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Broker & Brokerage

Jefferies im Porträt

Jefferies ist eine an der New Yorker Börse notierte Investmentbank, die Unternehmen bei Übernahmen und Kapitalmaßnahmen berät und institutionellen Investoren Aktien- und Anleihehandel sowie Research anbietet. Anders als die großen amerikanischen Universalbanken betreibt das Haus kein Einlagen- und Privatkundengeschäft. In Europa arbeitet die Gruppe über eine Londoner Gesellschaft und eine von der BaFin beaufsichtigte Tochter in Frankfurt.

Das Unternehmen im Überblick

Den Grundstein legte Boyd Jefferies im Jahr 1962 mit 30.000 US-Dollar geliehenem Kapital. Spätestens ab den 1970er-Jahren war die Firma in Los Angeles ansässig. Ihr Gründer musste 1987 abtreten, nachdem er sich im Zusammenhang mit dem Insiderskandal um Ivan Boesky schuldig bekannt hatte, Aktien verdeckt für Dritte gehalten zu haben. Im September 2001 verlegte das Haus seinen Hauptsitz nach New York. Heute residiert die Zentrale an der Madison Avenue in Manhattan, regionale Hauptquartiere bestehen in London und Hongkong.

Die heutige Konzernstruktur geht auf die Fusion mit dem langjährigen Großaktionär Leucadia National zurück, die im März 2013 vollzogen wurde. Im Mai 2018 benannte sich Leucadia in Jefferies Financial Group um, die Aktie wird an der NYSE unter dem Kürzel JEF gehandelt. Größte operative Einheit ist die Broker-Dealer-Gesellschaft Jefferies LLC. Das Geschäftsjahr endet jeweils am 30. November.

An der Spitze steht seit Januar 2001 Richard Handler als Vorstandsvorsitzender, ihm zur Seite steht Präsident Brian Friedman. Den Vorsitz im Verwaltungsrat der Jefferies Financial Group führt seit 2013 Joseph Steinberg. Laut Jahresbericht (Form 10-K) beschäftigte der Konzern zum 30. November 2025 insgesamt 7.787 Menschen. Etwa die Hälfte davon arbeitete in Nord- und Südamerika, 36 Prozent in Europa und dem Nahen Osten und 14 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum. Zum 31. August 2026 meldete die Gruppe 7.065 Beschäftigte, ohne die Beteiligungen Tessellis und Stratos waren es 6.585.

Größter Aktionär ist inzwischen die japanische Sumitomo Mitsui Financial Group (SMBC). Die 2021 begonnene Allianz der beiden Häuser wurde 2023 auf M&A und Kapitalmarktgeschäft ausgeweitet. Im September 2025 kündigte SMBC an, seinen wirtschaftlichen Anteil von 15 auf bis zu 20 Prozent zu erhöhen, die Stimmrechte sollten dabei unter 5 Prozent bleiben. Nach Angaben von Jefferies zum dritten Quartal 2026 hält SMBC nun rund 20 Prozent. Vereinbart wurden zudem Kreditlinien über etwa 2,5 Mrd. US-Dollar sowie ein Gemeinschaftsunternehmen für japanisches Aktienresearch, Aktienhandel und Emissionsgeschäft, das im Januar 2027 den Betrieb aufnehmen soll.

Geschäftsmodell und Schwerpunkte

Jefferies berichtet in zwei Segmenten: Investment Banking and Capital Markets sowie Asset Management. Zum ersten gehören die Beratung bei Fusionen und Übernahmen, die Begleitung von Aktien- und Anleiheemissionen, Fremdfinanzierungen sowie der Handel mit Aktien, Anleihen und Derivaten für institutionelle Kunden einschließlich Research und Ausführung. Das zweite Segment umfasst eigene und beratene Fonds sowie Beteiligungen an externen Vermögensverwaltern. Im Dezember 2025 übernahm Jefferies 50 Prozent an Hildene, einem auf Kreditanlagen spezialisierten amerikanischen Vermögensverwalter.

Im Geschäftsjahr 2025 stiegen die Nettoerträge auf 7,34 Mrd. US-Dollar nach 7,03 Mrd. US-Dollar im Vorjahr. Davon entfielen 3,79 Mrd. US-Dollar auf das Investmentbanking und 1,91 Mrd. US-Dollar auf das Aktiengeschäft. Der den Stammaktionären zurechenbare Gewinn sank auf 630,8 Mio. US-Dollar nach 669,3 Mio. US-Dollar. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 31. August endete, erzielte der Konzern 2,22 Mrd. US-Dollar Nettoerträge und 261 Mio. US-Dollar Gewinn. Beratungsgeschäft und Aktienhandel erreichten dabei nach Angaben der Bank Rekordwerte: Die Beratungserträge lagen bei 818 Mio. US-Dollar, das Aktiengeschäft bei 626 Mio. US-Dollar. Schwächer liefen der Anleihehandel mit einem Minus von 26 Prozent und das Asset Management, dessen Nettoerträge auf 86 Mio. US-Dollar nach 177 Mio. US-Dollar zurückgingen.

Bezug zu Deutschland

Seit 1986 besteht mit Jefferies International Limited eine Gesellschaft in London, die von der britischen FCA beaufsichtigt wird und das Europageschäft lange allein trug. Mit Blick auf den Brexit gründete die Gruppe am 21. Juni 2017 die Jefferies GmbH in Frankfurt am Main. Laut ihrem Offenlegungsbericht für 2021 ist die GmbH eine hundertprozentige Konzerntochter mit Sitz an der Bockenheimer Landstraße, die von der BaFin als mittleres Wertpapierinstitut nach dem Wertpapierinstitutsgesetz eingestuft wird. Ihre Erlaubnis umfasst unter anderem Emissions- und Platzierungsgeschäft, Finanzkommissionsgeschäft und Eigenhandel. Zum damaligen Stand betrieb sie Research und Handel in Aktien, Anleihen und Devisen sowie Investmentbanking und unterhielt Zweigniederlassungen in Amsterdam, Kopenhagen, Madrid, Mailand, Paris, Stockholm und Warschau.

Den deutschen Kapitalmarktbereich baute Jefferies 2019 und 2020 deutlich aus. Nach einem Bericht von GlobalCapital wechselte 2019 ein Team um Oliver Diehl von Berenberg, hinzu kamen Ulrich Böckmann von Barclays und Berthold Müller von BNP Paribas. Im selben Jahr war Jefferies globaler Koordinator beim Börsengang der Brockhaus Capital Management in Frankfurt mit einem Volumen von 115 Mio. Euro.

Wie stark das Haus inzwischen in deutsche Emissionen eingebunden ist, zeigte das Jahr 2025. Für den geplanten Börsengang des Online-Autoteilehändlers Autodoc gehörte die Jefferies GmbH neben Barclays, Citigroup und der Deutschen Bank zu den vier globalen Koordinatoren. Am Abend des 24. Juni 2025, einen Tag vor der geplanten Erstnotiz, verschob Autodoc die Platzierung auf unbestimmte Zeit. Nach Medienberichten unter Berufung auf Insider reichte die Nachfrage institutioneller Investoren zu dem angestrebten Preis nicht aus.

Regulierung und Rechtsfragen

Die größte Belastung der jüngeren Zeit kam aus dem Zusammenbruch des amerikanischen Autoteilezulieferers First Brands, der am 24. September 2025 vor einem Insolvenzgericht in Houston Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragte. Betroffen war der von Jefferies beratene Fonds Point Bonita, an dem die Bank selbst rund 6 Prozent hält. Point Bonita hatte Forderungen aus Lieferungen von First Brands an Handelsketten wie Walmart und AutoZone angekauft, das damit verbundene Engagement bezifferte Jefferies auf etwa 715 Mio. US-Dollar. Das eigene Risiko der Bank lag nach einem Schreiben an Investoren vom Oktober 2025 bei rund 45 Mio. US-Dollar. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 buchte Jefferies daraus einen Verlust vor Steuern von 30 Mio. US-Dollar.

Handler und Friedman bezeichneten den Vorgang als ernste Enttäuschung und kündigten Anpassungen an den internen Kontrollen an. Nach Angaben von Banking Dive vom Januar 2026 untersucht die US-Börsenaufsicht SEC die Informationen, die Jefferies den Anlegern des Fonds rund um die Insolvenz gegeben hat. Anleger, die über zwei Gesellschaften von den Britischen Jungferninseln 25 Mio. US-Dollar in Point Bonita angelegt hatten, verklagten die Bank nach Presseberichten vom Februar 2026 auf 18,4 Mio. US-Dollar. Jefferies weist die Vorwürfe zurück und sieht sich selbst als Geschädigte eines Betrugs bei First Brands. Daneben streiten die Bank und First-Brands-Gründer Patrick James vor einem New Yorker Bundesgericht über Vorladungen und die Herausgabe interner Unterlagen. Im dritten Quartal 2026 nannte Jefferies die schwächere Entwicklung von Point Bonita erneut als einen Grund für geringere Erträge im Asset Management.

Marktstellung und Besonderheiten

Jefferies verbindet Beratung, Emissionsgeschäft und Wertpapierhandel unter einem Dach, verzichtet aber auf das Einlagengeschäft einer Universalbank. Die Kreditlinien von SMBC sollen laut der Vereinbarung vom September 2025 unter anderem Leveraged Loans in Europa, Finanzierungen vor Börsengängen in den USA und Verbriefungen stützen, zudem wollen beide Häuser größere Finanzinvestoren in Europa gemeinsam betreuen. Für den europäischen Aktienmarkt ist die Bank zugleich Researchanbieter und Handelspartner institutioneller Investoren, im Emissionsgeschäft tritt sie regelmäßig als Konsortialbank auf. Das Aktiengeschäft wuchs 2025 um rund 20 Prozent und erreichte im dritten Quartal 2026 einen Rekord.

Eine Besonderheit ist die Herkunft aus dem Mischkonzern Leucadia, dessen Beteiligungen außerhalb des Bankgeschäfts noch heute in den Zahlen auftauchen. Die Bank will diese Altbestände abbauen und den Verkauf der italienischen Telekommunikationsbeteiligung Tessellis abschließen. Ziel sei nach Aussage der Führung, Qualität und Stetigkeit der Erträge zu verbessern.

Einordnung

Für deutsche Unternehmen ist Jefferies vor allem als Berater bei Übernahmen und als Konsortialbank bei Börsengängen und Kapitalerhöhungen relevant, für Fondsgesellschaften als Anbieter von Aktienresearch und Orderausführung. Privatanleger haben mit dem Haus keinen direkten Kontakt, ihnen begegnet es allenfalls als Bank hinter einer Emission, wie sie unser IPO-Kalender verzeichnet. Bei der Beurteilung gehören die offenen Fragen aus dem Fall First Brands zum Gesamtbild. Vergleichbare Adressen im Aktienresearch für europäische Werte sind etwa Kepler Cheuvreux oder die übrigen Häuser der Rubrik Broker & Brokerage.

Häufige Fragen zu Jefferies

Wo hat Jefferies seinen Sitz?

Die Zentrale der Jefferies Financial Group liegt an der Madison Avenue in New York. In Europa arbeitet die Gruppe über Jefferies International Limited in London und die Jefferies GmbH in Frankfurt am Main.

Wem gehört Jefferies?

Jefferies ist börsennotiert und an der NYSE unter dem Kürzel JEF gelistet. Größter Aktionär ist laut Angaben vom September 2026 die japanische SMBC mit einem wirtschaftlichen Anteil von rund 20 Prozent bei weniger als 5 Prozent der Stimmrechte.

Wer leitet Jefferies?

Vorstandsvorsitzender ist seit Januar 2001 Richard Handler. Präsident des Konzerns ist Brian Friedman.

Wer beaufsichtigt Jefferies in Deutschland?

Die 2017 gegründete Jefferies GmbH in Frankfurt unterliegt der Aufsicht der BaFin und ist als mittleres Wertpapierinstitut eingestuft. Die Londoner Schwestergesellschaft Jefferies International Limited wird von der britischen FCA beaufsichtigt.

Welche Rolle hat Jefferies bei deutschen Börsengängen?

Die Bank tritt als Konsortialbank auf. 2025 war die Jefferies GmbH einer von vier globalen Koordinatoren des geplanten Autodoc-Börsengangs, der am 24. Juni 2025 kurz vor der Erstnotiz auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Was hat Jefferies mit First Brands zu tun?

Der von Jefferies beratene Fonds Point Bonita hielt Forderungen von rund 715 Mio. US-Dollar gegenüber dem im September 2025 insolventen Autoteilezulieferer. Jefferies verbuchte einen Verlust von 30 Mio. US-Dollar vor Steuern, die SEC prüft die Information der Fondsanleger, und die Bank bestreitet Vorwürfe von Investoren.

Quellen

  1. https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/0000096223/000009622326000009/jef-20251130.htm
  2. https://www.businesswire.com/news/home/20260107796286/en
  3. https://www.businesswire.com/news/home/20260928078906/en/Jefferies-Announces-Third-Quarter-2026-Financial-Results
  4. https://www.businesswire.com/news/home/20250918442139/en/SMBC-Group-and-Jefferies-Significantly-Expand-Their-Global-Strategic-Alliance
  5. https://s204.q4cdn.com/176394273/files/doc_downloads/jeff_gmbh/2021-JEG-IFR-Disclosure.pdf
  6. https://www.bankingdive.com/news/jefferies-30-million-loss-first-brands/809117/
  7. https://www.truckpartsandservice.com/business/article/15818234/jefferies-faces-investor-lawsuit-following-first-brands-collapse
  8. https://www.globalcapital.com/article/28msrwf3i64sdcddx76kv/people-and-markets/southpaw/jefferies-european-ib-engine-starts-to-purr
  9. https://www.boerse.de/nachrichten/EQS-News-AUTODOC-Plans-Frankfurt-Stock-Exchange-Listing/37486179
  10. https://www.deraktionaer.de/artikel/aktien/ipo-abgeblasen-autodoc-sagt-boersengang-erneut-ab-20382197.html
  11. https://find-and-update.company-information.service.gov.uk/company/01978621
  12. https://en.wikipedia.org/wiki/Jefferies_Group

Redaktionelles Porträt auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen. Die Auswahl der porträtierten Häuser trifft allein die Redaktion; Einträge sind nicht käuflich, und Unternehmen haben keinen Einfluss auf den Text. Keine Anlageberatung und keine Empfehlung für oder gegen ein Unternehmen. Hinweise auf Fehler bitte an redaktion@boersenbote.de.