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Köpfe der Finanzwelt · Dynastien

Susanne Klatten

Susanne Klatten gehört zu den Erben des Industriellen Herbert Quandt und ist gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan Quandt Ankeraktionärin der BMW AG, in deren Aufsichtsrat sie seit 1997 sitzt. Den Spezialchemiekonzern Altana besitzt sie über ihre Beteiligungsgesellschaft SKion vollständig. Darüber hinaus hält SKion Minderheiten an börsennotierten und privaten Industrieunternehmen, darunter seit 2009 an SGL Carbon. Mit der Gründerplattform UnternehmerTUM prägt sie zudem die Münchner Start-up-Szene.

Werdegang

Klatten, Jahrgang 1962, ist die Tochter von Herbert und Johanna Quandt. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1982 gingen dessen Beteiligungen auf die Witwe und die beiden Kinder über, womit die Rolle als Großaktionärin früh angelegt war.

Ihre Ausbildung verband Praxis und Studium. Von 1981 bis 1983 absolvierte sie bei der Werbeagentur Young & Rubicam in Frankfurt eine Ausbildung zur Werbekauffrau. Laut ihrem bei BMW veröffentlichten Lebenslauf studierte sie anschließend von 1984 bis 1985 Betriebswirtschaftslehre an der University of Buckingham in England, die sie mit dem Bachelor of Science abschloss, und erwarb 1988 am International Institute for Management Development in Lausanne einen MBA. Praktika führten sie unter anderem zur Deutschen Bank und in das BMW-Werk Regensburg. Seit 1991 bezeichnet sie sich als selbstständige Unternehmerin. Inzwischen trägt sie einen Ehrendoktortitel.

Früh übernahm sie Kontrollmandate. 1993 zog sie in den Aufsichtsrat der Altana AG ein, 1997 folgte gemeinsam mit ihrem Bruder der Aufsichtsrat der BMW AG. Das Vermögen der Geschwister wird im Family Office der Familie in Bad Homburg betreut. Nach einem Porträt der Börsen-Zeitung baute dessen Leiter Johannes Fritz ab 2000 getrennte Holdingstrukturen auf, darunter SKion für Susanne Klatten.

Rolle und Wirken

Im Zentrum ihres Einflusses steht BMW. Nach dem Tod der Mutter im August 2015 wurden deren Anteile zweieinhalb Jahre später je zur Hälfte auf die Kinder übertragen. Laut Stimmrechtsmitteilungen vom Februar 2018 hielt Klatten danach 20,9 Prozent der Stimmrechte, ihr Bruder 25,8 Prozent. Weil BMW zurückgekaufte Aktien einzog, stieg der gemeinsame Anteil der Geschwister nach Angaben der Börsen-Zeitung bis Ende Juni 2025 auf 50,2 Prozent. Im Dezember 2025 schlug der Konzern vor, die Vorzugsaktien eins zu eins in Stammaktien umzuwandeln, und legte das Vorhaben der Hauptversammlung im Mai 2026 vor. An der Stimmenmehrheit der beiden Großaktionäre ändert das nach Einschätzung der Börsen-Zeitung nichts. Einen aktuellen Einzelwert für Klatten nach der Umwandlung hat BörsenBote.de nicht bestätigen können.

Im Aufsichtsrat vertritt sie die Anteilseigner, ihr Mandat läuft nach Konzernangaben bis 2028. Den Vorsitz des Gremiums führt seit 2025 Nicolas Peter. Wie ihr Bruder unterliegt Klatten als Organmitglied den Meldepflichten für eigene Geschäfte mit BMW-Aktien, die BörsenBote.de in der Rubrik Directors' Dealings erläutert. Zu ihrem Bruder und dessen Beteiligungsgesellschaft siehe das Porträt von Stefan Quandt.

Altana ist der zweite Pfeiler. Bereits 2008 hielt Klatten 50,1 Prozent an dem Chemiekonzern aus Wesel. Im November jenes Jahres bot SKion den übrigen Aktionären 13 Euro je Aktie, für die restlichen 49,9 Prozent wären nach damaligen Angaben rund 910 Mio. Euro fällig gewesen. Nach dem Übernahmeangebot endete 2010 die Börsennotierung, sämtliche Aktien liegen seither bei SKion. Im Aufsichtsrat von Altana war sie nach Unternehmensangaben vom März 2024 eine von zwei stellvertretenden Vorsitzenden, den Vorsitz übernahm damals SKion-Geschäftsführer Frank Richter.

Unternehmen und Beteiligungen

SKion beschreibt sich selbst als renditeorientierte und wertebasierte Beteiligungsgesellschaft. Bevorzugt werden nach eigenen Angaben bedeutende Minderheiten von mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an Unternehmen mit 50 bis 500 Mio. Euro Umsatz, der Anlagehorizont liegt bei einem Jahrzehnt oder länger. Im Fokus stehen Industriegüter, Elektrotechnik, Optik, erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und Medizintechnik, regional der deutschsprachige Raum, die Niederlande, Großbritannien und Skandinavien. Geschäftsführer ist seit Juli 2020 Frank Richter.

Börsennotiert ist neben BMW vor allem die Beteiligung an SGL Carbon. 2009 stieg SKion bei dem Wiesbadener Kohlenstoffspezialisten ein, im selben Jahr zog Klatten in den Aufsichtsrat ein. Vom 30. April 2013 an führte sie das Gremium. Mit der Hauptversammlung am 9. Mai 2023 legte sie den Vorsitz nieder und verließ den Aufsichtsrat ganz. Sie begründete das damit, dass sich ihre unternehmerischen und gesellschaftlichen Aufgaben vervielfacht hätten. Die Beteiligung von damals rund 28,5 Prozent blieb davon nach Unternehmensangaben unberührt.

Ein eigener Schwerpunkt ist Wassertechnik. Seit 2011 gehört SKion Water vollständig zur Gruppe, darunter Anbieter wie Paques, Ovivo und Eliquo. Hinzu kommen Minderheiten am Altölaufbereiter Avista Oil seit 2012, an MultiMaterial-Welding in Biel seit 2015 und am sächsischen Technologieunternehmen watttron seit 2020. Seit 2022 ist SKion an BMZ Battery Solutions in Karlstein beteiligt, seit 2026 alleinige Eigentümerin wesentlicher Teile der früheren BMZ-Gruppe.

Auch Ausstiege prägen das Bild. Am Windturbinenhersteller Nordex war SKion ab 2008 beteiligt, verkaufte 2016 einen Großteil an den spanischen Konzern Acciona und trennte sich nach Medienberichten Ende Januar 2026 mit einer Platzierung von rund 7 Millionen Aktien bei institutionellen Investoren von den restlichen Papieren. Die Position am Sicherheitsspezialisten Gemalto ging 2019 mit dessen Übernahme an Thales über, der Druckmaschinenentwickler Landa Digital Printing, an dem die Gruppe beteiligt war, ging 2025 im Zuge eines gerichtlich genehmigten Schuldenrestrukturierungsverfahrens in Israel vollständig an den Finanzinvestor FIMI.

Öffentliche Rolle

Außerhalb der Unternehmen engagiert sich Klatten vor allem für Gründungen und Bildung. 2002 gründete sie UnternehmerTUM als gemeinnützige Einrichtung an der Technischen Universität München und ist Vorsitzende des Aufsichtsrats der UnternehmerTUM GmbH. Das Zentrum beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 500 Menschen und hat seit 2002 über 1.000 Start-ups begleitet. Der TU München ist sie als Ehrensenatorin und seit 2005 als Mitglied des Hochschulrats verbunden, 2009 stiftete sie dort einen Lehrstuhl für empirische Bildungsforschung. Mit der gemeinsam mit Phineo 2016 gestarteten Initiative SKala förderte sie bis 2022 gemeinnützige Organisationen.

Politisch wahrgenommen wurde eine Parteispende. Im Oktober 2013, kurz nach der Bundestagswahl, spendeten Johanna Quandt, Stefan Quandt und Susanne Klatten der CDU jeweils 230.000 Euro. LobbyControl und Oppositionspolitiker stellten einen zeitlichen Zusammenhang mit dem damaligen Einsatz der Bundesregierung für eine Verschiebung strengerer CO₂-Vorgaben für Neuwagen her. Die Spenden waren als Großspenden veröffentlicht worden.

Einordnung

Klatten steht für eine Form des Familienkapitalismus, die Ankerbeteiligungen an Großkonzernen mit einer aktiven Industrieholding verbindet. Bei BMW sichert sie gemeinsam mit ihrem Bruder eine stabile Mehrheit in der Hauptversammlung, was Übernahmen praktisch ausschließt und den Einfluss der übrigen Aktionäre begrenzt. Über SKion wirkt sie dagegen als langfristiger Minderheitsaktionär in mittelgroßen Industrieunternehmen. Für Anleger relevant sind vor allem ihre Mandate und Meldungen bei BMW sowie Veränderungen der SKion-Positionen bei börsennotierten Beteiligungen wie SGL Carbon, die über Stimmrechtsmitteilungen öffentlich werden.

Häufige Fragen zu Susanne Klatten

Wer ist Susanne Klatten?

Susanne Klatten, Jahrgang 1962, ist eine deutsche Unternehmerin und Tochter von Herbert und Johanna Quandt. Sie ist Großaktionärin der BMW AG und Eigentümerin der Altana AG.

Welche Funktion hat Susanne Klatten bei BMW?

Sie gehört dem Aufsichtsrat seit 1997 als Vertreterin der Anteilseigner an. Ihr Mandat läuft nach Angaben des Konzerns bis 2028.

Wie viel von BMW gehört Susanne Klatten?

Laut Stimmrechtsmitteilungen vom Februar 2018 hielt sie 20,9 Prozent der Stimmrechte. Zusammen mit ihrem Bruder kam sie Ende Juni 2025 auf 50,2 Prozent. Die 2026 der Hauptversammlung vorgelegte Umwandlung der Vorzugsaktien verändert die Berechnungsgrundlage.

Was ist SKion?

SKion ist die von Klatten gegründete Beteiligungsgesellschaft. Sie hält Altana vollständig, eine bedeutende Minderheit an SGL Carbon sowie Beteiligungen in Wassertechnik, Recycling, Batterietechnik und Fertigungstechnologie.

Sitzt Susanne Klatten noch im Aufsichtsrat von SGL Carbon?

Nein. Sie führte das Gremium von 2013 an und verließ es mit der Hauptversammlung am 9. Mai 2023. Die Beteiligung von SKion blieb davon unberührt.

Was ist UnternehmerTUM?

UnternehmerTUM ist ein 2002 von Klatten gegründetes Zentrum für Gründungen und Innovation an der Technischen Universität München. Sie ist Vorsitzende des Aufsichtsrats der UnternehmerTUM GmbH.

Quellen

  1. https://www.bmwgroup.com/de/unternehmen/unternehmensfuehrung/aufsichtsrat.html
  2. https://www.skion.de/
  3. https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/quandt-kinder-teilen-bmw-erbe-ihrer-mutter-auf
  4. https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/bmw-will-vorzugsaktien-abschaffen
  5. https://www.boersen-zeitung.de/personen/johannes-fritz-60
  6. https://www.boersen-zeitung.de/personen/klatten-verlasst-sgl-aufsichtsrat
  7. https://www.sglcarbon.com/news/pdf/2023-02-14-PM-SGL-Carbon-Vorsitz-Aufsichtsrat.pdf
  8. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/klatten-will-altana-ganz-1712797.html
  9. https://www.chemie.de/news/1183019/wechsel-an-der-spitze-des-altana-aufsichtsrats.html
  10. https://www.unternehmertum.de/about-us.html?lang=en
  11. https://www.autobild.de/artikel/grossspende-fuer-die-cdu-4413059.html
  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Klatten
  13. https://www.deraktionaer.de/artikel/mobilitaet-oel-energie/nordex-grossaktionaer-verkauft-aktie-unter-druck-und-jetzt-20394564.html
  14. https://print21.com.au/?p=16806

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