberger Entrium Direct Bankers hinzu, 2004 erschien erstmals der Markenname ING-DiBa mit dem orangefarbenen Löwen. Seit 2018 tritt das Haus als ING Deutschland auf.
Geführt wird die Bank von Lars Stoy als Vorstandsvorsitzendem, Finanzvorständin ist Nurten Erdogan (Stand Januar 2026). Die Konzernzahlen veröffentlicht die ING Holding Deutschland GmbH, die neben der ING-DiBa auch die Schwestergesellschaft Interhyp umfasst, den nach eigenen Angaben größten Vermittler privater Baufinanzierungen in Deutschland. Beide Gesellschaften zusammen beschäftigten 2025 im Durchschnitt 6.018 Menschen. Neben der Zentrale in Frankfurt unterhält ING Deutschland Standorte in Berlin, Hannover und Nürnberg. Für 2028 ist der Umzug in eine neue Zentrale im Frankfurter Hafenpark-Quartier geplant.
Die Konzernmutter ING Groep N.V. hat ihren Sitz in Amsterdam. Die ING-DiBa verfügt über eine deutsche Vollbanklizenz und wird von der BaFin beaufsichtigt. Als Teil der ING-Gruppe ist sie zugleich in die europäische Bankenaufsicht eingebunden.
Geschäftsmodell und Schwerpunkte
Den größten Teil seiner Erträge erzielt das Haus traditionell aus dem Zinsgeschäft, also aus der Spanne zwischen Einlagen und Krediten. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Zinsüberschuss bei 3,2 Mrd. Euro nach 3,6 Mrd. Euro im Vorjahr. Deutlich an Gewicht gewann dagegen das Provisionsgeschäft, zu dem das Depotgeschäft maßgeblich beiträgt: Das Provisionsergebnis stieg um 42 Prozent auf 715 Mio. Euro, wobei die Bank einen einmaligen Bilanzierungseffekt einräumt. Das Ergebnis vor Steuern ging auf 1,9 Mrd. Euro zurück, nach 2,1 Mrd. Euro im Jahr 2024. Die Bilanzsumme der ING Holding Deutschland belief sich Ende 2025 auf 207,7 Mrd. Euro.
Im Kreditgeschäft dominiert die private Baufinanzierung mit einem Bestand von 101,5 Mrd. Euro Ende 2025. Die Schwester Interhyp vermittelte im selben Jahr Finanzierungen über 26,4 Mrd. Euro, bei Verbraucherkrediten sagte ING neue Darlehen über 5,1 Mrd. Euro zu. Hinzu kommen Verbraucherkredite und ein Firmenkundengeschäft, das unter dem Namen Wholesale Banking vor allem von Frankfurt aus betrieben wird. Auf der Passivseite verwaltete die Bank Spar- und Girokontoeinlagen von 156 Mrd. Euro, ein Höchststand. Rund 4,1 Mio. Kunden führten Ende 2025 ein Girokonto bei ING.
Das Wertpapierangebot läuft unter dem Namen Direkt-Depot. Handelbar sind Aktien, Anleihen, Investmentfonds, ETFs, Zertifikate und Optionsscheine. Seit Februar 2026 bietet die Bank zusätzlich börsengehandelte Schuldverschreibungen auf Kryptowerte an, sogenannte Krypto-ETNs, auch im Sparplan. Direkte Kryptowährungen führt sie nach den vorliegenden Angaben nicht. Für Minderjährige gibt es ein Junior-Depot, 2025 kam mit dem Direkt-Depot Young ein Einstiegsangebot für junge Erwachsene hinzu. Laut Fachportalen erreichen Kunden Xetra, sämtliche deutschen Regionalbörsen und ausgewählte internationale Handelsplätze.
Geschichte und Entwicklung
Den Wertpapierhandel nahm die damalige DiBa früh ins Programm. Investmentfonds gab es seit 1995, den Internethandel mit Wertpapieren führte die Bank 1999 ein, im selben Jahr wie die Übernahme der Bank GiroTel in Hannover. Das Kerngeschäft blieben aber über Jahre Tagesgeld, Festgeld und Baufinanzierung. 2002 zählte die Bank ihren millionsten Kunden, nach dem Zukauf von Entrium waren es rund drei Millionen. Die 2002 erworbene Degussa Bank verkaufte sie 2006 mit Verlust wieder.
In der Phase niedriger und negativer Zinsen verschob sich der Schwerpunkt. Die Bank baute das Depotgeschäft aus und kooperierte seit 2017 mit dem Robo-Advisor Scalable Capital. 2018 übernahm die Bank zudem den Berliner Mittelstandsfinanzierer Lendico.
Wie stark das Wertpapiergeschäft in den vergangenen Jahren gewachsen ist, zeigen die Jahreszahlen. Ende 2023 führte ING Deutschland 2,5 Mio. Depots, Ende 2024 waren es mehr als 2,8 Mio., Ende 2025 rund 3,2 Mio. Die Zahl der ausgeführten Wertpapiergeschäfte stieg von 35,0 Mio. im Jahr 2023 über 43,3 Mio. auf 55,2 Mio. im Jahr 2025. Das Depotvolumen legte 2025 um 22 Prozent auf 134,6 Mrd. Euro zu, wobei laut Bank gut die Hälfte des Zuwachses auf Nettozuflüsse entfiel und der Rest auf Kursgewinne. Das Ziel von 10 Mio. Kunden, das sich die Bank für Ende 2025 gesetzt hatte, erreichte sie im selben Jahr.
Marktstellung und Besonderheiten
Mit 3,2 Mio. Depots zählt ING Deutschland zu den großen Adressen im deutschen Privatkundengeschäft mit Wertpapieren, vergleichbar etablierten Direktbanken wie der Commerzbank-Marke comdirect. Anders als bei vielen Neobrokern ist das Depot Teil einer Vollbank mit Girokonto, Spareinlagen und Krediten. Ein großer Teil der Depotkunden spart langfristig in Fonds. Eine Auswertung anonymisierter Depots ergab im Mai 2026, dass die Zahl der aktiven ETF-Anleger bei der Bank von 629.000 im ersten Quartal 2022 auf 1,3 Mio. im ersten Quartal 2026 gestiegen ist. Der Anteil der Depotkunden mit mindestens einem ETF wuchs im selben Zeitraum von 41 auf 55 Prozent.
Seit dem 1. Juli 2026 dürfen in Deutschland ansässige Wertpapierfirmen keine Zahlungen Dritter mehr dafür annehmen, dass sie Kundenaufträge an einen bestimmten Ausführungsplatz leiten. Die bis dahin geltende nationale Übergangsregel ist ausgelaufen, die BaFin hat ihre Auslegung im Juli 2026 in einer Aufsichtsmitteilung konkretisiert. Getroffen hat das Verbot vor allem Neobroker, deren Geschäftsmodell auf solchen Rückvergütungen beruhte. Ob und in welchem Umfang ING Deutschland von dem Verbot betroffen ist, lässt sich den ausgewerteten Quellen nicht entnehmen. Öffentliche Ankündigungen der Bank zu Änderungen an ihren Handelsplätzen im Zusammenhang mit dem Verbot lagen bis Oktober 2026 nicht vor.
Für Einlagen gilt die gesetzliche Einlagensicherung über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken bis 100.000 Euro je Kunde. Darüber hinaus ist die Bank dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken angeschlossen, dessen Schutzgrenzen bis 2030 schrittweise sinken. Wertpapiere im Depot bleiben Eigentum der Kunden und gehören nicht zur Insolvenzmasse der Bank. Grundlagen dazu erläutert unser Ratgeber zum Anlegerschutz.
Aufsichtsrechtliche Sanktionen im Wertpapiergeschäft sind aus den ausgewerteten Quellen nicht bekannt.
Einordnung
ING Deutschland ist für Privatanleger relevant, die Konto, Ersparnisse und Wertpapiere bei einer einzigen Direktbank führen und überwiegend langfristig über Fonds und ETFs anlegen. Für Beobachter des Marktes zeigt das Haus, wie eine klassische Einlagenbank ihr Ertragsmodell in Richtung Provisionsgeschäft verschiebt. Die Rolle als Tochter eines großen europäischen Konzerns gibt der Bank eine breite Kapitalbasis, bindet sie zugleich an die Strategie aus Amsterdam. Einen Überblick über vergleichbare Häuser bietet unsere Rubrik Online-Broker.
Häufige Fragen zu ING Deutschland
Wo hat ING Deutschland ihren Sitz?
Die Zentrale der ING-DiBa AG liegt in Frankfurt am Main. Weitere Standorte befinden sich in Berlin, Hannover und Nürnberg.
Wem gehört ING Deutschland?
Die Bank ist eine hundertprozentige Tochter des niederländischen Finanzkonzerns ING Groep mit Sitz in Amsterdam. ING stieg 1998 ein und übernahm 2003 alle Anteile.
Wie viele Depots führt ING Deutschland?
Ende 2025 waren es nach Angaben der Bank rund 3,2 Mio. Depots mit einem Volumen von 134,6 Mrd. Euro. Im Jahr 2025 wurden 55,2 Mio. Wertpapiergeschäfte ausgeführt.
Wie sind Einlagen bei ING Deutschland abgesichert?
Einlagen sind gesetzlich über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken bis 100.000 Euro je Kunde geschützt. Zusätzlich gehört die Bank dem freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands an.
Welche Wertpapiere können Kunden bei ING Deutschland handeln?
Das Direkt-Depot umfasst Aktien, Anleihen, Fonds, ETFs, Zertifikate und Optionsscheine. Seit Februar 2026 kommen Krypto-ETNs hinzu, auch als Sparplan.
Betrifft das PFOF-Verbot ING Deutschland?
Das seit 1. Juli 2026 geltende Verbot von Zahlungen für Orderflow traf vor allem Neobroker, die davon lebten. Öffentliche Ankündigungen der ING zu Änderungen bei den Handelsplätzen lagen bis Oktober 2026 nicht vor.
Quellen
- https://www.ing.de/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/geschaeftsjahr_2025/
- https://www.ing.de/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/ing-deutschland-erzielt-staerkstes-kundenwachstum-seit-uber-15-jahren/
- https://www.ing.de/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/etf-analyse/
- https://www.ing.de/ueber-uns/presse/pressemitteilungen
- https://www.ing.de/ueber-uns/unternehmen/
- https://www.ing.de/ueber-uns/unternehmen/geschichte/
- https://de.wikipedia.org/wiki/ING_Deutschland
- https://legal.pwc.de/de/news/fachbeitraege/deutschlands-pfof-verbot-ist-nun-vollstaendig-in-kraft
- https://www.ing.de/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/ing-deutschland-ab-2028-in-neuem-frankfurter-hauptsitz/
- https://goldesel.de/vergleich/depot/testbericht/ing
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